USA: Die Republikaner und der Antisemitismus

Streit um Antisemitismus und Antizionismus: Tucker Carlson bei »Turning Point USA« Dezember 2025

Im Umfeld der Republikaner und der MAGA-Bewegung ist ein Streit um den Antizionismus und Antisemitismus von Aktivisten wie Tucker Carlson und Nick Fuentes ausgebrochen.

Die Republikanische Partei der USA präsentiert sich seit Jahrzehnten als verlässlicher Verbündeter Israels. Von Ronald Reagan bis Donald Trump galt die Unterstützung des jüdischen Staates als fester Bestandteil republikanischer Außenpolitik. Doch dieses Selbstbild gerät zunehmend unter Druck. Innerhalb der Partei wird inzwischen offen darüber gestritten, wie groß das Antisemitismus-Problem im eigenen Lager ist – und ob man bereit ist, es ernsthaft zu bekämpfen.

Auslöser der Debatte sind nicht abstrakte Vorwürfe, sondern konkrete Personen und Entwicklungen. Rechtsextreme Influencer wie Nick Fuentes, die offen antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten und den Holocaust relativieren, finden seit Jahren Anschluss an Teile des MAGA-Milieus. Dass solche Personen nicht konsequent ausgegrenzt, sondern teils indirekt legitimiert oder verharmlost werden, alarmiert jüdische Organisationen und pro-israelische Republikaner gleichermaßen.

Anlass der Debatte war ein mehr als zwei Stunden langes Interview, das der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson mit Nick Fuentes geführt hatte. Darin hatte Fuentes behauptet, »zionistische Juden« kontrollierten die konservativen Medien. Diese »Wächter« müssten überwunden werden. Auch der Neokonservatismus, der mit seiner Idee von der demokratischen Mission der USA dem Isolationismus der MAGA-Bewegung entgegensteht, gehe auf jüdische Intellektuelle zurück. Carlson wiederum äußerte seinen Abscheu gegenüber »christlichen Zionisten«, die er für Ketzer hält.

Risse und Konflikte

Das Video wurde im Internet bislang sieben Millionen Mal aufgerufen und löste in der konservativen Heritage Foundation Risse aus – jenem Thinktank, das einst die Politik von Ronald Reagan mitprägte. Nachdem Heritage-Präsident Kevin Roberts Carlson öffentlich verteidigt und dessen umstrittenes Interview relativiert hatte – er sprach von der Notwendigkeit, »nicht einfach zu canceln« und bezeichnete die Kritiker als »giftige Koalition« –, kam es zu erheblicher innerer Unruhe in der Organisation. Viele Mitarbeiter sahen in dieser Verteidigung eine Normalisierung extremistischer Inhalte und eine fehlende Abgrenzung gegenüber offen antisemitischen Positionen.

Als direkte Folge der Kontroverse traten mehrere wichtige Mitglieder von Heritage-Projekten zurück: Mindestens fünf Mitglieder der National Task Force to Combat Antisemitism, einer Initiative der Heritage Foundation zur Bekämpfung von Antisemitismus, gaben ihren Rücktritt bekannt, da sie Roberts’ Position nicht länger unterstützen konnten. Auch andere hochrangige konservative Persönlichkeiten in beratenden Rollen verließen Vorstands- und Associate-Positionen, was die Glaubwürdigkeitskrise vertiefte.

Die Kontroverse zog breite Kritik aus dem konservativen Lager nach sich. So warf Kommentator Ben Shapiro Tucker Carlson vor, den Konservatismus von seinen Grundprinzipien zu entfremden. Carlson fördere sozialistische Ideen, verharmlose autoritäre Regime, gebe Verschwörungstheoretikern eine Bühne und zeige eine obsessive Feindseligkeit gegenüber Israel. Besonders schwer wiege, dass er den antisemitischen Extremisten und bekennenden Hitler-Fan Nick Fuentes hofiert habe. Shapiros Fazit: Ein Konservatismus, der Tucker Carlson zum Meinungsführer erhebt, habe seine Werte aufgegeben.

Unter dem Druck der Proteste versuchte Roberts schließlich eine Kehrtwende: Er entschuldigte sich intern und räumte ein, dass seine Entscheidung, den ursprünglichen Verteidigungs-Post zu veröffentlichen, ein Fehler gewesen sei und er damit »die Institution und ihre Mitarbeiter enttäuscht« habe. Dennoch lehnte er es ab, seine Position als Präsident der Heritage Foundation aufzugeben.

Trump distanziert sich

Und Präsident Trump? Nach seiner Meinung über das Gespräch von Carlson und Fuentes gefragt, sagte er, Carlson könne selbst entscheiden, wen er interviewe, das sei sein Job. Er übersah dabei geflissentlich, dass sich die Kritik nicht an der Tatsache eines Interviews entzündete, sondern daran, dass Carlson Fuentes den roten Teppich ausrollte, ihm nicht widersprach, sondern dessen antisemitischen Positionen zustimmte und sie sogar noch verstärkte.

Donald Trump aber freute sich öffentlich darüber, von Carlson immer nur gelobt zu werden. In einem Interview mit der New York Times hat der Präsident nun versucht, sich vom Antisemitismus im eigenen Lager zu distanzieren. Weder die Republikanische Partei noch die MAGA-Bewegung böten Platz für Menschen mit antisemitischen Ansichten. Dies sei Trumps »bisher deutlichste öffentliche Stellungnahme« zu diesem Thema gewesen, kommentierte die Times.

»Ich denke, wir brauchen sie nicht«, sagte er auf die Frage, ob Antisemiten in seiner Koalition einen Platz hätten. »Ich denke, wir mögen sie nicht.« Auf die Frage, ob er diejenigen in der konservativen Bewegung verurteile, die antisemitische Ansichten vertreten, antwortete Trump: »Selbstverständlich. Was antisemitische Ansichten angeht, gab es niemanden, der besser für uns (sic!) gewesen wäre. Ich habe beispielsweise gerade den Israel-Preis erhalten, die höchste Auszeichnung, die vergeben wird. Er wurde mir verliehen. Zum ersten Mal überhaupt wurde er an jemanden außerhalb Israels verliehen.«

»Es gab in der Geschichte der Welt, wie wir sie kennen, keinen besseren Präsidenten, der stärker, besser und mit Sicherheit weniger antisemitisch war als Donald Trump«, so der Präsident über sich selbst. »Ich war der beste Präsident der Vereinigten Staaten in der Geschichte dieses Landes gegenüber Israel. Und das wird im Übrigen von allen anerkannt, einschließlich der Tatsache, dass wir Frieden im Nahen Osten haben, und dieser Frieden wird auch halten.«

Auf die Frage, ob er Nick Fuentes verurteilen würde, meinte Trump, nicht zu wissen, wer das sei. Einer der Journalisten erinnerte ihn daran, dass er 2022 mit Fuentes und Kanye West zu Abend gegessen hatte. »Ich habe mal mit ihm zu Abend gegessen, er war Gast von Kanye West. Ich wusste nicht, wen er mitbrachte. Er fragte: ›Stört es dich, wenn ich einen Freund mitbringe?‹ Ich sagte: ›Ist mir egal.‹ Und es war Nick Fuentes? Ich kenne Nick Fuentes nicht.«

Ob republikanische Führungskräfte »Personen, die Antisemitismus vertreten, verurteilen sollten«, antwortete der Präsident: »Absolut. Wissen Sie was? Aus meiner persönlichen Sicht absolut, denn ich verurteile das. Ich habe eine Tochter, die mit einem Juden verheiratet ist. Meine Tochter ist Jüdin, wunderschön, und drei meiner Enkelkinder sind jüdisch. Ich bin sehr stolz auf sie. Ich bin sehr stolz auf die ganze Familie. Ich bin wahrscheinlich der am wenigsten antisemitische Mensch auf der ganzen Welt.«

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