Ein Berater des Teheraner Bürgermeisters erklärte, Israel habe während seines Krieges »okkulte und übernatürliche Kräfte« wie Dschinn gegen den Iran eingesetzt.
Laut einem Bericht von Iran International offenbarte der ehemalige Herausgeber der mit der Islamischen Revolutionsgarde verbundenen Zeitung Javan, Abdollah Ganji, seinen 150.000 Followern kürzlich auf X, dass während des zwölfttägigen Kriegs ein »seltsames Phänomen« stattgefunden habe.
So seien »nach dem jüngsten Krieg auf den Straßen Teherans einige Blätter gefunden worden, die Talismane mit jüdischen Symbolen zeigten. Im ersten Jahr des Gaza-Kriegs sickerten auch Nachrichten über ein Treffen Netanjahus mit Okkultismus-Spezialisten durch. Und vor einigen Jahren erklärte der Oberste Führer, dass feindliche Länder sowie westliche und hebräische Geheimdienste Okkultismus und Dschinn-Wesen für Spionagezwecke einsetzen«, schrieb Ganji unter Bezug auf Ausführungen des Obersten Führers der Islamischen Republik, Ali Khamenei, vom 22. März 2020, die später aus den offiziellen Protokollen der Rede gestrichen wurden.
Der aktuell als Berater des Teheraner Bürgermeisters tätige Ganji bediente sich damit eines weit verbreiteten Musters unter den Funktionären der Islamischen Republik. In der politischen und religiösen Rhetorik des Regimes sind Verweise auf übernatürliche Phänomene wie Dschinn nach wie vor weit verbreitet, insbesondere, wenn es um Israel und westliche Mächte geht. Geistliche im iranischen Fernsehen und Radio haben wiederholt über den angeblichen Einsatz von Dschinn durch Israel diskutiert.
»Angesichts der Geschichte der Zionisten, Dschinn zu kontrollieren, werden viele ihrer Missionen durch sie ausgeführt«, so Hojatoleslam Mehdi Karami in einer TV-Sendung im Oktober 2024 unter Bezug auf die Tötung des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah bei einem israelischen Luftschlag in Beirut. Im März 2023 strahlte das staatliche Fernsehen Äußerungen des Koranwissenschaftlers Hojjat ol-Eslam Valiyollah Naghipourfar aus, der behauptete, der iranische Geheimdienst habe israelische Infiltrationsversuche durch Dschinn vereitelt.
"Considering the Zionists' history of subjugating genies, they carry out many of their missions through this means, and demons are their secret army," said Iranian Shia seminary teacher Mostafa Karami in a televised interview, referring to Israel's killing of Hassan Nasrallah. pic.twitter.com/RHpI7EZSQg
— Iran International English (@IranIntl_En) September 29, 2024
Okkulte Praktiken
In der islamischen Tradition sind Dschinns übernatürliche Wesen aus Feuer, die sich von Menschen unterscheiden, die aus der Erde geschaffen wurden. Diese Geister werden häufig im Koran erwähnt, haben ihre Wurzeln in der vorislamischen Mythologie und sollen die Fähigkeit besitzen, ihre Gestalt zu verändern, die Gedanken der Menschen zu beeinflussen und als Agenten des Bösen oder als Spione zu agieren.
Während viele Geistliche Dschinn als real und spirituell mächtig betrachten, interpretieren sie andere – insbesondere unter den modernistischen Theologen des Irans – metaphorisch. Ganjis Kommentar zu X hat diese Debatte neu entfacht, wobei Ganjis Kritiker diesem ausgerechnet Verharmlosung Israel vorwarfen. »Über jüdische Talismane und die Rolle von Dschinn und Feen bei Israels Aggression gegen den Iran zu sprechen, ist ein Versuch, die Rolle von Eindringlingen herunterzuspielen und die Taktik des Feindes zu übersehen«, schrieb etwa der ehemalige Regierungssprecher Abdollah Ramezanzadeh auf X.
Um die Debatte noch spannender zu machen, fiel Ganjis Beitrag mit der Verbreitung eines Satellitenbildes zusammen, das geometrische Muster, darunter Davidsterne und Dreiecke, zeigte, die in der Wüstenlandschaft in der Nähe einer Raketenbasis im Zentrum des Irans eingraviert worden waren. Die Herkunft der Formen ist unklar, aber einige Social-Media-Nutzer brachten sie ebenfalls mit okkulten oder symbolischen Aktionen gegen das iranische Militär in Verbindung. Die Markierungen wurden inzwischen entfernt.
DISCUSSION:
The Mossad marked an Iranian missile base with Stars of David pic.twitter.com/hEH9cJDZH8
— Mossad Commentary (@MOSSADil) June 30, 2025
