Pakistan stellt sich auf die Seite Saudi-Arabiens gegen den Iran

Der pakistanische Ölminister beim saudischen Botschafter Nawaf Bin Said Al- Malki izn Islamabad

Nach iranischen Angriffen auf Saudi-Arabien erinnerte Pakistan die Islamische Republik offiziell daran, dass es ein Verteidigungsabkommen mit dem Golfkönigreich unterhält.

Das Mullahregime greift zahlreiche Länder der Region an: die Golfstaaten, Zypern und sogar Aserbaidschan. Nach mehreren Angriffen auf Saudi-Arabien hat Irans Nachbarland Pakistan das Regime an das Verteidigungsbündnis erinnert, das es mit dem Königreich unterhält. Darüber unterrichtete Ishaq Dar, Pakistans stellvertretender Premierminister und Außenminister, am Dienstag den Senat.

Der Senat ist in Pakistans Zweikammerparlament das Oberhaus. Der Regierungschef sagte, er habe den Iran gebeten, »bitte im Hinterkopf zu behalten«, dass Pakistan einen Verteidigungspakt mit Saudi-Arabien habe. Die Iraner hätten daraufhin um »gewisse Zusicherungen« gebeten, dass saudischer Boden nicht gegen den Iran genutzt werde. »Ich habe ihnen diese Zusicherungen verschafft«, sagte Dar und verwies auf Irans »minimale Reaktion« gegenüber Saudi-Arabien im Vergleich zu seinen heftigen Angriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain und Kuwait. »Ich bin dankbar, dass sie meinen Standpunkt verstehen konnten, und entsprechend haben wir Zusicherungen für sie eingeholt.«

Am Montagvormittag hatte das saudische Energieministerium mitgeteilt, dass in der Ölraffinerie Ras Tanura in der östlichen Provinz des Königreichs ein Feuer ausgebrochen war, nachdem zwei iranische Drohnen abgefangen worden und Trümmerteile herabgestürzt waren. Einige Anlagenteile der Raffinerie seien vorsorglich abgeschaltet worden. Fünf weitere Drohnen in der Nähe des Luftwaffenstützpunkts Prinz Sultan, einem Militärkomplex südlich der Hauptstadt Riad, seien ebenfalls abgefangen worden, so das Verteidigungsministerium.

Pakistans Armee

Am Dienstag wurde die US-Botschaft in Riad mit zwei Drohnen angegriffen. Es entstand ein »begrenzter Brand«, teilte die Botschaft mit. Das Botschaftspersonal wurde reduziert.

Das Strategic Mutual Defence Agreement (SMDA) zwischen Saudi-Arabien und Pakistan wurde am 17. September 2025 in Riad unterzeichnet. Bei der Zeremonie im Al‑Yamamah‑Palast tauschten der saudische Kronprinz und Premierminister Mohammed bin Salman und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif die Verträge aus. Das Abkommen sieht vor, dass ein Angriff auf einen der beiden Staaten als Angriff auf beide gewertet wird, und soll die gemeinsame Verteidigung und Sicherheitskooperation stärken.

Es bedeutet nicht zwingend ein direktes Kriegsbündnis im Sinne einer sofortigen Kriegsteilnahme, sondern eine Verpflichtung zu gegenseitiger Verteidigung, ähnlich wie bei anderen kollektiven Sicherheitsabkommen.

Pakistans Regierung scheint nicht auf Eskalation aus zu sein. Es ist aber auch klar, dass das Mullahregime nicht einfach fortfahren kann, Saudi-Arabien anzugreifen. Indem der pakistanische Premierminister die Warnung an Teheran öffentlich machte, erzeugte er weiteren Druck. Würden die Angriffe anschließend unvermindert weitergehen, würde der Premier sein Gesicht verlieren; sein Ansehen bei der eigenen Bevölkerung, in der internationalen Diplomatie und bei Verbündeten wie Saudi-Arabien würde geschwächt. Er wäre zum Handeln genötigt, und Teheran sollte das wissen.

Die pakistanischen Streitkräfte gehören zu den größten und kampfstärksten in der Region. Sie umfassen rund 650.000 aktive Soldaten und etwa 550.000 Reservisten, verteilt auf Heer, Luftwaffe und Marine. Die pakistanische Armee stellt dabei den größten Teil der Streitkräfte, unterstützt durch eine moderne Luftwaffe mit rund drei- bis vierhundert Kampfflugzeugen wie F‑16- und JF‑17-Jets sowie Transport‑ und Mehrzweckflugzeugen.

Das Heer verfügt über mehrere Tausend Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie und Raketen, die konventionelle Feuerkraft über größere Entfernungen ermöglichen. Zusätzlich ist Pakistan eine nukleare Atommacht mit geschätzten 170 Sprengköpfen, was dem Land eine strategische Abschreckung gegenüber größeren militärischen Bedrohungen verschafft. Insgesamt wird Pakistan weltweit zu den Top 10 bis Top 15 der militärisch stärksten Staaten gezählt.

Im Ernstfall könnte Pakistan konventionelle Militäroptionen wie Luftangriffe, Artillerieeinsätze und begrenzte Raketenangriffe nutzen. Die nukleare Abschreckung dient dabei als zusätzliches Sicherheitsinstrument. Strategisch könnte Pakistan auch sein Territorium für die Logistik oder Luftoperationen von Partnern wie Saudi-Arabien oder den USA bereitstellen, ohne selbst direkt zu kämpfen. Ein offener Krieg mit Iran wäre jedoch politisch riskant, wie die Ausschreitungen vor dem amerikanischen Konsulat in Karachi (es wurden elf Tote berichtet) vom letzten Wochenende zeigen.

Verbündete seit Pakistans Gründung

Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Pakistan bestehen seit 1947 und gelten als eng und strategisch bedeutsam. Beide Länder verbindet ihr Selbstverständnis als Staaten, die die Scharia als moralische und rechtliche Richtschnur anerkennen. In Pakistan gibt es zahlreiche Gesetze und Institutionen, die islamische Rechtsprinzipien integrieren. Saudi-Arabien basiert vollständig auf der wahhabitischen Interpretation der Scharia, die alle staatlichen Institutionen prägt.

Der Schriftsteller V. S. Naipaul beobachtete bei seiner Reise durch Pakistan Ende der 1970er-Jahre das Paradoxon eines Landes, das auf eine strenge islamische Vergangenheit abzielt, während es gleichzeitig auf westliche Technologie und Maschinen – etwa F-16-Kampfjets – setzt. Saudi-Arabien unterstützte Pakistan wiederholt finanziell, etwa durch Kredite und vergünstigte Öllieferungen, während viele Pakistanis im Königreich als Gastarbeiter tätig sind. Trotz gelegentlicher Spannungen – etwa wegen Pakistans Zurückhaltung im Jemen-Konflikt 2015 – gelten die Beziehungen bis heute als stabil und partnerschaftlich.

Die militärische Kooperation zwischen Riad und Islamabad ist seit den 1960er- und 1970er-Jahren ein zentraler Bestandteil ihrer bilateralen Beziehungen. Über Jahrzehnte entsandte Pakistan Soldaten und Militärberater nach Saudi-Arabien, unter anderem zum Schutz strategisch wichtiger Einrichtungen. Zudem unterstützten pakistanische Offiziere die Ausbildung und den Aufbau der saudischen Streitkräfte, und es fanden gemeinsame Manöver sowie eine enge sicherheitspolitische Abstimmung statt.

Während des Afghanistankrieges (1979–1989) arbeiteten beide Staaten eng zusammen und unterstützten gemeinsam mit den USA die afghanischen Mudschaheddin gegen die Sowjetunion. Immer wieder wurde zudem spekuliert, dass Saudi-Arabien das pakistanische Nuklearprogramm finanziell gefördert habe, was jedoch offiziell nie bestätigt wurde. Ein sichtbares Zeichen der militärischen Verbundenheit war 2017 die Ernennung des ehemaligen pakistanischen Armeechefs Raheel Sharif zum Oberbefehlshaber der von Saudi-Arabien initiierten Islamic Military Counter Terrorism Coalition. Trotz einzelner politischer Spannungen blieb die militärische Zusammenarbeit insgesamt eng und strategisch bedeutsam.

Der iranische Präsident Masoud Peseschkian erklärte unterdessen den »Respekt« vor der Souveränität der Nachbarstaaten. »Sehr geehrte Staats- und Regierungschefs unserer befreundeten Nachbarländer, wir haben mit Ihrer Unterstützung und durch Diplomatie alles darangesetzt, einen Krieg zu vermeiden«, so der Präsident. »Der US-zionistische Militärangriff hat uns jedoch keine andere Wahl gelassen, als uns zu verteidigen.« Peseschkian betonte, dass die iranischen Angriffe nicht gegen Nachbarländer gerichtet seien, obwohl Angriffe auf US-Militäreinrichtungen auf deren Territorium erfolgten. »Wir respektieren Ihre Souveränität und sind weiterhin der Ansicht, dass der Frieden in der Region von den Ländern der Region selbst gewährleistet werden muss.«

Wird Saudi-Arabien den Iran angreifen?

Der Iran hat die rote Linie Saudi-Arabiens überschritten, indem er nach dem amerikanisch-israelischen Angriff zivile Infrastruktur im Königreich attackiert hat.

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