Das Nuklearmaterial, das für eine schmutzige Bombe verwendet werden könnte, wird an einem als »Standort 99« bezeichneten geheimen Ort gelagert.
Die syrische Regierung hat einem Abkommen zugestimmt, das es der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) gestattet, Nuklearmaterial zu entfernen, das vom Assad-Regime an einem geheimen Ort gelagert worden war. Wie die Nachrichtenplattform Axios am Montag berichtete, wurde der Deal zwischen der IAEO und Damaskus vor drei Wochen unterzeichnet, nachdem zuvor monatelang unter Vermittlung der USA verhandelt worden war. Mit der nun geschlossenen Vereinbarung soll eine mögliche Eskalation verhindert werden, in die Israel und die Türkei involviert werden könnten, heißt es in dem Bericht.
Im Jahr 2007 bombardierte Israel den geheimen al-Kibar-Reaktor, mit dem das Assad-Regime Plutonium für die Verwendung in Atomwaffen hätte gewinnen können. Dabei blieben allerdings mehrere im Zusammenhang mit Syriens Atomprogramm betriebene Forschungs- und Entwicklungsstandorte bestehen. Darunter fiel auch der als »Standort 99« bezeichnete Ort, an dem bis heute Kernmaterial gelagert ist.
Ein US-Beamter erklärte gegenüber Axios, dass es sich bei dem Material unter anderem um »Yellowcake« handele. Dies ist ein Pulver aus Uranerz, das im Rahmen eines Kernbrennstoffkreislaufs weiterverarbeitet und angereichert werden könnte. Weitere Reste aus dem Al-Kibar-Reaktor seien ebenfalls zum »Standort 99« transportiert worden, fügte der Beamte hinzu. Während das Material nicht für eine klassische Atomwaffe tauglich ist, könnte es für eine »schmutzige Bombe« verwendet werden. Dies ist ein konventioneller Sprengkörper, der bei der Explosion radioaktives Material verteilt. Eine solche Möglichkeit löste in Jerusalem Besorgnis aus, wo man die Situation genau im Auge behielt, so der Axios-Bericht weiter.
Hochrangige Vertreter sowohl aus Israel als auch aus den Vereinigten Staaten haben eng zusammengearbeitet, um das Problem zu lösen, wobei israelische Vertreter damit drohten, den Standort zu bombardieren, sollte das Material nicht entfernt werden. Als die Trump-Regierung syrische Vertreter auf das Thema ansprach, waren sich diese der Existenz des Standorts nicht bewusst. Die darauffolgenden Gespräche verliefen jedoch erfolgreich. »Wenn wir mit den Syrern zusammenarbeiten – dann sind sie gute Partner«, wird der US-Vertreter zitiert.
Die Verhandlungen wurden beschleunigt, nachdem Israel vor einigen Wochen »Bewegungen« in der Nähe von »Standort 99« festgestellt hatte, so Axios weiter. Washington bat Jerusalem, keine Maßnahmen zu ergreifen, und ermöglichte schließlich die Einigung der IAEO mit Damaskus. »Wir glauben, dass alle mit dem Ergebnis zufrieden sind. Hoffentlich können wir den Abbauprozess bald einleiten und ihn noch vor Jahresende abschließen«, erklärte der US-Beamte.
Syrische Wiederaufrüstung
Nachdem das Assad-Regime im Dezember 2024 aufgrund des Vormarschs dschihadistischer Rebellen und anderer Aufständischer gefallen war, führten die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) ihre schwerste Luftkampagne in Syrien seit dem Jom-Kippur-Krieg 1973 durch. Mit rund 300 Luftangriffen innerhalb weniger Tage dezimierten die IDF die syrische Luftwaffe. Ziel der Operation der IDF war es, sicherzustellen, dass übrig gebliebene militärische Waffen und Ausrüstung in Zukunft nicht gegen den jüdischen Staat eingesetzt werden können.
Nun hat das israelische Verteidigungsestablishment verstärkte syrische Bemühungen zum Wiederaufbau der Luftwaffe festgestellt, berichtete der israelische öffentlich-rechtliche Sender Kan am Montag. Das neue Regime rekrutiert Piloten, hält Manöver mit Flugzeugen und Hubschraubern ab und hat am Sonntag im Norden des Landes seine erste Übung mit russischen Suchoi-Kampfflugzeugen durchgeführt.
Ein israelischer Sicherheitsbeamter erklärte, Jerusalem beobachte die Entwicklungen und teile seine Bedenken mit den Vereinigten Staaten. Laut dem Kan-Bericht erhält Damaskus Hilfe aus der Türkei, Saudi-Arabien, Russland, Frankreich und anderen Ländern. Israels Hauptsorge gilt dabei dem türkischen Engagement und dem möglichen Einsatz von Flugabwehrsystemen, die die Bewegungsfreiheit der israelischen Luftwaffe in der Region beeinträchtigen würden.
Unterdessen haben Syrien und Russland eine Vereinbarung zur Umstrukturierung der militärischen Präsenz Moskaus im Land getroffen. Im Rahmen des Abkommens sollen einige russische Militäreinrichtungen in gemeinsame syrisch-russische Ausbildungszentren umgewandelt werden, berichtete die New York Times am Sonntag. Darüber hinaus soll Damaskus die Kontrolle über zivile Einrichtungen auf dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim und im Hafen von Tartus zurückerhalten,
Die Absichtserklärung räumt beiden Seiten bis zu drei Monate Zeit ein, um den Übergang abzuschließen, teilte das syrische Außenministerium mit. Russland äußerte sich zunächst nicht zu der Vereinbarung. Das Abkommen reduziert die autonome militärische Präsenz erheblich, die Moskau unter dem ehemaligen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aufgebaut hatte. Nach dem Sturz des Regimes behielt Russland Truppen in Hmeimim und Tartus, über deren Zukunft es dann mit der Regierung des syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa in Verhandlungen trat.
