Das türkische Sicherheitsunternehmen SADAT unterstützt Präsident Erdogan als Söldnertruppe bei seinen Ambitionen, die Türkei wieder als Großmacht zu etablieren.
Das nach dem Vorbild der russischen Gruppe Wagner gebildete türkische Sicherheitsunternehmen SADAT (Uluslarasi Savunma Danismanlik Insaat Sanayi ve Ticaret) bezeichnet sich auf seiner Webseite als »erste und einzige zugelassene private Militärorganisation der Türkei, die Beratungsdienste, militärisches Training und militärische Logistikdienste auf internationaler Verteidigungsebene anbietet«. Ziel des Unternehmens sei es, derartige Kooperationen zwischen islamischen Ländern zu fördern.
SADAT wurde im Jahr 2012 von Adnan Tanrıverdi, einem ehemaligen General der türkischen Streitkräfte und Chefberater von Präsident Recep Tayyip Erdogan, gegründet und fungiert als Söldnertruppe für die imperialen bzw. neoosmanischen Interessen der Türkei unter ihrem amtierenden Präsidenten.
Die erste Bewährungsprobe für die Organisation war die Unterstützung Erdogans bei der Niederschlagung des mysteriösen Putschversuches vom 15. Juli 2016, der von Erdogan zur Zerschlagung der religiösen Gülen-Bewegung benutzt wurde. Deren Anführer Fetullah Gülen selbst, der im Exil in den USA lebte, verneinte jede Beteiligung an dem Aufstand gegen Erdogan.
Auch im innertürkischen Konflikt zwischen der Regierung und der aufständischen Kurdischen Arbeiterpartei PKK kam SADAT zum Einsatz ebenso im Konflikt zwischen Armenien und Aserbeidschan, in der Erdogans paramilitärische Auslandseinheit an der Seite Aserbeidschans intervenierte.
Erdogans Auslandseinheit
Im Bürgerkrieg nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi in Libyen kämpften im Jahr 2020 Medienberichten zufolge zweitausend von SADAT organisierte syrische Söldner, um die mit Ankara verbündete westlibysche Regierung in Tripolis gegen Einheiten des aufständischen Generals Khalifa Haftar aus dem ostlibyschen Bengasi zu unterstützen. Erdogan glaubte, sich nicht allein auf die Armee verlassen zu können, also trieb er mit SADAT den Aufbau einer Garde voran, die zusehends auch im Ausland militärisch tätig ist, schrieb Mena-Watch damals:
»Im Verhältnis zwischen dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und den türkischen Streitkräften herrscht seit einigen Jahren gegenseitiges Misstrauen vor. Zugleich sind beide Seiten aufeinander angewiesen und agieren gegenwärtig in gemeinsamer Sache sowohl in Syrien als auch in Libyen. Im Machtgerangel ist eine Parallelstruktur entstanden, zu denen auch die paramilitärischen Kräfte SADAT gehören. Sie treten nach außen klandestin auf und sind operativ seit einigen Jahren in Syrien aktiv – und zunehmend auch in Libyen. …
Diese These wird durch die jüngere Entwicklung in Libyen gestützt, wo SADAT laut eigener Auskunft seit Mai 2013 operativ tätig ist. Inzwischen kann sich SADAT auf den Parlamentsbeschluss vom 7. Januar berufen, der Erdogan die Ermächtigung erteilt hat, auch »zivile Personen und private Verteidigungs- und Sicherheitsorganisationen« nach Libyen zu entsenden. Dieser maßgeschneiderte Beschluss, der nachträglich legitimiert, was zuvor bereits umgesetzt worden ist, ermöglicht den legalen Transfer syrischer Söldner, die in Syrien rekrutiert und in der Türkei ausgebildet werden. Rund 2.000 syrische Söldner kämpfen bereits in Libyen, einige sind bereits gestorben.«
Zuvor war SADAT bereits in Syrien bei der Unterstützung islamistischer sunnitischer Aufständischer in deren Kampf gegen die mit dem schiitischen Iran verbündeten Regierung von Präsident Baschar al-Assad involviert, wie Mena-Watch damals ebenfalls berichtete:
»Die Organisation ist maßgeblich an der Ausbildung sunnitisch-arabischer Kämpfer in der Türkei für den Kampf gegen Assad beteiligt. Bereits 2012 berichtete die türkische Tageszeitung Aydinlik, dass SADAT zu Beginn des Bürgerkriegs in Syrien eine Reihe von Ausbildungscamps in der Marmararegion errichtet haben soll. Mindestens eine dieser Ausbildungseinrichtungen soll sich an einem türkischen Militärstützpunkt im Golcuk-Distrikt von Kocaeli befinden, der früher von der türkischen Marine als Ausbildungszentrum unterhalten wurde.«
Auch zu terroristischen Gruppierungen wie der al-Nusra-Front, zu der der heutige syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa unter seinem Kampfnamen Mohammed al-Julani damals gehörte, und sogar zum Islamischen Staat gab es wechselhafte Beziehungen. Die Türkei hält auch nach dem Umsturz in Syrien ganz offiziell weiterhin Gebiete in Nordsyrien wie die Stadt Afrin besetzt, die den Kurden in Kooperation mit islamistischen Milizen militärisch abgerungen worden war.
Kein Wunder also, dass Israels Regierung gegen die Entsendung türkischer Einheiten jeglicher Art, sei es nun reguläres Militär oder »Freiwillige« vom Schlag der SADAT-Kämpfer, im Rahmen der Internationalen Stabilisierungstruppe für den Gazastreifen ein Veto eingelegt hat.
