Jede Säule der Völkermordanklage gegen Israel ist zusammengebrochen. Wo bleiben die Bitten um Entschuldigung?
Andrew Fox
Manchmal denke ich, ich bin nicht wütend genug, aber das Ausmaß des Problems ist fast zu überwältigend, um auf alles zusammen wütend zu sein. Die angestaute Wut muss in kleinere Wutausbrüche auf jeden einzelnen Bestandteil der antisemitischen Verleumdungsmaschinerie aufgespalten werden.
Auf die abwegigen »Studien« der medizinischen Fachzeitschrift Lancet, die sich an Hunderttausenden imaginären toten Bewohnern des Gazastreifens ergötzen. Auf die empörten Berichte von AirWars, die Schlussfolgerungen über Angriffe auf Zivilisten in Gaza ziehen, ohne auch nur ein Zehntel der dafür erforderlichen Belege zu haben. Amnesty, B’tselem und all die anderen NGOs, die betrügerische Völkermord-Schlussfolgerungen veröffentlichen, zustande gekommen nur durch eine Änderung der Definition und der Parameter dessen, was einen Völkermord ausmacht. Die bezahlten Schreiberlinge der Medien, die die Wahrheit verdreht, verzerrt und ermordet haben, nur um dem jüdischen Staat eins auszuwischen. Südafrika, das auf Geheiß des Iran mit der Völkermordkonvention Schindluder treibt und es dadurch erschwert, echte Völkermorde in Zukunft zu ahnden.
Dieses ganze erbärmliche Durcheinander widert mich an – und mit jeder neuen Enthüllung bricht die große Anklage gegen Israel Schritt für Schritt in sich zusammen. Aber über diese Tatsache berichtet kein einziges der Medienunternehmen, die jahrelang fast ausschließlich damit beschäftigt waren, lautstark den Krieg im Gazastreifen zu skandalisieren, und im Zuge dessen dabei fast alles andere ausgeblendet haben.
Hungersnot, gezielte Angriffe auf Krankenhäuser, das Abschlachten von Journalisten und Kindern sowie die systematische Behinderung von Hilfslieferungen: Jede dieser Anschuldigungen wurde als feststehende Tatsache verbreitet und dann als Beleg für eine israelische Völkermordabsicht herangezogen. Doch dieselben Redaktionen und Universitäten, die diese Vorwürfe lautstark verkündet haben, zeigen jetzt bemerkenswert wenig Interesse an den Beweisen, die jede dieser Anschuldigungen widerlegen. Es hört sich unglaublich an, aber es gibt keinen Aspekt der Völkermordvorwürfe, der noch nicht zusammengebrochen ist.
Die angebliche Hungersnot
Beginnen wir mit den Behauptungen über eine Hungersnot. Im August 2025 verwendete die Organisation Integrated Food Security Phase Classification (IPC) zwei Parameter zur Messung von Unterernährung bei Kindern: das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße und den Umfang des Oberarms eines Kindes. Da für den Gazastreifen keine lokalen Daten vorlagen, aus denen hervorgegangen wäre, wie diese beiden Messgrößen zueinander passten, griff IPC auf eine Schätzung aus anderen Teilen der Region zurück. Die Organisation ging davon aus, dass bei der Messung von Gewicht und Körpergröße etwa doppelt so viele unterernährte Kinder ermittelt würden wie bei der Oberarmmessung.
Die erste groß angelegte Erhebung in Gaza, bei der beide Messmethoden dann wirklich zum Einsatz kamen, ergab das Gegenteil. Von 1.335 im Jahr 2026 befragten Kindern wurden 0,5 Prozent anhand von Gewicht und Größe als akut unterernährt identifiziert, während 1,3 Prozent anhand des Oberarmumfangs als akut unterernährt identifiziert wurden. Diese spätere Erhebung konnte zwar nicht die Bedingungen im Jahr 2025 rekonstruieren, aber sie deckte das marode Fundament einer Beurteilung auf, die der Welt als wissenschaftliche Gewissheit präsentiert worden war. Eine zentrale Annahme hinter der Hungersnoterklärung war im Gazastreifen selbst nie überprüft worden.
Ebenso bezeichnend sind die Zahlen zur Nahrungsmittelversorgung. Offizielle Daten der israelischen Koordinierungsstelle für Regierungsaktivitäten in den besetzten Gebieten (COGAT) zeigen Folgendes: Zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 17. Januar 2025 sind rund 1,01 Millionen Tonnen Nahrungsmittel in den Gazastreifen gelangt, bei einem geschätzten Bedarf von 825.000 Tonnen. Vom Waffenstillstand im Oktober 2025 bis zum 7. Juni 2026 gelangten 1,78 Millionen Tonnen ins Gebiet, bei einem berechneten Bedarf von rund 643.000 Tonnen.
Natürlich garantiert der Grenzübertritt von Lebensmitteln nicht, dass diese wirklich jede Familie erreichen. Straßen wurden zerstört, die Verteilung scheiterte, Hilfsgüter wurden geplündert, und Israels zweieinhalbmonatige Blockade der Hilfslieferungen im Frühjahr 2025 war ein schwerwiegender Fehler. Aber auch all diese Einschränkungen können die Behauptung nicht retten, dass Israel eine kontinuierliche Politik der Aushungerung des Gazastreifens verfolgt habe. Die Mengen an Lebensmitteln, die hineingelangten, waren schlichtweg zu groß.
Krankenhäuser und Opferzahlen
Auch die Darstellung bezüglich der Krankenhäuser ist zusammengebrochen. Amerikanische Geheimdienste haben unabhängig voneinander bestätigt, dass die Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad das Al-Shifa-Krankenhaus für Kommandooperationen und als Waffenlager benutzen sowie Geiseln dort festgehalten haben. Berichte der Hamas beschreiben nun, dass sich bewaffnete Männer, darunter hochrangige Offiziere, während einer israelischen Belagerung im Krankenhaus versteckt hielten.
Krankenhäuser blieben zwar geschützt, und Israel musste sich weiterhin an das Kriegsrecht halten, doch das moralische Märchen von unschuldigen Krankenhäusern, die von der brutalen israelischen Armee angegriffen worden seien, ist erledigt. Es gibt mittlerweile unzählige öffentlich zugängliche Beweise dafür, dass die Hamas Krankenhäuser für militärische Zwecke genutzt hat.
Bei den Opferzahlen sieht es nicht besser aus. Die Behauptung, 70 Prozent der Toten seien Frauen und Kinder gewesen, wurde zu einem festen Bestandteil der weltweiten Berichterstattung. Der Überblick des Amtes der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) vom Juli 2026, der auf Zahlen des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen über 71.444 identifizierte Todesopfer basiert, bezifferte den Anteil der Frauen und Kinder auf 45,2 Prozent. Erwachsene Männer machen über 50 Prozent der Todesopfer aus, während ihr Anteil an der Bevölkerung vor dem Krieg bei etwa 25 Prozent lag.
Nicht alle erwachsenen Männer können als Kämpfer gezählt werden. Doch eine Zahl, die wiederholt als Beweis für wahlloses Abschlachten angeführt wurde, erweist sich nun als falsch, wenn man sie auf die Gesamtzahl der Opfer anwendet. Auch die angeblich »Hunderttausenden« von Toten unter den Trümmern haben sich nicht bestätigt. Diese Zahl war schon angesichts des in Gaza geltenden Verfahrens zur Meldung von Vermissten und der finanziellen Anreize für dessen Nutzung völlig unglaubwürdig.
Zivilisten, oder so
Das angebliche Massaker an Journalisten wird nun auf dieselbe Weise widerlegt. Eine Studie des Meir-Amit-Zentrums über 266 Personen, die als getötete Journalisten oder Medienmitarbeiter aufgeführt worden waren, ergab, dass 157 von ihnen – rund 60 Prozent – Mitglieder von Terrororganisationen waren oder eindeutig mit diesen in Verbindung standen.
Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) hat bereits acht Namen gestrichen, nachdem festgestellt wurde, dass es sich um Kämpfer der Hamas oder des Palästinensischen Islamischen Dschihad handelte. Weitere zwölf wurden aus anderen Gründen entfernt. Und nachdem diese heimlich vorgenommenen Korrekturen aufgedeckt worden waren, wurde eine umfassende Überprüfung der Namensliste eingeleitet. Andere öffentlich verfügbare Quellen deuten darauf hin, dass die Zahl der Kämpfer sogar noch größer ist.
Dies beweist, dass »Journalist« oft eine gefährlich unvollständige Bezeichnung war und reißerische Behauptungen, Israel würde gezielt Journalisten massakrieren, nichts weiter als Propaganda waren. Ein Artilleriekommandant wird nicht zum Zivilisten, nur weil er eine Kamera in die Hand nimmt. Bedeutende Medienhäuser haben die ungeprüfte Gesamtzahl jahrelang wiederholt, doch nun berichten sie kaum noch über deren Zusammenbruch.
Die gleichen Verfälschungen zeigen sich auch in anderen Listen von Opfern. Nachrufe militanter Gruppen haben zahlreiche getötete Mitglieder des medizinischen Personals als Kommandeure und Aktivisten von Terrororganisationen identifiziert. Unterlagen dieser Gruppen zeigen weiters, dass viele Opfer bloß als Kinder angeführt wurden, obwohl ihre Rekrutierung in bewaffnete Gruppen dokumentiert ist.
Rekrutierte Minderjährige bleiben Opfer der Erwachsenen, die sie ausgenutzt haben. Aber am Alter allein kann man weder den Status als Zivilist ablesen noch erkennen, mit welcher Absicht jemand von Israel ins Visier genommen wurde.
Die »de-facto-Behörden« und die akademischen Experten
Die Rolle der Hamas bei der Hilfsgüterkatastrophe hat endlich auch in die Sprache der Vereinten Nationen Eingang gefunden. Im Juli 2026 warf ein hochrangiger UN-Beamter bewaffneten Personen, die den »de-facto-Behörden« im Gazastreifen (d. h. der Hamas) angehören, vor, in eine Lebensmittelausgabestelle und ein Lager des Welternährungsprogramms eingebrochen zu sein und Fahrer angegriffen zu haben. Sie seien an systematischen Einschüchterungen, Behinderungen und Schmuggelversuchen beteiligt gewesen. Nachdem die UNO jahrelang die Entwendung von Hilfsgütern durch die Hamas als israelische Propaganda abgetan hat, bestätigt sie jetzt, was sie immer bestritten hat.
Die Wissenschaft schnitt nicht besser ab. Die International Association of Genocide Scholars erklärte Israel für schuldig und behauptete fälschlicherweise, der Internationale Gerichtshof habe Völkermord als »plausibel« eingestuft. Die ehemalige Präsidentin des Gerichtshofs hatte bereits erklärt, dass keine solche Feststellung getroffen worden war.
Nur 28 Prozent der Mitglieder der Vereinigung nahmen an der Abstimmung teil. Die Mitgliedschaft stand buchstäblich jedem offen, dennoch verbreiteten Schlagzeilen das Urteil der Völkermordforscher in alle Welt. Dasselbe gilt für die betrügerische Truppe von Historikern, die sich nun als »Völkermordforscher« neu erfinden, sich eine Autorität anmaßen, die ihre Qualifikationen nicht rechtfertigt, und Gaza großspurig zum Völkermord deklarieren. Kein mea culpa von diesen Betrügern. Es gilt, Bücher zu verkaufen.
Antisemitische Gewalt
Die Auswirkungen sind längst nicht mehr nur theoretischer Natur. Großbritannien verzeichnete im Jahr 2025 3.700 antisemitische Vorfälle – die zweitgrößte Zahl in seiner Geschichte. Die Vereinigten Staaten verzeichneten 6.274 Fälle, wobei die Zahl der körperlichen Übergriffe einen Rekordwert erreichte. Zwei Mitarbeiter der israelischen Botschaft wurden vor dem Capital Jewish Museum in Washington ermordet. Fünfzehn Menschen wurden bei einer Chanukka-Feier in Sydney niedergemetzelt. Und so weiter und so fort.
Es waren nicht Zeitungsartikel, die den Abzug gedrückt haben, und der Hass reicht weit über den Gaza-Konflikt hinaus, doch die unerbittliche Darstellung des jüdischen Staates als kindervernichtende, Hungersnöte verursachende Maschine des Völkermords hat altem Hass ein neues moralisches Vokabular verliehen. Juden überall wurden gezwungen, sich gegenüber Anschuldigungen zu verantworten, die durch Beweise nicht mehr zu stützen sind.
Der Geist des Antisemitismus ist aus der Flasche, und keine Korrekturen werden ihn nun mehr zurückbringen. Die Wissenschaftler, NGOs, Politiker und Journalisten, die die Blutverleumdung des Völkermords verbreiteten, ohne auf Beweise zu warten (oder selbst welche fälschten), haben nun Blut an den Händen.
Israel hätte schon längst von dem pauschalen Vorwurf freigesprochen werden müssen, es habe versucht, die Zivilbevölkerung im Gazastreifen auszurotten. Einzelne Angriffe und mutmaßliche Verbrechen müssen untersucht werden, doch Völkermord kann nicht länger das allgemein propagierte Urteil bleiben, nachdem jede einzelne faktische Säule, die es gestützt hat, zusammengebrochen ist.
Die Darstellung der Ereignisse erfordert nun eine dringende Korrektur, gefolgt von Untersuchungen innerhalb der Universitäten und Berufsverbände, die den Verleumdungen ihr Ansehen verliehen haben. Einige der Verantwortlichen sollten zurücktreten. Das werden sie jedoch nicht tun. Diejenigen, die diese Verleumdungen verbreiten, bleiben in ihren Ämtern, begutachten gegenseitig ihre Arbeit und hoffen, dass niemand bemerkt, dass ihr Ruf längst in Trümmern liegt.
(Andrew Fox war Fallschirmjäger in der britischen Armee und Dozent für Kriegsstudien und Verhaltenswissenschaften an der Royal Military Academy Sandhurst. Heute ist er als Forscher in Konfliktgebieten tätig. Der Text ist auf Englisch unter dem Titel »Collapse of the Blood Libels« erschienen.)
