Das Militär gab bekannt, dass es die erste Phase eines fünfstufigen Plans zur Entwaffnung aller nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen im Libanon abgeschlossen hat.
Joshua Marks
Die libanesischen Streitkräfte gaben am Donnerstag bekannt, die erste Phase ihres nationalen Entwaffnungsplans abgeschlossen und ihre Kontrolle im Süden des Landes ausgebaut zu haben, um »ausschließlich durch seine eigenen Streitkräfte ausgeübte Autorität des Staates auf das gesamte libanesische Territorium auszuweiten«.
In einer Erklärung teilte die Armee mit, »die Ziele der ersten Phase« des Plans erreicht zu haben, dessen Schwerpunkt auf der »Ausweitung der operativen Präsenz der Armee, der Sicherung wichtiger Gebiete und der Ausweitung der operativen Kontrolle« im südlichen Litani-Sektor lag, mit Ausnahme jener Gebiete, »die weiterhin unter israelischer Besatzung stehen«. Israel hält nach wie vor fünf strategische Hügelpositionen im Südlibanon entlang der Grenze besetzt und begründet dies mit der Notwendigkeit, die Hisbollah daran zu hindern, ihre Angriffskapazitäten in der Nähe israelischer Gemeinden wieder aufzubauen.
Der Plan »Schild der Heimat« (»Dir al-Watan«) ist der offizielle Fünf-Phasen-Fahrplan der libanesischen Armee zur Entwaffnung aller nichtstaatlichen Milizen, wobei der Schwerpunkt auf der Hisbollah liegt. Der Kommandeur der libanesischen Streitkräfte, Rodolphe Haykal, und Premierminister Nawaf Salam erklärten am 20. Dezember vorigen Jahres, das Militär werde demnächst den ersten Teil seines Entwaffnungsplans abschließen, was nun erfolgt ist.
Ermutigender Schritt
In der Erklärung vom Donnerstag wurde die Hisbollah nicht explizit erwähnt, die am Tag nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 Israel angegriffen und damit eine zweite Front an der Nordgrenze Israels eröffnet hatte, die bis zu einem von den USA vermittelten Waffenstillstand mit Beirut und Jerusalem am 27. November 2024 bestand. Der Waffenstillstand beendete die grenzüberschreitenden Kämpfe und zementierte die Schwächung der Gruppe, die von den Vereinigten Staaten, Israel, Kanada und dem Vereinigten Königreich als terroristische Organisation eingestuft wird.
Das Abkommen sieht vor, dass die Hisbollah entwaffnet wird, beginnend in den an Israel angrenzenden Gebieten, wobei die libanesische Armee gemäß den Bedingungen des von den USA vermittelten Waffenstillstands und einer anschließenden Entscheidung des libanesischen Kabinetts das Monopol auf Waffen im Land erhalten soll.
Das Büro des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu erklärte am Donnerstag in einer Stellungnahme, das Abkommen »legt eindeutig fest, dass die Hisbollah vollständig entwaffnet werden muss« und bezeichnete dies als »unabdingbar für die Sicherheit Israels und die Zukunft des Libanons«. Netanjahus Büro fügte hinzu, die aktuellen Bemühungen des Libanons seien »ein ermutigender Anfang», aber »bei Weitem nicht ausreichend« angesichts der vom Iran unterstützten Wiederaufrüstungsbemühungen der Hisbollah.
In einer separaten Erklärung verlautbarte das israelische Außenministerium, dass »trotz der heute im Libanon veröffentlichten Erklärungen die Tatsache bestehen bleibt, dass südlich des Litani-Flusses nach wie vor eine umfangreiche militärische Infrastruktur der Hisbollah besteht. Das Ziel der Entwaffnung der Hisbollah im Südlibanon ist noch lange nicht erreicht«, fuhr das Ministerium fort und veröffentlichte ein Video, das die Standorte der noch nicht demontierten Hisbollah-Stützpunkte im Süden des Libanons zeigt.
»Die Hisbollah rüstet mit Unterstützung des Irans, dessen Außenminister heute zu einem Besuch im Libanon eintrifft, weiter auf.« Nicht nur rüste die Hisbollah schneller auf, als sie entwaffnet wird, hieß aus dem Außenamt, »darüber hinaus ist es bedauerlich, dass es Fälle von Zusammenarbeit zwischen Elementen innerhalb der LAF [Libanesischen Streitkräfte] und der Hisbollah gibt«.
Es sollte betont werden, »dass die Angriffe der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte gegen die Hisbollah das Ziel der Entwaffnung der Organisation nicht verzögern – im Gegenteil, sie bringen es voran. Israel erwartet, dass die LAF ihre Bemühungen zur Entwaffnung der Hisbollah südlich des Litani und in allen anderen Teilen des Libanons in voller Übereinstimmung mit dem Waffenstillstandsabkommen fortsetzt«, schloss die Erklärung aus Jerusalem.
Despite the statements published today in Lebanon, the facts remain that extensive Hezbollah military infrastructure still exists south of the Litani River. The goal of disarming Hezbollah in southern Lebanon remains far from being achieved.
This can be seen in the attached… pic.twitter.com/NPTIEbUapQ— Israel Foreign Ministry (@IsraelMFA) January 8, 2026
Hisbollah-Aktivitäten
Laut einer libanesischen Sicherheitsquelle gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters signalisiere die Ankündigung der libanesischen Armee, dass keine bewaffnete Gruppe Angriffe aus dem Südlibanon durchführen darf.
In seiner Erklärung vom Dezember, in der er bestätigt hatte, dass die erste Phase des Waffenbeseitigungsplans südlich des Litani-Flusses kurz vor dem Abschluss stehe, gab Premier Nawaf Salam auch einen Ausblick auf die nächste Phase: »Der Staat ist bereit, zur zweiten Phase überzugehen, nämlich der Beschlagnahmung von Waffen nördlich des Litani-Flusses, basierend auf dem Plan, den die libanesische Armee im Auftrag der Regierung ausgearbeitet hat.«
Israel hat seit Inkrafttreten des Waffenstillstands als Reaktion auf die Versuche der Terrororganisation, ihre Offensivfähigkeiten unter Verletzung der Waffenruhe wieder aufzubauen, kontinuierlich Ziele der Hisbollah angegriffen. Israels Streitkräfte warnten am 18. Dezember 2025, die Hisbollah baue trotz der seit Inkrafttreten des Waffenstillstands im letzten Jahr andauernden israelischen Luftangriffe ihre Kapazitäten rasch wieder auf.
Am vergangenen Donnerstag gab das Militär bekannt, »einen Terroristen der Hisbollah im Gebiet Zaita im Südlibanon« im Bezirk Sidon angegriffen zu haben. In einer späteren Erklärung bestätigten die IDF den Tod von Alaa Hussein Hawrani, den das Militär als »Drohnenoperateur der Terrororganisation Hisbollah« bezeichnete. »Während des Kriegs war er an der Wiederherstellung der Infrastruktur, der Aktivierung von Streitkräften und an Versuchen beteiligt, Informationen über IDF-Truppen in dem Gebiet zu sammeln«, so die Stellungnahme, in der darauf hingewiesen wurde, dass Hawranis Aktivitäten »einen Verstoß gegen die Vereinbarungen zwischen Israel und dem Libanon darstellten«.
Am 19. Dezember nahm ein israelischer Beamter in Naqoura an einem Treffen im Hauptquartier der Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon (UNIFIL) teil, dessen Ziel es war, die Entwaffnung der Hisbollah sicherzustellen. »Während des Treffens wurden Möglichkeiten zur Förderung wirtschaftlicher Projekte diskutiert, um das gegenseitige Interesse an der Beseitigung der Bedrohung durch die Hisbollah und der Gewährleistung nachhaltiger Sicherheit für die Bewohner auf beiden Seiten der Grenze zu unterstreichen«, erklärte Netanjahus Büro. »Das Treffen ist eine Fortsetzung des Sicherheitsdialogs, der darauf abzielt, die Entwaffnung der Hisbollah durch die libanesische Armee sicherzustellen.«
Trotz des Drucks aus Washington und Jerusalem, Beirut solle die Hisbollah entwaffnen, hat der Generalsekretär der mit dem Iran verbündeten Gruppierung, Naim Qassem, wiederholt die Bemühungen um Entwaffnung abgelehnt, darunter auch am 28. Dezember, als er die Beschlagnahmung der Waffen der Gruppe als »israelisch-amerikanischen Plan« brandmarkte.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)
