Israelische Kinder als Opfer des Massakers vom 7. Oktober

Kinderbetten auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv erinnerten an die nach Gaza Verschleppten
Kinderbetten auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv erinnerten an die nach Gaza Verschleppten (© Imago Images / ZUMA Press Wire)

Sie hätten weder gelacht noch geweint, sondern seien wie Schatten gewesen, erinnerte sich eine Ersthelferin der aus der Geiselhaft in Gaza befreiten Kinder.

Der von der Hamas angeführte Angriff auf Israel begann am Morgen des 7. Oktober 2023 um 6:29 Uhr. Es war Schabbat und Simchat Tora, der jüdische Feiertag, der den Abschluss und Neubeginn des jährlichen Tora-Lesezyklus markiert. Familien schliefen noch, Menschen waren mit dem Fahrrad unterwegs oder joggten, ein Bus mit Rentnern fuhr durch den Süden Israels zu einem Ausflug ans Tote Meer. Wenige Stunden später waren rund 1.200 Menschen tot, darunter 38 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Palästinensische Terroristen verschleppten gewaltsam 251 Israelis und ausländische Staatsangehörige – tot und lebendig – nach Gaza, darunter 39 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die islamistische Gewalt wurde gezielt gegen Zivilisten gerichtet und folgte einer genozidalen Logik.

Überlebendenberichte verdeutlichen, dass die Täter ohne Rücksicht auf das Alter ihrer Opfer jüdische, aber auch muslimische Kinder ermordeten. Zu den Opfern gehörte der fünfjährige Eitan Kapshetar, der gemeinsam mit seinen Eltern und seiner achtjährigen Schwester Aline nahe Sderot getötet wurde. Die zehn Monate alte Mila Cohen wurde ebenso wie ihr Vater Ohad im Kibbuz Be’eri ermordet. Unter den Opfern waren auch die 35-jährige Fatima Alttlaqat, eine Mutter von neun Kindern aus Ar’ara, und weitere Mitglieder ihrer Familie. Eine Verkehrskamera hielt fest, wie sechs Motorräder mit jeweils zwei bewaffneten Hamas-Kämpfern auf das Auto der Beduinenfamilie zufuhren und auf das Fahrzeug schossen. Dem Vater gelang es, sich gemeinsam mit seinem Baby zu verstecken.

Zu den jüngsten Opfern des 7. Oktober gehörte die erst wenige Stunden alte Naama Abu Rashed. Ihre Mutter war am Morgen mit Wehen aufgewacht und fuhr gemeinsam mit ihrem Mann zum Soroka-Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin wurden sie von Terroristen beschossen. Dennoch gelang es ihnen, das Krankenhaus zu erreichen. Die Mutter überlebte, doch ihre Tochter starb nur vierzehn Stunden nach ihrer Geburt.

Auch Kinder wurden vor ihrer Ermordung gefoltert, lebendig verbrannt oder verstümmelt. Die Überreste der zwölfjährigen Liel Hetzroni konnten erst mehr als sechs Wochen später identifiziert werden. In Kfar Aza wurde die Familie Kutz ausgelöscht: die Eltern Aviv und Livnat sowie ihre Kinder Rotem (19), Jonathan (12) und Yiftach (11). In Nir Oz ermordeten Terroristen Tamar und Yonatan Siman Tov gemeinsam mit ihren Kindern Shachar und Arbel (6) und Omer (4).

Erst vor wenigen Tagen wurde der Anruf der Geschwister Michael (9) und Amalia (6) Idan veröffentlicht. Die beiden Kinder, damals neun und sechs Jahre alt, versteckten sich stundenlang in einem Schrank. Schließlich berichtete Amalia am Telefon: »Wir sind Kinder, unsere beiden Eltern sind gerade gestorben.« Ihre dreijährige Schwester Avigail konnte zunächst entkommen und sich bei Nachbarn verstecken. Von dort wurde sie gemeinsam mit der Nachbarin und deren Kindern nach Gaza entführt.

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Stimmen überlebender Kinder

In seinem Beitrag »The Children of Autumn ’23« ließ der Journalist Gidon Ucko überlebende Kinder erzählen – in einfacher Sprache, die in schmerzhaftem Gegensatz zum grausamen Inhalt der Erinnerungen steht.

»Ich war siebzehn Stunden lang im Schutzraum. Ich habe nicht einmal meine Zähne geputzt«, sagte ein Mädchen. Ein Junge schob das Bett vor die Tür, als die Terroristen versuchten, sie aufzubrechen. Ein anderer begann, sich per Handy von Freunden zu verabschieden: »Es hat Spaß gemacht, auf Wiedersehen.« Ein Mädchen sah mit an, wie ihr Vater mit Axt und Messer den Terroristen entgegenlief, um die Familie zu schützen. »Sie haben meinen Vater erschossen. Es geschah vor meinen Augen.« Eltern versuchten in den Schutzräumen, ihre Kinder abzulenken oder in den Schlaf zu wiegen. »Ich dachte, es wäre besser für sie, zu schlafen, wenn sie sie erschießen«, erinnerte sich später Almog H. aus dem Kibbuz Nirim.

Die Gewalt gegen Kinder war kein Zufall. Die Hamas verbreitet seit Jahren das Narrativ, alle Israelis seien Siedler und alle Siedler Soldaten. Damit erklärt sie jeden Israeli, auch jedes Kind, zum legitimen Ziel. Auch veröffentlichte Verhöre von »Nukhba«-Angehörigen, einer Eliteeinheit der Al-Qassam-Brigaden der Hamas, belegen dies. »Die Mission bestand einfach darin, zu töten«, sagte ein Terrorist über den Überfall auf Kfar Aza. Er führte anlässlich eines Verhörs weiter aus: »Danach hörten wir Geräusche von kleinen Kindern. Wir haben auf die Tür geschossen, bis wir keinen Lärm mehr hörten.« Die Kinder waren erschossen worden.

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Die Juristin Cochav Elkayam-Levy und der frühere kanadische Justizminister Irwin Cotler prägten für die Ermordung ganzer Familien den Begriff »Kinozid«: das Auslöschen durch Terror, Folter und Mord. Sie möchten dies als Kriegsverbrechen anerkannt sehen. »Sie haben Eltern vor den Augen ihrer Kinder ermordet, Kinder vor den Augen ihrer Eltern.« Oft hatten verzweifelte Eltern in den Schutzräumen der Kibbuzim versucht, ihre Kinder von der grausamen Realität abzulenken oder sie zum Schlafen zu bringen. Sie umklammerten die Türklinken der Schutzräume, viele waren nicht abschließbar, denn mit einem Eindringen von Terroristen hatten die wenigsten gerechnet.

Renana Yaacov-Gome telefonierte mit ihren beiden Söhnen Or (16) und Yagil (12) im Kibbuz Nir Oz. Die beiden hatten noch geschlafen, als sie durch Raketenalarm geweckt wurden. Sie erinnerte sich: »Sie sagten, dass sie hören, wie jemand die Tür aufbricht und das Haus betritt. Und dann konnte ich meinen Jüngsten sagen hören: ›Nehmt mich nicht, ich bin zu jung!‹ Das war das Letzte, was ich hörte.«

Der Trickfilmzeichner Yoni Goodman, bekannt für seinen Film »Waltz with Bashir«, erzählte in einem Kurzfilm die Entführung der beiden Jungen und ihre Verschleppung nach Gaza. Die Arbeit an dem Film begann am 19. Oktober 2023, bereits am 28. Oktober wurde er veröffentlicht. Die beiden Brüder überlebten die Geiselnahme und konnten im Zuge der Freilassung von Geiseln am 27. November zu ihrer Mutter zurückkehren. Während ihrer Gefangenschaft wurden sie von palästinensischen Terroristen mit einem heißen Auspuffrohr eines Motorrads gebrandmarkt. Die Verbrennungen sollten offenbar dazu dienen, die Jungen im Falle einer Flucht als Geflohene zu erkennen.

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In der Gewalt der Hamas

Die 39 israelischen, verschleppten Kinder waren zwischen neun Monaten und 18 Jahren alt. Die meisten kamen Ende November 2023 im Zuge einer Feuerpause frei. Mehrere hatten ihren Geburtstag in Gefangenschaft verbracht, darunter Ohad Munder, Avigail Mor-Idan und Emily Hand. Für die jüngsten Geiseln gab es keine Rückkehr: Erst im Februar 2025 wurde zur Gewissheit, dass Shiri Bibas und ihre Söhne Ariel und Kfir in Gaza ermordet worden waren. Angehörige der Mudschaheddin-Brigaden, einer Abspaltung der Fatah, hatten die beiden kleinen Jungen mit bloßen Händen erwürgt.

Die Erfahrungen der Kinder in der Gefangenschaft in Gaza hat ein Forscherteam um die israelische Sozialwissenschaftlerin Carmit Katz untersucht. Die Kinder und Jugendlichen wurden in Privathäusern, Schulen, Krankenhäusern und Tunneln in Gaza festgehalten. Häufig mussten sie die Örtlichkeiten wechseln, teils als Muslime verkleidet. Sie lebten in dunklen, engen, überfüllten Räumen, oft ohne Toilette und mit zu wenig Wasser und Nahrung. Alle verloren deutlich an Gewicht und die Mehrheit war von ihren Familien getrennt entführt worden, manche waren ganz allein.

Ihnen war es untersagt, laut zu sprechen oder zu weinen. »Jedes Mal, wenn eines der Kinder weinte, drohten sie ihm mit Gewehren«, berichtete auch die Tante des zwölfjährigen Eitan Yahalomi. Eitan wurde bei seiner Ankunft in Gaza von Passanten geschlagen und gezwungen, Videos des Massakers anzusehen.

Thomas Hand, der Vater der im Schlafanzug verschleppten neunjährigen Emily, erzählte, seine Tochter habe nach ihrer Freilassung nur noch geflüstert. »Ich hielt mein Ohr an ihre Lippen und sagte: ›Was hast du gesagt?‹« Emily habe Gaza nur als »die Kiste« bezeichnet, in die sie gesperrt worden war. Auf die Frage, wie lange sie dort gewesen sei, antwortete sie: ein Jahr – während es in Wirklichkeit sieben Wochen waren. Efrat Bron-Harlev, Leiterin des Schneider Children’s Medical Center, das die Kinder aufnahm, erinnerte sich an die Ankunft der ersten aus Gaza befreiten Kinder: »Sie weinten nicht, sie lachten nicht. … Sie waren wie Schatten von Kindern.«

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Das Team um Carmit Katz fand im Zuge der Interviews auch heraus, dass die Entführer den Kindern erzählten, Israel sei zerstört und niemand wolle sie zurück. Mädchen drohten sie mit Zwangsheirat. Sie gaben den Kindern arabische Namen und nahmen ihnen ihre persönlichen Dinge weg, um ihre Identität auszulöschen. Medizinische Versorgung fehlte oder war gefährlich unzureichend. Manche Kinder wurden ohne Betäubung behandelt, andere unter Drogen gesetzt. Einige erlebten körperlichen oder sexuellen Missbrauch oder mussten ihn mit ansehen.

Die wichtigste Ressource zum Überleben waren Mütter, Geschwister und Mitgefangene, die Essen teilten, Schutz boten und Trost spendeten. Ältere Geschwister übernahmen die Elternrolle und schöpften daraus Kraft. Manche Kinder versuchten, die Bewacher zu besänftigen, um ein zusätzliches Stück Brot oder den Gang zur Toilette zu erreichen. Andere vermieden jeden Blickkontakt. Einige sprachen in der Gefangenschaft den Kiddusch zum Schabbat. Viele hielten an der Hoffnung fest und malten sich ihre Heimkehr bis ins Detail aus, bis hin zur Fantasie des ersten Gerichts, das sie zu Hause essen würden. Die Studie trägt deshalb den Titel »Hope Dies Last« – die Hoffnung stirbt zuletzt.

Auch in der Dokumentation »The Children of October 7« kommen die jüngsten Überlebenden des Hamas-Überfalls auf Israel selbst zu Wort. Durch die Gespräche führt die US-amerikanische Tänzerin und Influencerin Montana Tucker, Enkelin von Holocaustüberlebenden. Auch hier erinnern sich die israelischen Kinder an das gewaltsame Eindringen der Terroristen in ihre Häuser, an den Tod ihrer Eltern, den sie mit ansehen mussten, und an ihre Geiselhaft. So schildert die elfjährige Yael Idan, wie ihre Schwester getötet und ihr Vater als Geisel verschleppt wurde. Der junge Rotem Mattias erzählt, dass seine Mutter starb, während sie ihn beschützte. Der Regisseur Asaf Becker betonte, wie wichtig es sei, diesen Tag durch die unschuldigsten Augen zu sehen – die Augen derer, die den Horror selbst erlebt haben.

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