Hamas in Europa: Netzwerke im Schatten

Auch in Deutschland kam es zu Festnahme mutmaßlicher Hamas-Mitgliedern

Wie Ermittlungen zeigen, begann die Hamas lange vor ihrem Massaker am 7. Oktober 2023 damit, Anschläge auf jüdische und israelische Ziele in Europa zu planen.

Die Ermittlungen begannen nicht mit einem großen Schlag, sondern mit einer Reihe stiller Zugriffe. Über Monate hinweg stießen Ermittler auf Spuren, die nach Einschätzung der Behörden auf Hamas-Netzwerk in Europa hinweisen könnten. Es geht um Waffen, um Logistik, um verdeckte Reisen und um Männer, die offenbar nicht unabhängig voneinander handelten, sondern Teil eines Geflechts aus Kontakten und Zwischenstationen waren. Die Fäden reichen dabei von Griechenland und Zypern über Deutschland und Österreich bis nach Skandinavien.

Auf Kreta geriet ein 37-jähriger Ägypter palästinensischer Herkunft ins Visier der Ermittler. Er lebte zuletzt auf der griechischen Insel und arbeitete als Elektriker in einem Hotel. In seiner Athener Wohnung fanden die Behörden Material, das sie als möglichen Hinweis auf Sprengsatzbau werten.

Der Zugriff stand nicht für sich allein, sondern war Teil einer weiteren Beobachtungsmission, die auf Zypern begonnen hatte, nachdem dort zwei Palästinenser festgenommen worden waren. Nach Einschätzung der Ermittler richtete sich die geplante Operation gegen ein israelisches Kreuzfahrtschiff, das regelmäßig griechische Häfen anläuft und dort schon mehrfach Ziel israelfeindlicher Proteste war. Ein Jahr zuvor war der Ägypter, von den griechischen Behörden »Motasem« genannt, bei einem früheren Anlegemanöver bereits mit vier weiteren Palästinensern kontrolliert worden, ohne dass es damals zu einer Festnahme kam.

Auch in Deutschland verdichteten sich die Spuren. Seit Herbst 2025 ließ die Bundesanwaltschaft mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige festnehmen, denen vorgeworfen wird, Waffen und Munition für Anschläge auf jüdische und israelische Ziele in Europa beschafft oder transportiert zu haben. In den Ermittlungen tauchten nicht nur deutsche Städte auf, sondern auch Dänemark, Zypern, Großbritannien und Österreich. Als möglicher Anschlagstag galt der 7. Oktober 2025, der zweite Jahrestag des Hamas-Massakers in Israel.

Bei den Durchsuchungen stießen die Behörden zudem auf ein bereits produziertes Bekennervideo, ein Hinweis darauf, dass die Tat nicht nur geplant, sondern auch propagandistisch vorbereitet worden sein könnte.

Schon vor dem 7. Oktober

Die Dimension der Planungen ist jedoch weit größer und ihr Zeitrahmen reicht noch weiter zurück. Bereits im Frühjahr verurteilte ein Berliner Gericht vier Mitglieder einer Zelle zu mehrjährigen Haftstrafen. Der Prozess zeigte, dass die Hamas schon lange vor dem 7. Oktober 2023 begann, in Europa Waffenverstecke anzulegen.

Ein zentraler Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Fund der bulgarischen Polizei: Im Dezember 2023 gruben Beamte nahe Plowdiw einen Koffer mit Waffen und Munition aus. Auf dessen Spur kamen sie über Fotos auf dem Handy des Libanesen Ibrahim el-Rassatmi, der zu der später verurteilten Berliner Zelle gehörte. Den Auftrag zur Einrichtung solcher Depots soll er bereits 2019 von der Hamas-Führung im Libanon erhalten haben. Weitere Waffenlager wurden den Ermittlungen zufolge auch in Dänemark und Polen eingerichtet.

Besonders auffällig ist der grenzüberschreitende Charakter der Bewegung. Acht Monate vor dem Massaker vom 7. Oktober 2023 soll die deutsche Zelle aus dem Libanon den Auftrag erhalten haben, Waffen nach Deutschland zu bringen. Ziel sei es gewesen, Anschläge auf jüdische, israelische oder amerikanische Einrichtungen vorzubereiten. Mehrere Mitglieder überquerten in dieser Zeit wiederholt die deutsch-polnische Grenze, ausgestattet mit Rucksäcken, Schaufeln und Werkzeug.

Als das Muster auffälliger wurde, kam es im Dezember 2023 zur Festnahme. Gesteuert worden sein sollen die Pläne aus dem Libanon. Mitglieder der Berliner Zelle reisten dorthin, um Khalil al-Kharraz zu treffen, einen hochrangigen Kommandeur der Kassam-Brigaden, also des militärischen Arms der Hamas. Al-Kharraz wurde 2023 von der israelischen Armee getötet. Aufnahmen seiner Beerdigung in Tyros zeigen später identifizierte Mitglieder der Berliner Zelle unter den Trauergästen.

Vor diesem Hintergrund wirken die Dementis der Hamas wenig überzeugend. Die wiederholte Behauptung, man beschränke sich auf den »Kampf gegen die Besatzung«, steht im deutlichen Widerspruch zu den Erkenntnissen der europäischen Sicherheitsbehörden. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht nur in der Aufdeckung solcher Strukturen, sondern in ihrer politischen Einordnung. Zu lange wurde islamistischer Terror in Europa primär als Phänomen einzelner Täter oder lose vernetzter Gruppen betrachtet. Die aktuellen Ermittlungen legen nahe, dass zumindest Teile dieser Bedrohung deutlich stärker organisiert und international koordiniert sind, als es diese Perspektive nahelegt.

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