»Tretet zurück«: Iraner kritisieren Regierung wegen Stromausfällen

Auch Geschäfte und Betriebe im Iran sind von den permanenten Stromausfällen betroffen

Die akute Wasser- und Stromknappheit bedroht die iranische Bevölkerung in ihrer Existenz. Nun wird die Kritik an der Regierung immer lauter.

Berichte aus erster Hand zeigen, wie schwerwiegend die Wasser- und Stromknappheit das tägliche Leben im Iran beeinträchtigt, wobei Stromausfälle nicht nur Not, sondern sogar lebensbedrohliche Situationen für bedürftige Familien verursachen, wie Iran International meldete.

In einem Video, das in einem Krankenhaus gefilmt wurde, fordert eine Frau mit einem gebrochenen Bein die Regimevertreter auf, zurückzutreten, wenn sie nicht in der Lage sind, grundlegende Dienstleistungen zu erbringen. »Warum sollten wir im 21. Jahrhundert Stromausfälle haben?«, fragt sie. »Wenn Sie das Land nicht richtig regieren können, sollten Sie besser verschwinden.« Die an Diabetes erkrankte Frau hätte vor einer Operation während der Nacht überwacht werden sollen, was aber wegen der Stromknappheit nicht gewährleistet werden konnte.

Ein weiterer Clip zeigt eine Frau, die von wiederholten Stürzen im Dunkeln berichtet. Sie zeigt auf einen Gehstock: »Jetzt muss ich mich damit fortbewegen. Ich schwöre bei Gott, ich habe nicht einmal einen einzigen Rial, um zum Arzt zu gehen und mich röntgenisieren zu lassen.« Weitere Aufnahmen zeigen einen Mann, der nach einem plötzlichen Stromausfall in einem Aufzug festsitzt und fordert, dass Gebäude mit Notfallsystemen ausgestattet werden, um solche Gefahren zu vermeiden.

Aus dem ganzen Land berichten Einwohner von regelmäßigen Stromausfällen in der Nacht und während der Geschäftszeiten. In der Stadt Sari gibt es jeden Abend von 21 bis 23 Uhr keine Energie, während ein Händler in Mashhad einen in Dunkelheit gehüllten Markt filmt: »Schauen Sie sich den Basar an. Wie sollen diese Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Miete bezahlen?«

In Teheran filmte ein Kunde, wie Käufer in einem Supermarkt unter der drückenden Hitze leiden, nachdem die Klimaanlage und die Beleuchtung ausgefallen waren. »Früher war es hier kühl und angenehm, aber jetzt ist alles ausgeschaltet. Die Menschen sind gezwungen, in dieser unerträglichen Hitze einzukaufen.«

Öffentliche Blamage

Energieminister Abbas Ali Abadi hat Verbesserungen versprochen. »Bald wird sich die Wasserversorgung verbessern, die Gasversorgung wird sich verbessern, und auch die Wetterbedingungen werden mitspielen«, sagte er diese Woche, bevor er den vielsagenden Zusatz »so Gott will« hinzufügte. »Egal, ob Wasserknappheit, Strommangel oder Inflation, um vom eigenen Versagen abzulenken, fordert die iranische Führung Gebete und Reue«, stellte Farzad Amini schon Mitte August auf Mena-Watch fest.

Die Abhängigkeit des Irans von jahrzehntealten Wärmekraftwerken, die immer noch über achtzig Prozent der Elektrizität liefern, sowie die schrumpfende Wasserkraftkapazität aufgrund anhaltender Dürren haben das Stromnetz extrem anfällig gemacht. Die Produktion von Strom aus Wasserkraft ist im Frühjahr von etwa 6.500 bis 7.000 Megawatt auf 2.500 Megawatt zurückgegangen.

Die Krise hat mittlerweile auch das nationale Fernsehen erreicht. Ein vielfach geteilter Clip zeigt, wie eine staatliche TV-Sendung kurz nach der Ankündigung eines Abgeordneten, in Kürze werde das »Geständnis« eines angeblich gefangengenommenen israelischen Piloten ausgestrahlt, in Dunkelheit versank. Das israelische Außenministerium verspottete die Szene auf X und schrieb auf Persisch: »Stellt nur sicher, dass während der Ausstrahlung des Geständnisses nicht der Strom ausfällt.«

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