Wie Adolf Hitler Mitglied bei den Genocide Scholars wurde

Logo der International Association of Genocide Scholars (IAGS)

Ein Exempel über die Seriosität der International Association of Genocide Scholars, die eine Resolution verabschiedete, in der Israel ein Genozid im Gazastreifen vorgeworfen wird.

Tilman Tarach

Die International Association of Genocide Scholars (IAGS) hat am vergangenen 31. August in einer Resolution Israel als verantwortlich für einen »Genozid« im Gazastreifen mit angeblichen 86 Prozent Zustimmung verurteilt. Tatsächlich beteiligten sich jedoch nur 28 Prozent der rund fünfhundert Mitglieder an der Abstimmung. Gegenstimmen wurden unterdrückt, wie dieser Beitrag auf dem Blog der Times of Israel darlegt und auch von der Genozidforscherin Sara Brown, selbst langjähriges IAGS-Mitglied, kritisiert wird.

Die Mitgliedschaft in der IAGS basiert allerdings ausschließlich in der Zahlung des Beitrags (ab dreißig Dollar pro Jahr), denn die Aufnahmekriterien sind lächerlich unscharf. Laut IAGS dürfen Mitglied werden:

»Wissenschaftler, Menschenrechtsaktivisten, Studenten, Museums- und Gedenkstättenfachleute, politische Entscheidungsträger, Pädagogen, Anthropologen, unabhängige Wissenschaftler, Soziologen, Künstler, Politikwissenschaftler, Ökonomen, Historiker, Völkerrechtler, Psychologen sowie Literatur- und Filmwissenschaftler.«

Mit anderen Worten: Jeder, der einen Israelhass-Account bei Instagram betreibt, gilt als Experte und ist willkommen. Die Bezeichnung »Genocide Scholars« (Genozidforscher) ist also irreführend. [Nach der Abstimmung erklärte auch die bereits angesprochene Sara Brown, dass der Verein ursprünglich aus Wissenschaftlern bestand, aber nun auch Nicht-Experten, darunter Aktivisten, als Mitglieder zulässt; Anm. Mena-Watch.]

Dass das absurde Konsequenzen haben kann, zeigt ein groteskes Beispiel: Unter den Mitgliedern der IAGS findet sich auch ein Profil namens »Adolf Hitler« (Archivbeleg).

Der Autor dieses Artikels hat sich testweise als Mitglied registriert – ohne jede Qualifikations- oder Identitätsprüfung. (Die Bezeichnung »Inactive member« bedeutet bei Fachgesellschaften lediglich, dass die Zahlung noch nicht eingegangen ist beziehungsweise ausgesetzt wurde.)

Ob »Adolf Hitler« an der anti-israelischen Abstimmung teilgenommen hat? Wahrscheinlich nicht, weil der Account seinen Beitrag (noch) nicht bezahlt hat. Die Stimmabgabe erfolgte jedoch online über ein internes System der IAGS und insofern anonym, als niemand sehen kann, wer wie gestimmt hat. Und da jeder »Aktivist« willkommen und stimmberechtigt ist (sofern der Mitgliedsbeitrag bezahlt wurde), könnten Hitlers Nachfahren im Geiste tatsächlich an der Hass-Abstimmung teilgenommen haben. Oder nicht?

Der Artikel erschien zuerst bei Jungleblog.

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