Die Frauenverteidigungseinheiten haben eine vorläufige Einigung mit der syrischen Regierung erzielt, die rein aus Frauen bestehende Truppe als Spezialeinheit in das Innenministerium zu integrieren.
Bei einem Ende August in Damaskus stattfindenden Treffen mit Vertretern des Innenministeriums hätten die Beamten den Vorschlag »grundsätzlich gebilligt«, dass die kurdischen Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) dem Ministerium geschlossen als Spezialeinheit beitreten. Dies erklärte YPJ-Sprecherin Ruken Jamal am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Rudaw. Ursprünglich habe die YPJ-Delegation – zu der auch die Kommandantin Newroz Ahmed und Jamal selbst gehörten – gegenüber den Vertretern der Zentralregierung erklärt, dass ihre Truppe dem Verteidigungsministerium beitreten wolle. Dieser Vorschlag sei jedoch abgelehnt worden, da in der syrischen Armee keine Frauen vertreten sind.
Die YPJ betrachtet nun die Eingliederung in das Innenministerium als geeignete Alternative. »Wir hielten es für angemessen, dem Innenministerium beizutreten. Für uns hat die Wahrung unseres Status als organisierte Einheit Priorität. Unsere Kämpferinnen, Institutionen und Kommandantinnen müssen also solche bestehen bleiben. Als wir eine positive Haltung des Innenministeriums erkannten, uns geschlossen als Spezialeinheit zu integrieren, hielten wir dies für passend«, sagte Jamal.
Die Sprecherin erklärte, Beamte des Innenministeriums hätten der Delegation mitgeteilt, sie würden die Möglichkeit prüfen, die YPJ als Spezialeinheit aufzunehmen, bevor sie eine endgültige Entscheidung treffen. Sie fügte hinzu, dass die YPJ bislang auf keine Hindernisse bei diesem Vorschlag gestoßen sei. Sie merkte an, dass eine solche Einheit die erste ihrer Art in Syrien wäre und in den Städten im Nordosten Syriens (Rojava) eingesetzt werden soll. Damaskus hat sich zu der Vereinbarung bislang nicht geäußert.
Integrationsprozess
Der Kommandant der kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mazloum Abdi, kündigte Ende August die Auflösung seiner Verbände an. Wenige Tage zuvor hatte er erklärt, der Prozess der Integration der militärischen, sicherheitspolitischen und administrativen Institutionen von Rojava in den syrischen Staat sei abgeschlossen. Die YPJ sind die Frauenabteilung der Volksverteidigungseinheiten (YPG), die das Rückgrat der SDF bildeten. Bei ihrem Beitritt zu den SDF zählten die YPJ rund 3.500 Kämpferinnen, doch laut Jamal ist ihre Zahl seitdem auf etwa 1.500 gesunken.
Die YPJ spielte eine zentrale Rolle in der von den USA unterstützten Kampagne gegen den Islamischen Staat (IS), der 2019 seine letzte territoriale Hochburg in Syrien verlor. Die Truppe kämpfte vor dem Sturz der Regierung von Bachar al-Assad auch gegen die Türkei und von Ankara unterstützte syrische Gruppen. Nach dem Ende des Assad-Regimes kam es auch immer wieder zu Zusammenstößen mit Einheiten und Kräften, die den neuen syrischen Behörden angehören.
Der nunmehrige Integrationsprozess ist das Ergebnis einer im Januar geschlossenen Vereinbarung zwischen den SDF und der syrischen Übergangsregierung, die nach wochenlangen Zusammenstößen erzielt werden konnte. Nach Abdis Ankündigung ernannte der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa den ehemaligen SDF-Kommandeur zum Sonderbeauftragten des Präsidenten. Abdi sagte kürzlich in einem Interview, er habe seine Arbeit noch nicht offiziell aufgenommen.
