Ist auf Trump und die USA noch Verlass?

US-Präsident Trump zwischen Vizepräsident Vance und Außenminister Rubio
US-Präsident Trump zwischen Vizepräsident Vance und Außenminister Rubio (© Imago Images /ABACAPRESS)

Wie ist der Schlingerkurs von US-Präsident Donald Trump in nahezu allen den Nahen Osten betreffenden Fragestellungen zu verstehen?

Die vergangenen Wochen waren wieder einmal von einem Hin und Her geprägt: Liefern die USA Saudi-Arabien das Know-how für Atomreaktoren ohne Beitritt zu den Abraham-Abkommen, wie es in der zwischen Washington und Riad geschlossenen Vereinbarung heißt? Oder ist die Normalisierung der Beziehungen des Golfkönigreichs zum jüdischen Staat eine Bedingung, wie nach dem Abschluss des Deals von US-Präsident Trump ergänzend verkündet wurde?

Bombardieren die USA neuerlich – und stärker als je zuvor – den Iran? Oder macht Trump seine Drohungen doch nicht wahr? Angeblich streitet man in der US-Regierung wegen Munitionsengpässen. Oder gibt es diese doch nicht, wie kurz darauf verkündet wurde? Eines wurde in der Folge zumindest klar: Es waren nur Drohungen mit einem Angriff. Wird aber verhandelt oder nicht? Die Amerikaner sagen ja, die Iraner nein. Sie erklären, nur Gespräche mit dem Oman zu führen.

Die Beurteilung, ob derartige Widersprüche mit Trumps sprunghaftem Wesen, mit dem Alter geschuldeten mentalen Problemen, mit seinem Drang, eine gewisse Unberechenbarkeit bewusst einzusetzen, oder mit den Konflikten in seiner Regierungsmannschaft zu tun haben, ist Gegenstand zahlreicher Spekulationen und Analysen. Hier hingegen geht es darum, sich näher mit Trumps Team und dessen Haltung zu Israel zu beschäftigen.

Jahrzehntelang zuletzt wählte die Mehrheit der amerikanischen Juden die Demokraten. Seit Barack Obama und Joe Biden stieg jedoch insbesondere in israelsolidarischen Kreisen die Bereitschaft, die Republikaner und Donald Trump zu unterstützen. Die galt nicht zuletzt wegen des offensichtlichen Einflusses seines jüdischen Schwiegersohnes Jared Kushners auf die Politik des (zukünftigen) US-Präsidenten.

Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu setzte im Präsidentschaftswahlkampf voll auf Trump – um dann im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Gaza, dem Libanon oder dem Iran mehrmals von Trump enttäuscht zu werden. Hier wäre mehr Vorsicht seitens der israelischen Regierung angemessen gewesen.

Aufstieg der Isolationisten?

Trumps Slogan »America First« bzw. »MAGA – Make America Great Again« lassen verschiedene Standpunkte zwischen ideologischem Isolationismus und offensivem Interventionismus offen. Zwischen diesen zwei Polen ist denn auch Trumps Team einzuordnen.

Die Isolationisten, angeführt von Vizepräsident JD Vance und der ehemaligen Direktorin of National Intelligence Tulsi Gabbard, waren zumindest anfangs die weniger einflussreiche Fraktion. Zu den Interventionisten zählen Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth, der frühere Sicherheitsberater Mike Waltz, die ehemalige US-Vertreterin bei der UNO, Elise Stefanik, und der US-Botschafter in Jerusalem, Mike Huckabee.

Hegseth etwa ist ein evangelikaler Christ, der sich selbst als Zionist bezeichnet. Der bekehrte ehemalige Trump-Kritiker Rubio ist bereits seit Langem als treuer Unterstützer Israels bekannt.

Der Sondergesandte Steve Witkoff und der bereits genannte Kushner stehen Trump und seinem Bestreben des »Dealmaking« wohl am nächsten, insbesondere wenn dies mit einem wirtschaftlichen Vorteil verbunden ist. Dies verleitet sie jedoch oft dazu, vage unrealistische Vereinbarungen als Deal verkaufen zu wollen.

Trump selbst, obwohl anfangs gerade von isolationistischen Wählern gefeiert, war selbst nie wirklicher Isolationist. Sein Versprechen, den Ukrainekrieg am Tag eins seiner Präsidentschaft beenden zu wollen und keine neuen Kriege zu beginnen, kollidierte mit seiner Bereitschaft, amerikanische Militärkraft – wenn nötig aggressiv – einzusetzen. Die Meinungsumfragen zeigten jedoch, dass die Unterstützung für den Krieg mit dem Iran von Anfang an niedrig war und immer weiter zurückging. Das droht besonders für die Chancen republikanischer Kandidaten bei den Midterm-Wahlen im November 2026 zu einem Problem zu werden.

Der Widerspruch zwischen Isolationisten und Interventionisten ist auch dem Gegner in Teheran bekannt. So weigert sich der Iran seit den neuerlichen militärischen Auseinandersetzungen mit Witkoff und Kushner zu verhandeln und besteht auf Vermittlern mit Draht zu Vizepräsident Vance.

Dieser stand dem Irankrieg von Beginn an skeptisch gegenüber. Gleichzeitig verstieg er sich in nahezu antisemitische Verschwörungstheorien hinsichtlich des Einflusses Israels auf die amerikanische Politik. Unlängst sprach er sich Medienberichten zufolge denn auch gegen eine Ausweitung des Irankrieges aus. Auf einen steigenden Einfluss der Isolationisten hat insbesondere Israel zu achten. Vance könnte der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner gegen einen linken Demokraten sein: eine Wahl zwischen Cholera und Pest für den jüdischen Staat.

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