In Freizeitpark unerwünscht: In Frankreich häufen sich die antisemitischen Vorfälle

Demonstration gegen den Antisemitismus in Frankreich

Noch vor wenigen Jahren war es unvorstellbar, dass israelischen Jugendlichen in Frankreich der Zutritt zu einem Freizeitpark verwehrt werden könnte. Heute gehören Vorfälle dieser Art zur neuen Normalität.

Wieder ist, wenn sich die Anschuldigungen bewahrheiten, eine jüdische Jugendgruppe im Sommerurlaub in Frankreich Opfer von Antisemitismus geworden. Am 21. August hat ein Freizeitpark in Porté-Puymorens in den Pyrenäen einer Gruppe israelischer Kinder und Jugendlicher im Alter von acht bis sechzehn Jahren den Zutritt verweigert, obwohl eine Reservierung vorlag.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender France Info berichtete: »Mitten in dieser Region sollten 150 junge Israelis ein paar Stunden verbringen, Spaß haben und die rund ein Dutzend Seilrutschen des Parks genießen. Der lange geplante Ausflug wurde schließlich vom Parkleiter abgesagt, der der Gruppe am geplanten Besuchstag den Zutritt verweigerte.«

Der Parkleiter soll den israelischen Besuchern mitgeteilt haben, ihnen den Zutritt aus »persönlichen Gründen« zu verweigern. Er wurde von der Gendarmerie wegen »Diskriminierung aufgrund der Religion im Zusammenhang mit dem Angebot oder Erwerb von Waren oder Dienstleistungen« in Gewahrsam genommen und einen Tag später am Samstag auf freien Fuß gesetzt. Ihm droht eine Höchststrafe von drei Jahren Gefängnis.

So sagte er etwa, der Park sei wegen eine »Unwetters am Vortag« geschlossen geblieben, das es erfordert habe, alle Anlagen zu überprüfen. Möglich ist, dass der Park tatsächlich wegen des Unwetters geschlossen war – der Leiter aber entschied, der Gruppe gegenüber »persönliche Gründe« geltend zu machen, um sie absichtlich zu brüskieren.

Laut Corine Serfati-Chetrit von der jüdischen Dachorganisation CRIF in der Stadt Perpignan und dem Jüdischen Observatorium Frankreichs in Okzitanien zeigt dies, dass »wir in Frankreich einen Tsunami des Antisemitismus erleben. Dies ist ohne jeden Zweifel ein weiterer Beweis dafür, dass es mittlerweile gefährlich ist, sich als Jude oder Israeli auf französischem Boden aufzuhalten.«

Wie der französische Nachrichtensender C-News berichtete, ist der Leiter des Freizeitparks bislang nicht auffällig geworden. Gegen ihn liegen weder Vorstrafen vor noch war er bislang selbst Ziel von Verleumdung. Die Gruppe änderte ihre Urlaubspläne und reiste zu einem anderen Ort in Frankreich, dessen Sicherheit von der Gendarmerie gewährleistet wird.

Der Fall erinnert an den Vorfall vom Juli, als eine Gruppe junger französischer Juden in Spanien vor dem Abflug ein Flugzeug der Linie Vueling verlassen musste – offenbar, weil die Jugendlichen hebräische Lieder gesungen hatten.

Hilflose Beteuerungen

Der französische Innenminister Bruno Retailleau teilte in den sozialen Medien dazu mit:

»Wer hätte sich noch vor wenigen Jahren vorstellen können, dass jungen Menschen in Frankreich der Zutritt zu einem Freizeitpark aufgrund ihrer Religion verwehrt werden könnte? Sollten sich die Fakten bestätigen, wäre dies ein weiterer Beweis dafür, dass Antisemitismus von manchen heute schamlos hingenommen wird.

Diejenigen, die diesen Hass durch Schweigen, Zweideutigkeiten oder Rechtfertigungen schüren, tragen eine schwere Verantwortung. Wir werden den Antisemitismus, der Frankreich täglich schadet, mit größter Entschlossenheit bekämpfen. Der Kampf gegen Antisemitismus muss wieder zu einer nationalen Priorität werden. Nichts – absolut nichts –, das den Hass auf Juden schürt, darf toleriert werden. Antisemitismus ist keine Meinung: Er ist eine direkte Bedrohung für die Republik und für Frankreich.«

Einen Tag nach dem Vorfall im Freizeitpark wurde in Lyon ein jüdischer Vierzehnjähriger auf dem Heimweg von der Synagoge angegriffen. Sein Vater sagte der Lokalzeitung Le Progrès: »Er hatte große Angst; der Typ hatte einen Metallgegenstand in der Hand. … Ein Mann in den Zwanzigern stand hinter einem Busch, sah meinen Sohn allein gehen, sprach ihn an und fragte ihn, ob er rauche. Samuel verneinte und ging schnell weg, da er spürte, dass der Mann nicht ganz klar war.»

Der Mann habe ihn mit antisemitischen Bemerkungen beleidigt und ihn geohrfeigt. »Samuel rannte weg, wurde aber am Arm gepackt. Der Mann trat ihn gegen die Hüfte. Er erlitt einen mehr als acht Zentimeter langen Bluterguss. Mein Sohn konnte entkommen, nachdem er ihm einen Kniestoß verpasst hatte.»

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