Eine israelische Reportage porträtiert in Antwerpen lebende Flüchtlinge aus Gaza, die sich gegen die Hamas aussprechen und für Frieden und Koexistenz mit dem jüdischen Staat eintreten.
Ein Reporter des israelischen Senders Channel 12, Ohad Hemo, hat getan, was so viele seiner europäischen Kolleginnen und Kollegen bislang versäumt haben: Er hat sich ausführlich mit Flüchtlingen aus Gaza in Europa unterhalten und dies nicht zum ersten Mal: Schon vergangenes Jahr hatte er eine ähnliche Reportage aus Deutschland produziert. Dabei kam Erstaunliches heraus: Fast alle seiner Gesprächspartner, viele bestanden aus Angst vor der Hamas auf Anonymität, sind weder von Hass auf Israel erfüllt, sondern wünschen sich Frieden und Koexistenz.
Die aber sei, so das Credo, mit der Hamas, die weiter fast totale Kontrolle über die Menschen in Gaza ausübt, nicht zu haben. Mit der Hamas gäbe es nur weiter Tod und Zerstörung. Die aktuellen Gespräche fanden in Antwerpen statt, wo eine der größten Exilgemeinschaften von Palästinensern in Europa lebt und ein Viertel sogar den Namen »Klein Khan Younis« trägt. Dokumentiert werden auch Interaktionen mit Bewohnern des Viertels, die sich wenig angetan zeigen, mit einem Israeli zu sprechen.
Aber auch bis an ihren belgischen Wohnort, darauf weisen die Gesprächspartner immer wieder hin, reiche der lange Arm der Hamas. Manche Funktionäre besitzen sogar die Staatsangehörigkeit des Landes. Wer sich selbst in Europa offen gegen sie ausspricht, muss um sich und das Leben der in Gaza zurückgebliebenen Familienmitglieder fürchten.
Es mutet fast absurd an, dass ausgerechnet diese jungen Menschen, die Terror und Krieg in Gaza entfliehen konnten, nun warnen, dass die Hamas und ihre Verbündeten den Kontinent langsam unterwandern und zum Schauplatz ihrer antiisraelischen Mobilisierung machen. Es sagt viel über den Zustand Europas aus, wenn in einem Café in Antwerpen ein Palästinenser einem Israeli erzählt, dass er sich wegen dieser Entwicklung um die Zukunft der Demokratie und des belgischen Rechtsstaates sorgt und fordert, dass härter gegen Anhänger der Hamas vorgegangen werden müsse.
Kaum Unterstützung
Die Reportage von Ohad Hemo wurde ermöglicht durch tätige Mithilfe einer Gruppe von Palästinensern aus Gaza in Europa, die auch für seine Sicherheit garantierten. Ihr Anliegen war es, einem israelischen Publikum andere, authentische Stimmen aus Gaza zu präsentieren. Denn in der Küstenenklave selbst riskieren Menschen bis heute ihr Leben, sollten sie so offen sprechen.
Wie die Reportage verdeutlicht, ist es vielen selbst in Europa nicht möglich, ihr Gesicht zu zeigen. Auch namhafte Unterstützung erhalten sie keine. Ahmed zum Beispiel, der sein Gesicht nicht versteckt, lebt eigentlich in Deutschland. Damit er überhaupt nach Belgien kommen konnte, mussten Freunde im Vorfeld Geld für ein Busticket sammeln.
Die Reportage ist in den vergangenen Tagen in Israel auf eine breite Resonanz gestoßen. Mit dieser Übersetzung soll sie auch einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht werden, verbunden mit der Hoffnung, dass sie auch europäische Journalisten motiviert, über diese Opposition gegen die Hamas ausführlicher zu berichten.
