Der britische Popstar Boy George veröffentlicht seinen den Opfern des 7. Oktober gewidmeten Song »We Will Dance Again« und nimmt dafür Anfeindungen bis hin zu beruflichen Konsequenzen in Kauf.
Wenn die eigene Haltung echte Konsequenzen fordert, trennt sich die Spreu vom Weizen. In der Welt der Popkultur, in der Gratis-Mut und wohlfeiles Bekenntnis-Sponsoring zum Alltag gehören, bildet der britische Sänger Boy George derzeit eine bemerkenswerte Ausnahme. Die 65-jährige Ikone der 1980er-Jahre, einst weltberühmt geworden als Kopf der Band Culture Club, hat sich entschieden, nicht mit dem Strom zu schwimmen.
Mit dem Song »We Will Dance Again« (»Od Nirkod« deutsch: »Wir werden wieder tanzen«) wendet er sich deutlich gegen den antisemitischen Zeitgeist und bekundet seine Solidarität mit den Opfern des Terrors vom 7. Oktober 2023 sowie mit den Juden weltweit. Der Songtitel nimmt direkten Bezug auf das Nova-Musikfestival, auf dem Hamas-Terroristen hunderte junge Menschen beim Tanzen ermordeten. Boy George verdeutlicht darin den drastischen Unterschied zwischen legitimer Verteidigung und wohlfeiler Täter-Opfer-Umkehr.
Obwohl der Song unter Einsatz künstlicher Intelligenz produziert wurde, ist der von Boy George vorgegebene Rhythmus alles andere als ein Zufallsprodukt. Dass er für »We Will Dance Again« ausgerechnet einen Reggae-Beat wählte, besitzt nicht nur eine stilistische Symbolik, sondern fungiert vielmehr als strategischer Schachzug. Es ist ein musikalischer Meisterschlag, der marschierende Intifadisten auf dem falschen Fuß erwischt. Denn der Rhythmus verweist auf die Diversität der proisraelischen Community und prangert die Apartheid der Antisemiten jeglicher Couleur an.
Die Reggae-Kultur wurzelt zutiefst in der Sehnsucht nach Zion und der Tora-Symbolik. Davon hatte der weltbekannte Jamaikaner Bob Marley, Ikone der Reggae-Szene, hingebungsvoll gesungen. Marleys Familie führt diese Verbindung bis heute fort. Sein Sohn Ziggy ist mit einer Israelin verheiratet, die gemeinsamen Enkel der Reggae-Legende haben israelische Wurzeln. Wer Solidarität mit Israel im Reggae-Rhythmus besingt, eignet kein fremdes Genre an, sondern feiert die Vielfalt der jüdisch-solidarischen Bewegung.
Inhaltlich bietet Boy Georges Song klare Kante, wie die eröffnenden Strophen gleich erkennen lassen mit den Zeilen:
You say genocide I say war /
When you’re attacked /
That’s what the army is for /
Does it get ugly?
You bet it does /
When I know you want to kill /
Every last one of us.
Wörtlich ins Deutsche übersetzt: »Ihr nennt es Genozid, ich nenne es Krieg. Wenn man angegriffen wird, ist die Armee dafür da. Wird es brutal? Aber so was von – wenn ich weiß, dass ihr jeden von uns töten wollt.«
Die Kraft und Kosten echten Anstands
Die Reaktionen folgten prompt. Während dem Sänger aus den Kreisen der Israelhasser Wut entgegenschlug, erhielt er viel Zuspruch von jüdischen Organisationen, von Israels Außenminister Gideon Sa’ar sowie von Hillel Neuer. Der Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation UN Watch lobte öffentlich Boy Georges Mut, für die Wahrheit einzustehen.
Doch die Haltung forderte ihren Preis: Als der Manager seines Plattenlabels BGP, Tony Pontius, sich distanzierte und den Song nicht veröffentlichen wollte, zögerte Boy George nicht. Auf die Verweigerung seines Weggefährten mit den Worten, mit diesem Lied nichts zu tun haben zu wollen, folgte das prompte Ende der Zusammenarbeit. Wenn jemand so rückgratlos sei, dann falle der Abschied leicht, kommentierte der Sänger auf X. Sein Glaube an die Menschlichkeit bleibe unerschüttert – am Ende siege die Wahrheit.
Der Konflikt erfasste rasch die Theaterwelt: Kurzerhand gestrichen wurde Boy Georges geplanter Auftritt als König Herodes im Musical »Jesus Christ Superstar« im Londoner West End. Offiziell hieß es, Schaden von der Produktion solle abgewendet werden. In Wahrheit offenbart der Rauswurf die schiere Panik des Kulturbetriebs vor dem lautstarken Pöbel. Aus Furcht vor Boykottaufrufen knickte die Leitung lieber ein, als Haltung zu beweisen. Wer die antiisraelische Einheitslinie verlässt, bekommt berufliche Konsequenzen zu spüren.
Damit zwang Boy George die Kulturbranche zu einem moralischen Offenbarungseid. Wenn Empathie mit jüdischen Terroropfern zum Skandal wird, zeigt das die tiefgreifende Verrohung des Diskurses. Der Sänger verweigert den Kniefall, opfert Verträge für seine Integrität und setzt damit ein seltenes Signal der Hoffnung. Israel-Solidarität kostet heute ihren Preis – doch Boy George beweist, dass Anstand unbezahlbar bleibt.
