Seit Jahresbeginn beschlagnahmte Syrien 31 Millionen Captagon-Tabletten

Bei Razzien wurden in diesem Jahr in Syrien bereits mehr als 30 Millionen Captagon-Pillen beschlagnahmt

Im Rahmen großangelegter Razzien zur Drogenbekämpfung konnte Syrien – zum Teil in Kooperation mit dem Irak – bedeutende Captagon-Produktions- und -schmuggelnetzwerke zerschlagen.

Die syrische Drogenbekämpfungsbehörde gab vergangene Woche bekannt, dass sie in diesem Jahr im Zuge landesweiter Razzien gegen Drogenhandelsnetzwerke bereits 31 Millionen Captagon-Tabletten beschlagnahmt und mehrere grenzüberschreitende Operationen durchgeführt habe. »Im Laufe dieses Jahres haben unsere Einheiten im Rahmen präventiver Einsätze 84 Großoperationen durchgeführt.« Davon seien elf grenzüberschreitende Operationen und 73 inländische Einsätze gewesen, durch die die Drogen-Netzwerke »im ganzen Land zerschlagen und ihre lebenswichtigen Versorgungswege unterbrochen wurden.«

Die Behörde gab an, dass die Operationen zur Beschlagnahmung von etwa 31 Millionen Captagon-Pillen, fast einer halben Tonne Haschisch und Marihuana sowie 15.840 Kilogramm Rohstoffen und fünfzehn GPS-Geräten« geführt hätten, die zur Navigation von Schmuggelkonvois durch die Wüste verwendet worden waren. Die Behörde erklärte, Kriminelle nutzten die Provinz Homs als Korridor für ihre Operationen. Die Provinz grenzt im Westen an den Libanon und erstreckt sich tief in die Wüste hinein.

Syrien galt unter dem Regime des gestürzten syrischen Diktators Bashar al-Assad weithin als Hauptquelle für die Herstellung und den Vertrieb von Captagon. Der Handel mit dem starken Amphetamin entwickelte sich zu einem politischen und wirtschaftlichen Instrument des Assad-Regimes, wobei viele Analysten Maher al-Assad, den Bruder des Präsidenten, als Schlüsselfigur hinter dieser Industrie identifizierten.

Ende Juni erklärte Syriens Interimspräsident Ahmed al-Sharaa den Krieg gegen die Drogen, um das vom vorherigen Regime geerbte Netzwerk der Drogenherstellung und des Drogenhandels zu zerschlagen. Unterdessen bekräftigte Syriens Innenminister Anas Khattab anlässlich des Internationalen Tages gegen den Drogenmissbrauch in einer Erklärung seine Entschlossenheit, »dieser gefährlichen Geißel mit allen rechtmäßigen Mitteln entgegenzutreten, um das Ziel eines drogenfreien Syriens zu erreichen«.

Länderübergreifende Kooperation

Die als Korridor benutzte Provinz Homs grenzt an die nordöstliche Region Baalbeck-Hermal im Libanon sowie an die Bekaa-Ebene. In diesen Regionen wurden zahlreiche Fabriken errichtet. Dort haben unwegsames Gelände, seit langem bestehende clangestützte Netzwerke und schwache staatliche Kontrolle eine Hochburg des Schmuggels entstehen lassen. Die äußerst durchlässige Grenze, gepaart mit tiefen familiären und wirtschaftlichen Bindungen zwischen den Grenzgemeinden, begünstigt den illegalen Drogenhandel zusätzlich.

Zudem erschwert die Präsenz mächtiger nichtstaatlicher Akteure – allen voran die libanesische Hisbollah – die Bemühungen der Strafverfolgungsbehörden. Mit ihren eigenen Versorgungswegen und ihrer logistischen Infrastruktur erleichtert Hisbollah seit langem den Drogenschmuggel und partizipiert direkt daran. Damit untergräbt sie die Bemühungen sowohl der libanesischen als auch der syrischen staatlichen Sicherheitskräfte.

Im vergangenen Monat zerschlugen irakische und syrische Drogenbekämpfungsbehörden mit gemeinsamen Operationen in den syrischen Provinzen Homs und Deir ez-Zor einen internationalen Drogenring. Die Bekämpfung des Drogenhandels ist ein zentraler Bereich der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern, die sich eine sechshundert Kilometer lange Grenze teilen. Bis Mitte 2025 verlagerte sich die Zusammenarbeit von der bloßen Überwachung hin zu grenzüberschreitenden Razzien. Dadurch konnten irakische Sicherheitskräfte syrisches Territorium betreten, um Netzwerke aufzubringen, die illegale Lieferungen ins Land oder weiter in die Golfstaaten schmuggeln.

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