Zwei Soldatinnen vom Stützpunkt Nahal Oz eröffnen in Jerusalem ein Café zum Gedenken an Freundinnen, die am 7. Oktober 2023 von der Hamas ermordet wurden.
Linda Gradstein
Tama Ben Hagai und Yaeli Billig befanden sich am 7. Oktober 2023 nicht im Einsatzraum des IDF-Außenpostens Nahal Oz, der weniger als eine Meile vom Gazastreifen entfernt liegt. Ben Hagai absolvierte gerade ihren Offizierslehrgang, während Billig auf Urlaub zu Hause war.
Doch fünfzehn ihrer Kolleginnen, die als Feldbeobachterinnen – sogenannte »Späherinnen« – im Einsatz waren, wurden getötet und sieben wurden von Hamas-Terroristen gefangen genommen und nach Gaza verschleppt. Ein Video von der Gefangennahme der jungen Frauen, in dem ein bewaffneter Hamas-Kämpfer einer von ihnen sagt: »Du bist schön«, während er ihr die Hände fesselt, verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet.
Der Dienst als Feldbeobachterin ist eine Aufgabe im Nachrichtendienst, die höchste Konzentration und den Einsatz modernster Technologie zur Überwachung feindlicher Aktivitäten erfordert. Diese Position wird fast ausschließlich von Frauen besetzt.
Heilungsprozess
Von den sieben jungen Frauen, die als Geiseln genommen wurden, wurde eine vom israelischen Militär befreit, eine wurde in Gefangenschaft von einem Arzt ermordet und fünf wurden mehr als 460 Tage lang festgehalten, bevor sie freigelassen wurden.
Ben Hagai und Billig sagten, zuerst hätten sie selten darüber gesprochen, was am 7. Oktober geschehen ist, obwohl beide bei dem Anschlag enge Freunde verloren haben. Nach Abschluss ihres Militärdienstes beschlossen sie dann aber, gemeinsam etwas zu unternehmen, um der Getöteten und Entführten zu gedenken.
Vor kurzem eröffneten sie »Nuli«, ein winziges Café im Zentrum Jerusalems, an dessen Eingang ein Schild mit der Aufschrift steht: »Dieses Geschäft ist dem Gedenken an die Einsatzzentrale (hamal) in Nahal Oz gewidmet.« Neben hochwertigem Kaffee und einer kleinen Auswahl an Backwaren, Kuchen und Salaten erzählen die beiden jungen Frauen davon, was am 7. Oktober 2023 geschah. Außerdem sammeln sie Spenden für eine gemeinnützige Organisation, die die Feldbeobachterinnen von Nahal Oz und deren Familien unterstützt. Handgefertigte Töpferwaren und andere Geschenke können ebenfalls erworben werden.
»In erster Linie wollen wir den Menschen einfach eine Freude machen«, sagte Ben Hagai. »Wer bekommt schon Schokolade, Kaffee und ein Geschenk und lächelt dann nicht?« Ben Hagai und Billig begrüßen jeden Gast, der durch die Tür kommt, herzlich – viele davon Stammgäste. Andere bleiben bloß kurz stehen, um nach der Bedeutung des Schilds zu fragen, mit dem das Lokal ihren Freundinnen gewidmet ist.
Beide Frauen sagen, dass die Eröffnung des Cafés Teil ihres eigenen Heilungsprozesses geworden ist. »Da wir so vielen der Getöteten sehr nahestanden, wollte ich eigentlich nicht darüber sprechen«, sagte Billig. »Es ist schwer«, fügte Ben Hagai hinzu. »Aber ich habe das Gefühl, dass es Teil meines eigenen Genesungsprozesses ist, die Geschichte dessen zu erzählen, was an jenem Tag passiert ist.«
Auf die Frage, ob die israelische Gesellschaft fast drei Jahre später beginne, die Ereignisse vom 7. Oktober zu vergessen, hielten beide Frauen inne. »Ich glaube, manche Menschen kennen die Geschichte von Nahal Oz wirklich nicht«, sagte Billig. »Für andere ist es eine Erinnerung daran, was dort geschehen ist.«
Die beiden jungen Frauen hoffen, dass die Welt niemals vergisst, was am 7. Oktober in Nahal Oz geschehen ist. Und sie hoffen, dazu beitragen zu können, diese Erinnerungen lebendig zu halten – mit gutem Kaffee, einem Gebäck und einem Lächeln.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)
