Grußwort des Betroffenen des antisemitischen Angriffs von Würzburg/Höchberg

Die Kundgebung gegen antisemitische Gewalt der Deutsch-Israelischen Würzburg

Das auf der Mahnkundgebung am 24. Juli 2026 in Würzburg verlesene Grußwort des Betroffenen, der am Wochenende zuvor wegen eines Israelansteckers brutal attackiert und schwer verletzt worden war.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, Chawerim,

ich freue mich ganz außerordentlich, Sie mit dieser Grußbotschaft begrüßen zu dürfen. Das ist nicht selbstverständlich, sondern es ist unverhofftem Glück zu verdanken, dass ich überhaupt in der Lage bin, meine Worte an Sie richten zu lassen.

Als Erstes möchte ich Ihnen, [dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland] Herrn Dr. Schuster, für Ihre herzlichen Genesungswünsche danken. Ich möchte auch der Jüdischen Gemeinde Würzburg für den mir vermittelten Beistand danken sowie Herrn Oberbürgermeister Heilig für die sofort erfolgte Unterstützungserklärung. Mein ausgesprochener Dank gilt auch Herrn Bischof Jung für die klaren Worte.

Den Genossinnen und Genossen der Würzburger DIG [Deutsch-Israelischen Gesellschaft] möchte ich für die schnelle und effiziente Reaktion und ihren persönlichen, mir sehr wichtigen Zuspruch und die ganz praktische Hilfe danken – und auch für das prompte und hilfreiche Eingreifen des DIG-Bundesvorstands. Bernd Sommer und Volker Beck: Danke auch für die Blumen. Apropos Blumen: Danke auch an den ça-ira Verlag für die Unterstützungskampagne und auch den riesigen Strauß.

Besonders berührt hat mich die Vielzahl der häufig sehr persönlich gehaltenen Schreiben, etwa von Eugenia Kashi von Keren Hayesod, und die gemalte Botschaft von Lavie. Ich werde versuchen, allen zu antworten, das wird aber einige Zeit dauern. Dank möchte ich auch den vielen Menschen aus Höchberg aussprechen, die mich über verschiedene Wege grüßen ließen, den Nachbarn und Passantinnen, von denen auch die Polizei verständigt worden war, und die wohl auch, was ich während des Überfalls gar nicht so wahrgenommen habe, versucht hatten, den Täter durch Zurufe abzuhalten. Dafür meinen tief empfundenen Dank.

Ebenfalls vielen Dank an die Polizei. Ich denke an den verletzten Kollegen und wünsche schnelle Genesung. Ebenso danke ich den Rettungskräften. Herzlichen Dank auch an das überaus hilfsbereite Personal der Uniklinik Würzburg! Danke auch an Sie und euch alle, die Sie hier sind, die ihr da seid, um ein Zeichen gegen den antisemitischen und antizionistischen Hass zu setzen.

Der Hass gegen Israel, die nicht zu zügelnde Wut auf den jüdischen Staat und auch auf jüdisches Leben weltweit. Diesen Hass habe ich seit langem und oft gesehen. Ich habe ihn vor dem siebten Oktober bereits gehört und seitdem auch zu spüren bekommen. Dieses Mal war es mehr als die bloße Drohung, mich »einmal zu erwischen«. Ich konnte mich diesmal nicht in einen Bus flüchten und auch nicht rechtzeitig die Polizei rufen, wie es mir noch im letzten Jahr gelungen war.

Wunsch nach Vernichtung

Auslöser auch dieser Angriffe auf mich war stets das Symbol, das sowohl für den Staat Israel als auch für das jüdische Volk weltweit einsteht: der Stern, das Schild Davids, Schutzschild der Juden. Es ist dieser Hass auf alles, was als jüdisch verstanden oder missverstanden werden kann, und der mit Antisemitismus oft mehr schlecht als recht etikettiert wird. Denn dieser Hass zielt auf Mord, auf völlige Vernichtung. Was er will, ist der Tod des Juden. Es ist dieser nackte Hass, der aufhören muss!

Der Hass richtet sich gegen die Opfer von Verfolgung, Pogrom, Vernichtung und Angriffskrieg, denen diese Untaten selbst zur Last gelegt werden sollen – und die dafür büßen sollen. Was den Antisemiten antreibt, ist das Bedürfnis nach Strafe. Er verlangt Strafe für das bloße Überleben der Opfer seiner Verfolgung. Daher trachtet er nach dem Tod. Er will die Vernichtung um der Vernichtung willen.

Dieser Hass kommt aus allen Richtungen, ich habe ihn gehört von offenen Nazis, die »Ab ins Gas« skandierten, von islamistischen Hetzern, die »Khaybar, Khaybar« riefen – nach dem im Koran geschilderten Judengemetzel. Ich habe diesen Hass aus dem Munde scheinbar liberaler »Diskussionspartner« gehört. Diese warfen mir die Unterstützung des »Völkermords in Permanenz« vor: Damit meinen sie Israel. Ehemalige Genossinnen und Genossen pflegten mich dann gleich »Zionistenschwein« zu nennen.

Der Hass kann auf die drei einfachen Worte »Tod den Juden« zusammengefasst werden. Das ist keine arabische Spezialität, sondern eine universale Sprache: die überall verstandene und überall wiederholte Hass-Sprache der Gewalt. Es ist die Drohung mit dem Tode – an jedem Ort und zu jeder Zeit.

Das ist das, wogegen wir uns richten. Es ist Zeit, den Hass zu beenden, ihm entgegenzutreten und sich nicht klein und ohnmächtig machen zu lassen, verlacht von den Hassern, sondern weiter aufzustehen. Für das Leben. Am Israel Chai.

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