Die Tötung mehrerer Führer der Huthi, die weite Teile des Jemens kontrollieren, markiert eine neue Phase im Konflikt mit Israel und könnte interne Auswirkungen haben.
Am 30. August bestätigten die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen die Tötung des als Premierminister ihrer international nicht anerkannten Regierung agierenden Ahmed Ghaleb al-Rahwi und mehrerer anderer Minister durch einen israelischen Luftangriff. Sie alle seien während einer routinemäßigen Besprechung der Regierung zur Bewertung ihrer Aktivitäten und Leistungen im vergangenen Jahr getötet worden. Die Namen der getöteten Minister gab die Miliz nicht bekannt.
In der Erklärung versicherte die Terrorgruppe, »ihre ursprüngliche Position zur Unterstützung der Bevölkerung des Gazastreifens beizubehalten« und »den Aufbau ihrer Streitkräfte sowie die Entwicklung ihrer Ressourcen und Kapazitäten fortzusetzen, um allen Herausforderungen und Gefahren zu begegnen«.
In Israel erklärte Energieminister Eli Cohen am vergangenen Sonntag, sein Land habe den Jemen in den »Zielbereich« genommen und verfolge eine »systematische Politik« der gezielten Tötung von Huthi-Führern. Verteidigungsminister Israel Katz fügte hinzu, man habe »den hochrangigen sicherheitstechnischen und politischen Führern der Gruppe einen beispiellosen, vernichtenden Schlag versetzt. Die Huthi werden eine harte Lektion erteilt bekommen. Das Schicksal des Jemens ist wie das des Irans, und dies ist erst der Anfang.«
Die jüngste israelische Operation stellt eine Veränderung in der Strategie der Angriffe auf die iranischen Stellvertreter im Jemen dar, die sich zuvor auf die Infrastruktur konzentrierten, insbesondere auf die Häfen von Hodeidah, den Flughafen von Sanaa sowie Militärstandorte, vor allem Jabal al-Nahdain und Jabal Attan.
Nach den jüngsten Angriffen informierte Quellen Sky News Arabia mit, dass die Führung der Miliz strenge Anweisungen erlassen habe, die unter anderem die Bewegungsfreiheit politischer und militärischer Führer einschränken, große Versammlungen verbieten, Transportrouten dauerhaft ändern und absolute Geheimhaltung bei Treffen verordnen. Diese Maßnahmen spiegeln die Besorgnis über die Möglichkeit eines internen Verrats oder einer vorsätzlichen Indiskretion durch einen engen Vertrauten wider.
Eine strategische Wende?
In einem Kommentar zu den israelischen Angriffen erklärte der jemenitische Autor Hani Mashoor gegenüber Sky News Arabia, dass es sich um mehr als einen bloßen Militärschlag handle und wies auf die im August erfolgten Cyberangriffen hin, die das Kommunikationssystem des Jemens schwer beeinträchtigt hätten. Diese »könnten den Weg für die jüngste Militäroperation geebnet haben«. Der Angriff habe die Huthi in ein echtes Dilemma gebracht, nachdem sie gezwungen waren, den Tod einer Persönlichkeit vom Rang eines »Premierministers« öffentlich einzugestehen.
Mashoor glaubt, dass die Miliz nach ihrer Konfrontation mit den Vereinigten Staaten in den letzten Monaten ihre Stärke überschätzt haben und der jüngste israelische Angriff »eine beispiellose Sicherheitslücke aufgezeigt hat, die entweder auf einen ausgeklügelten Cyberangriff oder auf eine undichte Stelle innerhalb der Gruppe selbst zurückzuführen sein könnte«.
Der Politologe Khalil al-Omari schlug gegenüber der katarischen Zeitung Al-Araby Al-Jadeed ähnliche Töne an, als er erklärte, die Ermordung des Huthi-Premierministers stelle »einen beispiellosen Schlag für die Miliz dar«. Diese Angriffe repräsentierten eine strategische Wende in der Konfrontation zwischen den Huthi und Israel: »Anstatt sporadische Angriffe an der militärischen Front durchzuführen, hat Israel begonnen, direkt hochrangige Führer ins Visier zu nehmen, was seine fortschrittlichen nachrichtendienstlichen Fähigkeiten und eine tiefgreifende Sicherheitslücke innerhalb der von den Huthi kontrollierten Gebiete demonstriert«.
Laut dem jemenitischen Politologen Bassem al-Hakimi wirkt sich der Verlust von Führungskräften in der Huthi-Verwaltung direkt auf die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung aus: »Der Verlust an Führungskräfte der ersten Reihe stellt aus organisatorischer und politischer Sicht eine bedeutende Entwicklung dar und hat direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gruppe.«
Das Ausfallen dieser Personen führe zu einer Verlangsamung der Entscheidungsfindung, insbesondere bei komplexen Themen wie der militärischen Führung und den Beziehungen zu Verbündeten. Darüber hinaus ebne es »den Weg für den Aufstieg neuer, jüngerer und extremistischerer Eliten, denen es an Erfahrung mangelt, was die Wahrscheinlichkeit von Chaos innerhalb der Organisation in der kommenden Zeit erhöhen wird«.
