Hamas-Netzwerk in Europa: Mossad deckt Terrorzellen auf

Mossad: Spur führt in die Türkei. Hamas-Anhänger demonstrieren vor deutschem Konsulat in Istanbul

Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad und seine europäischen Partner melden einen durchschlagenden Erfolg, der zeigt, wie die Hamas-Strategie dem Vorbild des Irans folgt.

In enger Zusammenarbeit mit verschiedensten Behörden wurden mehrere Terrorzellen der Hamas aufgedeckt, die jüdische und israelische Ziele auf dem gesamten Kontinent ins Visier genommen und Anschläge geplant hatten, wie Jerusalem am Mittwoch bekannt gab. Es sei zu einer Welle von Festnahmen und Sicherstellung von Waffen gekommen.

Israel beschreibt die Strukturen als über Jahre gewachsen und seit dem 7. Oktober 2023 deutlich aktiviert. Die Zellen hätten, so die im Namen des Mossads veröffentlichte Mitteilung des israelischen Premierministers, bereitgestanden, um »am Tag des Befehls« zuzuschlagen.

Waffenlager in Wien

In Wien stießen Ermittler bereits im September auf ein Waffenlager mit Pistolen und Sprengstoff. Die Spur führt zu Muhammad Naim, Sohn des hochrangigen Hamas-Politbüromitglieds Bassem Naim, der wiederum eng mit dem Chefunterhändler der Hamas, Khalil al-Hayya, vernetzt ist. Im Rahmen der Ermittlungen wurde bekannt, dass sich die Naims im September in Katar getroffen hatten.

»Der Zeitpunkt dieses Treffens deutet auf eine mögliche Beteiligung der Hamas-Führung an der Förderung des Terrorismus in Europa hin, indem sie Aktivisten die Befugnis und Genehmigung erteilt, terroristische Operationen voranzutreiben. Die pauschalen Dementis der Führung könnten tatsächlich auf einen Kontrollverlust über abtrünnige Aktivisten hindeuten«, heißt es in der von Benjamin Netanjahu verlautbarten Erklärung.

Auch Hamas-Funktionäre in der Türkei stehen im Fokus der Ermittlungen. Sie sollen Anschlagspläne gefördert haben, von denen einige bereits aufgedeckt wurden. »Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Türkei historisch gesehen ein günstiger Schauplatz für Aktivitäten der Hamas ist«, erklärte der Mossad. Ankara und die Türkei im Allgemeinen gelten seit Jahren als Rückzugs- und Infrastrukturraum der palästinensischen Terrororganisation.

Im Oktober wurden in Deutschland drei Männer festgenommen, die im Auftrag der Hamas einen Anschlag auf jüdische Einrichtungen vorbereitet haben sollen, eine Woche vor dem zweiten Jahrestag des Angriffs der terroristischen islamistischen Gruppe auf Israel am 7. Oktober 2023. Laut Staatsanwaltschaft agierten sie als ausländische Agenten für die Hamas und waren an der Beschaffung von Schusswaffen und Munition beteiligt, die für Anschläge in Deutschland verwendet werden sollten.

Im November wurde Barhan al-Khatib von den deutschen Behörden festgenommen, eine Schlüsselfigur im Hamas-Netzwerk, nachdem er aus der Türkei zurückgekehrt war, »offenbar nach Abschluss seiner operativen Aktivitäten«, wie der Mossad berichtete.

Zwei Entwicklungen

Österreich und Deutschland nehmen inzwischen verstärkt religiöse Vereine und Institutionen ins Visier, die für die Hamas laut israelischen Angaben Spenden sammeln und Anhänger rekrutieren. Israel sieht darin eine gezielte Strategie der Terrororganisation, ihre Operationsfähigkeit in Europa auszubauen. Die Aktivitäten ähneln laut dem Mossad jenen der iranischen Stellvertretergruppen. Derzeit arbeitet der israelische Geheimdienst intensiv daran, Dutzende geplante Anschläge weltweit zu vereiteln.

Aus den jüngsten außenoperativen Manövern der Hamas lassen sich zwei Entwicklungen ablesen:

Erstens greift die Hamas auf die Expertise und Infrastruktur europäischer organisierter Kriminalität zurück, um Anschläge zu planen und Waffen zu verschieben. Ein pragmatisches Bündnis, das die Gefährlichkeit ihrer Netzwerke erheblich verstärkt. Diese Kooperation galt bislang vor allem als Methode der iranischen Quds-Forces, der Auslandseinheit der Revolutionsgarde der Islamischen Republik Iran.

Zweitens belegen die Funde, dass die Anschläge vom 7. Oktober 2023 kein isoliertes Projekt waren. Schon lange zuvor begann die Hamas mit dem Aufbau eines belastbaren Auslandsnetzes, das sie je nach Bedarf aktivieren kann. Die Vorstellung, die Organisation beschränke sich auf regionale Terrortaktiken, hält einer Realität nicht stand, in der sie längst an Strukturen arbeitet, die grenzüberschreitende Operationen nicht nur ermöglichen, sondern auch vorbereiten.

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