Iran: Repression der Proteste forderte 16.500 Tote und 330.000 Verletzte

Das iranische Regime hat die landesweiten Proteste mit brutaler Gewalt beantwortet

Einem Bericht iranischer Ärzte zufolge meiden viele verwundete Demonstranten aus Angst vor Inhaftierung die Krankenhäuser, während verletzte Patienten von Sicherheitskräften aus Operationssälen verschleppt wurden.

Mindestens 16.500 Demonstranten wurden während der Repressionen gegen die iranischen Proteste getötet und mehr als 330.000 verletzt, wie aus einem Bericht hervorgeht, der von Ärzten im Land erstellt und von der Sunday Times zitiert wurde, während eine fast vollständige Internetsperre eine unabhängige Überprüfung zunehmend erschwert. Der Bericht, der auf Informationen eines Netzwerks von Medizinern aus dem gesamten Iran basiert, besagt, dass es sich bei den Verletzungen größtenteils um Schusswunden und schwere Augenverletzungen handelte, wobei Hunderte bis Tausende dauerhaft erblindet sind.

Dem Bericht der Ärzte zufolge ereigneten sich die meisten Todesfälle innerhalb von zwei Tagen, die als die gewalttätigste Unterdrückungsphase in der 47-jährigen Geschichte der Islamischen Republik bezeichnet wurde, wobei die meisten Opfer unter dreißig Jahre alt waren. Zeugen beschrieben, wie Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf Demonstranten schossen, darunter auch Kopfschüsse, und Scharfschützen auf Dächern, Kalaschnikow-Gewehre und auf Fahrzeugen montierte Maschinengewehre eingesetzt wurden.

Der Oberste Führer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, räumte am Samstag erstmals ein, dass seit Beginn der Proteste vor drei Wochen »mehrere tausend« Menschen getötet worden seien und machte die als Randalierer, Terroristen und Söldner bezeichneten Demonstranten, die Sicherheitskräfte und öffentliches Eigentum attackiert und Angst unter den Bürgern verbreitet hätten sowie ausländische Feinde für die Gewalt verantwortlich. In seiner Ansprache bezeichnete Khamenei die Demonstranten nicht nur als »Fußsoldaten der Vereinigten Staaten« und behauptete, sie seien mit aus dem Ausland importierten Waffen ausgerüstet. Vielmehr erklärte er sie auch zu »mohareb«, zu »Feinden Gottes«, ein Vorwurf, der im Iran die Todesstrafe für den so Bezeichneten nach sich ziehen kann.

Gezielte Schüsse

Der iranisch-deutsche Augenchirurg und medizinische Direktor von Munich MED Amir Parasta erklärte gegenüber der Sunday Times, dass die Daten von Ärzten gesammelt wurden, die über geschmuggelte Starlink-Satellitenterminals kommunizierten, nachdem der Internetzugang am 8. Januar unterbrochen worden war. »Dieses Mal setzen sie Waffen in Militärqualität ein«, wurde Parasta zitiert, der hinzufügte, dass Ärzte Schuss- und Splitterwunden an Kopf, Hals und Brust zu behandeln hatten.

Die in dem Bericht angeführten Daten, die von acht großen Augenkliniken und sechzehn Notaufnahmen zusammengestellt wurden, beziffern die Zahl der Verletzten mit 330.000 bis 360.000. Allein die Noor Clinic, eine Augenklinik in Teheran, dokumentierte rund siebentausend Augenverletzungen. Ein zitierter Ophthalmologe sagte, die Zahl der durch Schrotkugeln verursachten Augenverletzungen habe die Krankenhäuser überfordert. Ein weiterer berichtete, dass allein in Teheran in einer einzigen Nacht über achthundert Augen entfernt werden mussten. Schätzungen zufolge könnten mindestens 8.000 Menschen ihr Augenlicht durch Schrotkugeln verloren haben.

Medizinische Quellen gaben an, dass einige Patienten wegen Blutmangels starben, wobei ein Chirurg zitiert wurde, der sagte, dass die Sicherheitskräfte zeitweise Bluttransfusionen verhindert hätten. Dem Bericht zufolge mieden viele verwundete Demonstranten aus Angst vor Verhaftung Krankenhäuser, während einige verletzte Patienten von den Sicherheitskräften selbst noch aus Operationssälen geholt wurden. Mehrere Zeugen sagten aus, dass Leichen von Sicherheitskräften von den Straßen entfernt und in andere Städte gebracht wurden, um die Familien unter Druck zu setzen, für die Aushändigung der sterblichen Überreste ihrer Angehörigen hohe Summen zu zahlen.

Trotz der gemeldeten Opferzahlen bleibt das volle Ausmaß der Gewalt aufgrund der seit zehn Tagen andauernden Kommunikationssperre und der Einschränkungen für unabhängige Berichterstattung unklar. In dem Bericht zitierte Menschenrechtsaktivisten und Mediziner warnten, dass die tatsächliche Zahl der Opfer noch höher sein könnte, da viele Todesfälle und Verletzungen wegen Angst, Geheimhaltung und der anhaltenden Präsenz von Sicherheitskräften in iranischen Städten nicht erfasst worden seien.

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