Badr Abdelatty bezeichnet die Beziehungen zu Israel als den Umständen entsprechend gut und warnt gleichzeitig vor einem Transfer von Bewohnern des Gazastreifens auf die ägyptische Sinaihalbinsel.
Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatty verteidigte in der vergangenen Woche das Friedensabkommen seines Landes mit Israel und erklärte, die Camp-David-Abkommen dienten auch fast fünf Jahrzehnte nach ihrer Unterzeichnung den nationalen Interessen Kairos. »Nein, ganz und gar nicht«, antwortete Abdelatty auf die Frage, ob die Abkommen ein Fehler gewesen seien, in einem Interview in der Sendung »On The Record with Hadley Gamble« der in Abu Dhabi ansässigen Zeitung The National.
Das Abkommen sei in einem »völlig anderen regionalen und internationalen Kontext« geschlossen worden, sagte er und fügte hinzu, dass es damals den nationalen Interessen Ägyptens gedient habe und dies auch weiterhin tue. »Deshalb halten wir uns voll und ganz an unsere Verpflichtungen.« Auf die Frage, ob das Abkommen nun überarbeitet werden sollte, sagte der Außenminister, Israel halte sich »bis zu einem gewissen Grad« an seine Verpflichtungen. In Bezug auf die bilateralen Beziehungen und den Vertrag selbst charakterisierte das Verhältnis als: »So weit, so gut.«
Das Camp-David-Abkommen von 1978 wurde von US-Präsident Jimmy Carter vermittelt und vom israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin sowie dem ägyptischen Präsidenten Anwar Sadat unterzeichnet. Es legte den Grundstein für den im folgenden Jahr geschlossenen Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten.
Rote Linie
Abdelatty warnte, dass jeder Transfer von Palästinensern aus dem Gazastreifen auf die ägyptische Sinai-Halbinsel für Kairo nach wie vor eine rote Linie darstelle. »Wir werden das nicht zulassen«, dass ein solcher Schritt »die Auslöschung der palästinensischen Sache« bedeuten würde. Ägypten habe diese Position Israel wiederholt über militärische, nachrichtendienstliche und politische Kanäle sowie über Washington mitgeteilt. Auf die Frage, ob Kairo militärisch reagieren könnte, lehnte Abdelatty eine nähergehende Stellungnahme ab und sagte: »Sie verstehen unsere roten Linien.«
Der Außenminister kritisierte Israel wegen der mangelnden Fortschritte bei der Umsetzung des von den USA vermittelten Friedensplans für den Gazastreifen, während er gleichzeitig erklärte, die Hamas und andere palästinensische Fraktionen hätten sich bereit erklärt, ihre schweren und leichten Waffen abzugeben und einem Palästinensischen Nationalkomitee die vorübergehende Verwaltung des Gazastreifens zu überlassen.
Abdelatty ging auch auf die Bemühungen zur Beendigung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran ein. Dabei bezeichnete er die Verhandlungen als in einer »Sackgasse« steckend und deutete an, dass wichtige Entscheidungen in Teheran nun eher vom Korps der Islamischen Revolutionsgarde als von iranischen Diplomaten getroffen würden. Der Gaza-Krieg, die Störungen in der Straße von Hormus und die Angriffe der jemenitischen und vom Iran unterstützten Huthi-Millizen auf die Schifffahrt im Roten Meer hätten die ägyptische Wirtschaft etwa elf Milliarden US-Dollar an entgangenen Einnahmen aus dem Suezkanal gekostet.
Ägypten spielt seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 eine zentrale Rolle bei den Vermittlungsbemühungen. Im Oktober 2025 traf sich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem mit dem ägyptischen Geheimdienstchef Hassan Rashad, um die Weiterentwicklung des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump und die Stärkung der israelisch-ägyptischen Beziehungen zu erörtern. Unterdessen haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern ausgeweitet. Im Dezember genehmigte Israel sein bislang größtes Erdgas-Exportabkommen: einen Vertrag im Wert von 32,5 Milliarden Euro zur Belieferung Ägyptens bis zum Jahr 2040. Netanjahu erklärte damals, das Abkommen stärke Israels Position als regionale Energiemacht und trage zur regionalen Stabilität bei.
