Schlagwort: Medien und Medienkritik

Wochenbericht, 23.1. bis 29.1.2012

Unser letzter Wochenbericht begann mit der Feststellung, dass die Nahostberichterstattung österreichischer Zeitungen in den letzten Wochen einer Hochschaubahnfahrt glich: Auf einen massiven Anstieg der Zahl der veröffentlichten Beiträge in einer Woche folgte sogleich ein ebenso großer Rückgang in der nächsten. Wie zum Beweis dessen erlebten wir in dieser Woche wieder…

Diplomatie und Sanktionen

Im Standard plädiert Anne-Marie Slaughter dafür, im Konflikt um das iranische Atomprogramm ein „Ausstiegsszenario“ zu suchen, „das alle das Gesicht wahren lässt.“ Verschärfte Sanktionen gegen den Iran hätten nicht die erwünschte Wirkung gehabt, daher sei es jetzt an der Zeit, dass „sich kühlere Köpfe mit einer Strategie durchsetzen, die Iran…

Immer gelassen bleiben

Analysiert man die profil-Berichterstattung über die Umwälzungen in der arabischen Welt, lassen sich mehrere Phasen identifizieren. In Phase 1 herrschte Euphorie über die Proteste und im Einklang mit einem großen Teil der übrigen Medienwelt wurden all jene, die vor einem Siegeszug der Islamisten warnten, als Panikmacher und ewig-gestrige Kulturkämpfer denunziert. Als…

Wochenbericht, 16.1. bis 22.1.2012

Die Berichterstattung österreichischer Zeitungen über den Nahen Osten gleicht in den letzten Wochen einer Hochschaubahnfahrt. Sah die Vorwoche ein Anwachsen der Zahl der relevanten publizierten Beiträge um knapp 30 Prozent, so war diese Woche mit einem Rückgang der Gesamtzahl um über 37 Prozent (von 239 auf 150) das genaue Gegenteil…

Letztklassige Karikatur

Sehr geehrte Redaktion der Kleinen Zeitung, betrachtet man die Zeichnungen Ihres Karikaturisten Petar Pismestrovic über das iranische Atomwaffenprogramm, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Am 4. Dezember 2011 zeigte sein Cartoon den iranischen Präsidenten Ahmadinejad als Krampus, der mit seiner Rute zwei Figuren vor sich her treibt. Die…

Über Selbstverständliches

Im ORF-Kulturmontag leitete Martin Traxl einen Beitrag über den palästinensischen Intellektuellen Sari Nusseibeh mit den Worten ein: „Er hat sich stets gegen Selbstmordattentate ausgesprochen“. Es nicht gutzuheißen, wenn Terroristen in einer Warteschlange vor einer Diskothek oder in einer Pizzeria ein Blutbad anrichten, sollte im Grunde nicht als hervorragende Leistung gelten, sondern…

Wochenbericht, 9.1. bis 15.1.2012

Im Vergleich zur Vorwoche ist die auffälligste Entwicklung der Nahostberichterstattung der von MENA regelmäßig ausgewerteten österreichischen Tageszeitungen der sprunghafte Anstieg der Gesamtzahl der veröffentlichten Beiträge von 183 auf 239 – eine Steigerung von knapp über dreißig Prozent. Wenig verändert hat sich dagegen im Hinblick auf die Länder, die die Berichterstattung…

ENTBEHRLICH BIS ZUM SCHLUSS

Wie die Presse heute berichtet, hat Mohammed ElBaradei seine Kandidatur für die ägyptischen Präsidentschaftswahlen zurückgezogen. Er „zeigte sich enttäuscht über die Entwicklung seines Landes“, der Militärrat verhalte sich, „als ob es keine Revolution gegebene hätte“, und er selbst wolle „nicht als Präsidentschaftskandidat in einem nicht wirklich demokratischen System auftreten.“ Noch bei seinem…

Der allmächtige Mossad

Seit in Teheran erneut ein am iranischen Atomprogramm beteiligter Wissenschaftler bei der Explosion einer an seinem Auto angebrachten Bombe ums Leben kam, laufen die Spekulationen über die möglichen Hintergründe und Verantwortlichen der Attentate auf Hochtouren. Nicht nur iranische Offizielle geben sich überzeugt, dass es nur den einen üblichen Verdächtigen gibt:…

Ein paar einfache Regeln

Wenn Tessa Szyszkowitz im profil über den israelisch-palästinensischen Konflikt schreibt, folgt sie einigen wenigen, im Grunde einfachen Regeln, die, zusammen genommen, ein höchst tendenziöses Bild der Lage zeichnen. Berichtet Szyszkowitz aus den palästinensischen Gebieten, geht es darum, klarzumachen, dass die Schuld am Fortdauern des Konflikts bei den Israelis im Allgemeinen und israelischen…

Wochenbericht, 2.1. bis 8.1.2012

Im Unterschied zu den letzten Wochen, in denen vielfach ein einzelnes Land oder Ereignis die Berichterstattung österreichischer Zeitungen über den Nahen Osten dominierte, bot diese Woche ein anderes Bild. In den Ländern, über die am meisten berichtet wurde, waren es immer mehrere unterschiedliche Themen, die das mediale Interesse erweckten. Das…

Ein "profunder Kenner" des Nahen Ostens: Michael Lüders

Als die Moderatorin der ZiB2 nach einem Bericht über die jüngsten Entwicklungen in der Auseinandersetzung zwischen dem Iran und dem Westen einen aus Berlin zugeschalteten „profunden Kenner der Region“ begrüßte, blieben eigentlich nur mehr drei mögliche Interviewpartner übrig: Volker Perthes, Udo Steinbach und, last but not least, Michael Lüders. Wer…

ALLES IST RELATIV (II)

Der in den letzten Wochen zu bemerkende Trend, den Triumphzug der Islamisten in den Ländern der arabischen Welt zu negieren, indem diese kurzerhand zu „moderaten“ politischen Kräften erklärt werden – MENA hat bereits mehrfach darauf hingewiesen -, gewinnt weiter an Schwung. Obwohl nichts darauf hinweist, dass sie von ihren wesentlichen politischen Zielen abgekehrt wäre,…

Wochenbericht, 26.12. bis 1.1.2012

Die Berichterstattung österreichischer Medien über den Nahen Osten blieb zum Jahresende 2011 auf dem zahlenmäßig hohen Niveau der Vorwoche. Wie bereits vor drei Wochen, war es diesmal wieder die Presse, die am meisten über die Region zu berichten hatte. Der Schwerpunkt der Berichterstattung lag in den von MENA regelmäßig ausgewerteten…

LOB AUS BERUFENEM MUNDE

Es gibt keinen Rückblick, in dem nicht auf 2011 als das Jahr der Proteste, allen voran in der arabischen Welt, Bezug genommen wird. So auch in dem Interview, das die Presse mit dem amerikanischen Soziologen Richard Sennett geführt hat. (Presse, 1. Januar 2012) Interessant daran ist aber vor allem die Antwort Sennetts…