Bilder im Internet zeigen Transparente mit Hitler-Zitaten auf Persisch, auf denen Kollaborateuren mit ausländischen Mächten vorgeworfen wird, das Mutterland zu vergewaltigen.
Während die Islamische Republik ihr Vorgehen gegen mutmaßliche ausländische Spione und interne Kollaborateure verschärft, kursieren in den sozialen Medien aus mehreren iranischen Städten Plakate, auf denen Adolf Hitler und ein ihm zugeschriebenes Zitat zu sehen sind.
Die in Städten wie Babolsar und Kermanshah fotografierten Plakate sind an jene Iraner adressiert, denen vorgeworfen wird, sich auf die Seite der Feinde der Islamischen Republik gestellt zu haben. »Die schlimmsten Menschen sind diejenigen, die bei der Besetzung ihres Landes durch einen Fremden mit mir kooperiert haben«, wird Adolf Hitler auf einem Plakat in den Mund gelegt. »Jeder, der sich über die Besetzung seines Landes freut, ist wie jemand, der sich über die Vergewaltigung seiner Mutter freut.«
Das Zitat sei von Regimekräften erfunden worden, hieß es in iranischen Social-Media-Kommentaren, die auch die Verwendung von Fotos von Adolf Hitler in öffentlichen Botschaften verurteilten. Auf einem der Bilder erschien das Hitler-Plakat direkt unter einem von Mojtaba Khamenei, dem neuen Obersten Führer. »In mehreren Städten im Norden des Landes zeigt das iranische Regime Mojtaba Khamenei … und Adolf Hitler nebeneinander. Ja, Hitler. Sechs Millionen Juden ausgerottet. Als Symbol des Widerstands aufgestellt. Dieses Regime will nicht nur Israel bekämpfen, es pflegt und vertritt eine zutiefst antisemitische Weltanschauung. Der Hass auf Juden steht im Zentrum seiner Ideologie.«
So verzweifelt muss man erstmal sein: Jetzt werben sie ausgerechnet mit Hitler dafür, sie nicht mehr zu verraten.
Guter Plan! 😂#IranWar #IranRevolution2026 pic.twitter.com/Newg0zaDmd
— BASSTARD (@basstard1) March 25, 2026
Verschärfte Repression
Unklar ist, von wem diese Bilder stammen, doch die Botschaft passt zur Lage im Iran. Das Regime konzentriert sich zunehmend darauf, jene zu verfolgen, die es als ausländische Spione und Kollaborateure bezeichnet. In den letzten Monaten haben die Behörden Hunderte von Verhaftungen im Zusammenhang mit angeblicher Zusammenarbeit mit Israel, den Vereinigten Staaten oder im Ausland ansässigen oppositionellen Medien bekannt gegeben.
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters vom 19. März habe das Geheimdienstministerium 97 Personen festgenommen, denen vorgeworfen wird, »Soldaten Israels« zu sein. Zusätzlich wurden in der Provinz Alborz 41 Zivilisten unter dem Vorwurf, Videos an oppositionelle Medien im Ausland geschickt zu haben, festgenommen. Am 15. März verlautbarte der Polizeichef die Inhaftierung von fünfhundert Personen wegen angeblicher Weitergabe von Informationen oder Aufnahmen von Angriffsorten an feindliche Staaten.
Zwei Tage später meldeten iranische Medien die Festnahme von zehn Ausländern und Dutzenden weiteren Personen, denen vorgeworfen wird, Informationen gesammelt oder als »Söldner« für Israel und die USA gehandelt zu haben. Am Dienstag berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, die Behörden hätten in einer der umfangreichsten Razzien seit Kriegsbeginn 466 Personen wegen Online-Aktivitäten festgenommen, welche die nationale Sicherheit untergraben hätten.
Die auf den Krieg im Juni 2025 zurückgehende Kampagne gegen angebliche Spione und Verräter wird nicht nur von einer Verhaftungs-, sondern auch von einer Hinrichtungswelle begleitet. So wurde im vergangenen Dezember das Todesurteil gegen Iran Aghil Keshavarz vollstreckt, den staatliche Medien der Spionage für Israel beschuldigten, während Menschenrechtsgruppen erklärten, seine Verurteilung beruhe auf unter Folter erzwungenen Geständnissen.
Am 7. Januar wurde Iran Ali Ardestani wegen »Spionage zugunsten des Geheimdienstes Mossad« exekutiert, nachdem er sensible Informationen, darunter Bilder und Videos von strategischen Standorten, weitergegeben habe. Am 28. Januar richtete das Regime Hamidreza Sabet Esmaeilipour hin, der laut Justiz durch die Weitergabe »geheimer Dokumente und Informationen« an den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad »Spionage und Zusammenarbeit im Geheimdienstbereich« betrieben habe.
Schon im September 2025 verkündeten die iranischen Behörden die Hinrichtung von Bahman Choubi-asl, der von der Justiz als »einer der wichtigsten Spione« für Israel bezeichnet wurde. Ihm war vorgeworfen worden, sich Zugang zu regierungseigenen Datenbanken und Rechenzentren verschafft zu haben.
