Der ehemalige libanesische Premierminister Fouad Siniora beschuldigt die Hisbollah, den Libanon gekapert und den Krieg gegen Israel begonnen zu haben.
Der ehemalige libanesische Premierminister Fouad Siniora hat die Hisbollah beschuldigt, die libanesische Regierung »gekapert« und den aktuellen Krieg begonnen zu haben und warnte davor, dass die Aktivitäten der Hisbollah das Land an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hätten. In seiner scharfen Kritik forderte Siniora außerdem den Iran auf, sich aus den Angelegenheiten des Libanons herauszuhalten und machte dessen Einmischung für die Destabilisierung sowohl des Libanons als auch der gesamten Region verantwortlich. Siniora betonte, dass die Hisbollah den Konflikt initiiert habe, genau wie 2006, während der Libanon weiterhin unter ihr leide.
In dem Sky-News-Interview vom Samstag kritisierte der ehemalige Premierminister auch Israels Beteiligung an dem Konflikt, verurteilte dessen Handlungen sowohl im Libanon als auch im Gazastreifen und bezeichnete sie als Kriegsverbrechen: »Israel hat im Libanon bereits zahlreiche Kriegsverbrechen begangen, und zwar an mehreren Orten. Sie haben viele Zivilisten getötet, und das letzte Mal erst vor zwei Tagen.«
Zugleich machte Siniora jedoch deutlich, dass am aktuellen Zustand des Libanons die Hisbollah schuld und die Terrorgruppe für die Auslösung des Kriegs verantwortlich sei: »Es ist ohne jeden Zweifel. Die Hisbollah hat diesen Krieg initiiert, genau wie im Jahr 2006. Ich leugne nicht, dass Israel schlechte Absichten gegenüber dem Land hegt, aber die Hisbollah hat den Konflikt damals wie heute begonnen.«
Kritik am Iran
Siniora äußerte sich besorgt über die wachsende Macht der Hisbollah im Libanon. Im Laufe der Jahre habe die schiitische Gruppierung die libanesische Regierung »gekapert« und politische Spaltungen manipuliert, um die Kontrolle zu behalten. »Man kann ein Land nicht regieren, wenn es zwei Staaten gibt: den Staat der Hisbollah, der die Dinge durch seine Macht regelt, und den eigentlichen Staat Libanon, dessen Autorität geschwächt ist«, erklärte er.
Dass die Anführer der Hisbollah bei den jüngsten Militäraktionen ins Visier genommen und getötet wurden, sieht der ehemalige Premier als kritischen Wendepunkt für den Libanon. »Dies ist eine Gelegenheit für den libanesischen Staat, seine Autorität zurückzugewinnen. Da die Hisbollah geschwächt ist, müssen wir die Gelegenheit ergreifen, um das Land wieder zu einer ordnungsgemäßen Regierungsführung zurückführen. Wenn wir weiterhin von der Hisbollah gekapert werden, wird es für das libanesische Volk keine Zukunft geben«, warnte er.
Siniora kritisierte auch die Rolle des Irans im Libanon scharf und forderte Teheran auf, sich nicht länger in die Angelegenheiten des Landes einzumischen. »Die iranische Präsenz hat dem Land auf jeden Fall geschadet. Er hat sich durch die Hisbollah und andere Akteure eingemischt und uns in diese Situation gebracht. Der Libanon kann es sich nicht leisten, dass der Iran sich weiterhin einmischt, nicht nur direkt, sondern auch durch seine Tentakel in Syrien, im Irak, im Jemen und darüber hinaus.«
Der Libanon sehe sich mit mehreren Krisen konfrontiert: den Angriffen und Bombardements, einem wirtschaftlichen Zusammenbruch und über eine Million vertriebene Bürger, erklärte Siniora, laut dem das Land kurz vor dem völligen Zusammenbruch steht: »Wenn wir nicht die richtigen Schritte unternehmen, um diese Krise zu stoppen, wird der Libanon als Staat scheitern. Lassen Sie mich das klarstellen: Der Libanon ist bereits ein gescheiterter Staat, aber es gibt immer einen Weg, ihn zu retten.«
