Leben auf Kredit: Der Iran am Rande des sozioökonomischen Zusammenbruchs

Selbst Nahrungsmittel müssen die Iraner mittlerweile auf Kredit kaufen, weil sein sonst unleistbar wären

Eigentlich ein reiches Land, steht der Iran heute vor einer der schwersten wirtschaftlichen und sozialen Krisen in seiner modernen Geschichte. Selbst Lebensmittel können sich die Iran nur noch auf Pump leisten.

Ein Land, das mit riesigen Öl- und Gasvorkommen gesegnet ist und einst in der Lage war, Entwicklung und Wohlstand für seine Bevölkerung zu fördern, hat nun einen Punkt erreicht, an dem seine Bürger selbst für den Kauf der grundlegendsten Lebensnotwendigkeiten, von Brot und Reis bis hin zu Waschmittel und Speiseöl, auf Kredite und Schuldenmachen angewiesen sind.

Was einst auf teure Güter wie Autos oder Haushaltsgeräte beschränkt war, hat sich nun auf Dinge des täglichen Bedarfs ausgeweitet. Unter der Herrschaft des klerikalen Regimes können viele Familien nicht einmal mehr ein Kilogramm Fleisch oder einen Liter Milch bar bezahlen, sodass Ladenbesitzer gezwungen sind, Schuldenbücher für ihre Kunden anzulegen.

Diese Krise ist nicht nur das Ergebnis von Inflation und wirtschaftlicher Misswirtschaft, sondern spiegelt direkt die politischen Prioritäten der iranischen Führung wider. Während der Oberste Führer Ali Khamenei Milliarden von Dollar für die Förderung des Atomprogramms, die Finanzierung regionaler Milizen, die Entwicklung von Raketenprojekten und für seine Stellvertreterkriege ausgibt, kämpft die Bevölkerung um die einfachsten Dinge des täglichen Lebens.

In einem Land mit den zweitgrößten Erdgasreserven und den drittgrößten Ölvorkommen der Welt sind Rentner und Kleinverdiener gezwungen, auf Pump und Kredit zu kaufen. Dieser schmerzhafte Widerspruch ist zum Symbol für eine sich vertiefende Kluft zwischen der Bevölkerung und dem Regime geworden – eine Kluft, die jeden Tag Verzweiflung, Wut und tiefes Misstrauen schürt.

Stetiger Zusammenbruch

Offizielle Statistiken zeichnen ein klares Bild dieses Zusammenbruchs. Die Lebensmittelinflation übersteigt mittlerweile die Gesamtinflation. Im vergangenen Juni stiegen die Preise für Brot und Getreide um sechzehn Prozent, während die Preise für Speiseöl und rotes Fleisch um ein Vielfaches schneller stiegen als die Haushaltseinkommen.

Unter diesen Umständen sind Familien gezwungen, ihren Grundbedarf durch kurzfristige Schulden zu decken – ein Kreislauf, der von Neuem beginnt, noch bevor die vorherigen Raten bezahlt sind, und so Millionen von Menschen in dauerhafter Armut gefangen hält. Die Folge ist der vollständige Verlust der Ersparnisse, der Zusammenbruch jeglicher Aussichten auf Stabilität und das Verschwinden bescheidener Annehmlichkeiten wie Reisen oder Freizeitunterhaltungen.

Die soziale und psychologische Dimension dieser Krise ist alarmierend. Die Normalisierung von Schulden als Überlebensmechanismus, die tägliche Demütigung von Bürgern, die gezwungen sind, in kleinen Läden um Kredite zu betteln, und die sich vertiefende Kluft zwischen einer wohlhabenden Minderheit und der verarmten Mehrheit untergraben das Selbstwertgefühl der Iraner und zerstören das moralische und soziale Gefüge der Gesellschaft.

Armut im Iran bedeutet heute nicht nur leere Mägen, sondern auch Rückschläge in den Bereichen Bildung oder Gesundheitsversorgung und untergräbt dadurch jede Hoffnung für die Zukunft. Eine Gesellschaft, in der große Teile der Bevölkerung ständig mit Rückzahlungsfristen zu kämpfen haben, bietet keinen Raum für Wachstum, Fortschritt oder Menschenwürde. Solche Bedingungen schaffen einen fruchtbaren Boden für wachsende Unzufriedenheit, weit verbreitete Proteste und soziale Unruhen – Entwicklungen, die in den kommenden Monaten und Jahren zu politischen und sicherheitspolitischen Krisen eskalieren könnten, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines Systemzusammenbruchs größer ist als die einer kriegerischen Auseinandersetzung.

Unglaubliche Tragödie

Diese Krise verschärft sich gerade jetzt, da die Möglichkeit eines Snapback-Mechanismus wegen des Atomprogramms und der vollständigen Wiedereinführung internationaler Sanktionen größer denn je ist. Sollte dieses Szenario eintreten, wird die ohnehin schon zusammenbrechende Wirtschaft einem schier unerträglichen Druck ausgesetzt sein. Starke Kürzungen der Öleinnahmen, eingeschränkter Zugang zu den globalen Märkten und eine verstärkte finanzielle Isolation bedeuten, dass das Mullah-Regime die Last seiner hohen Ausgaben erneut auf die Bevölkerung abwälzen wird. Müssen Familien heute Kartoffeln und Zwiebeln auf Raten kaufen, könnten morgen sogar Brot und Wasser für die Mehrheit unerschwinglich werden.

Was im Iran geschieht, ist eine nahezu unglaubliche Tragödie: Ein ressourcenreiches Land, das durch ein Regime mit destruktiver und feindseliger Politik zu einer der ärmsten und hoffnungslosesten Gesellschaften der Region geworden ist. Die Folgen dieses Niedergangs werden nicht auf den Iran alleine beschränkt bleiben: Die Fortsetzung dieses Trends könnte neue Wellen von Zwangsmigration, sozialen Unruhen und politischer Instabilität im gesamten Nahen Osten auslösen.

Das Leben auf Kredit – heute das Schicksal von Millionen Iranern – ist nicht nur das Ergebnis wirtschaftlicher Misswirtschaft, sondern das direkte Produkt eines Regimes, das seine Ideologie und sein eigenes Überleben über die Bedürfnisse der Bevölkerung stellt. Die Zukunft dieses Landes wurde in Raten verkauft, und wenn keine grundlegenden Veränderungen eintreten, wird nicht nur eine gedemütigte und verarmte Nation zurückbleiben, sondern auch eine Region, die instabiler ist als je zuvor.

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