Schauplatz

Welche "Tradition"?

Sehr geehrte Kurier-Redaktion, Dominik Sinnreich spricht im heutigen Kurier im Zusammenhang mit der Tschetschenienreise von FPÖ-Funktionären zu Recht über den seltsamen „Hang zu Despoten“, der die Freiheitlichen seit den Tagen Jörg Haiders prägt, eine Tradition, zu der Besuche bei Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi gehören. Doch dann schreibt Sinnreich: „FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat die Tradition aufgegriffen: Er war Ende 2010 in Israel“. Was…

Wochenbericht, 6.2. bis 12.2.2012

Die Nahostberichterstattung österreichischer Tageszeitungen stand in den letzten sieben Tagen eindeutig unter dem Eindruck des andauernden Blutvergießens in Syrien. Während die Zahl der insgesamt veröffentlichten Artikel über die Region mit 212 auf einem vergleichsweise hohen Niveau blieb, beschäftigten sich über vierzig Prozent der Beiträge mit den aktuellen Horrormeldungen aus Damaskus und anderen Städten des Landes sowie mit den hilflos wirkenden…

MAHMUD GRATULIERT ABBAS

Wie der Standard berichtet, mehren sich insbesondere in den Reihen der Hamas im Gazastreifen die Proteste gegen das „Versöhnungsabkommen“ zwischen den tief verfeindeten Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas.  Der Vereinbarung zufolge soll Mahmud Abbas den vom Westen unterstützten, von den Islamisten aber vehement abgelehnten Salam Fayyad als Premierminister einer Einheitsregierung ablösen.  Das widerspricht allerdings dem palästinensischen Grundgesetz: Der Präsident der Autonomiebehörde darf nicht gleichzeitig Premierminister…

Falsche Ausgewogenheit

In der Kleinen Zeitung berichtet Gil Yaron unter der dramatischen Überschrift „Bombardiert Israel im Juni den Iran?“ über die neuesten Entwicklungen im Streit um das iranische Atomwaffenprogramm. (Kleine Zeitung, 4. Feb. 2012) „Die Spannungen zwischen Jerusalem und Teheran“, so lässt er uns wissen, „erreichen einen neuen Höhepunkt“. Denn diese Woche sei „auf beiden Seiten ein Damm der Zurückhaltung gebrochen“. Ignoriert man den…

Wer schiebt wohin?

Im Standard widmete sich Gudrun Harrer gestern dem Neuorientierungsprozess, den die palästinensische Hamas in diesen Wochen vollzieht: Die Umbrüche in der arabischen Welt haben eine Stärkung des sunnitisch-islamistischen Spektrums zur Folge. Damit ist für die Hamas der Zeitpunkt gekommen, sich aus der engen Verbindung mit dem Iran, mit Syrien und der libanesischen Hisbollah zu lösen. So zutreffend Harrers Beschreibung der…

Wochenbericht, 23.1. bis 29.1.2012

Unser letzter Wochenbericht begann mit der Feststellung, dass die Nahostberichterstattung österreichischer Zeitungen in den letzten Wochen einer Hochschaubahnfahrt glich: Auf einen massiven Anstieg der Zahl der veröffentlichten Beiträge in einer Woche folgte sogleich ein ebenso großer Rückgang in der nächsten. Wie zum Beweis dessen erlebten wir in dieser Woche wieder den Ausschlag in die Gegenrichtung: Nach zuletzt 150 Beiträgen über…

EIN GLÄNZENDES VORBILD

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ veröffentlicht alljährlich einen „Index der Pressefreiheit“. Der aktuelle Report beinhaltet einige erwartbare Resultate – kaum jemand wird darüber erstaunt sein, im Länderranking Staaten wie Syrien, den Iran, Nordkorea oder China auf den letzten Plätzen zu finden. Platz 148 von 179 wird übrigens von der Türkei belegt, die es damit geschafft hat, in Bezug auf die Pressefreiheit selbst…

Diplomatie und Sanktionen

Im Standard plädiert Anne-Marie Slaughter dafür, im Konflikt um das iranische Atomprogramm ein „Ausstiegsszenario“ zu suchen, „das alle das Gesicht wahren lässt.“ Verschärfte Sanktionen gegen den Iran hätten nicht die erwünschte Wirkung gehabt, daher sei es jetzt an der Zeit, dass „sich kühlere Köpfe mit einer Strategie durchsetzen, die Iran hilft, einen Schritt zurück zu tun.“ Noch sei es nicht…

Immer gelassen bleiben

Analysiert man die profil-Berichterstattung über die Umwälzungen in der arabischen Welt, lassen sich mehrere Phasen identifizieren. In Phase 1 herrschte Euphorie über die Proteste und im Einklang mit einem großen Teil der übrigen Medienwelt wurden all jene, die vor einem Siegeszug der Islamisten warnten, als Panikmacher und ewig-gestrige Kulturkämpfer denunziert. Als dann, angefangen mit Tunesien, islamistische Parteien als Sieger aus den…

Wochenbericht, 16.1. bis 22.1.2012

Die Berichterstattung österreichischer Zeitungen über den Nahen Osten gleicht in den letzten Wochen einer Hochschaubahnfahrt. Sah die Vorwoche ein Anwachsen der Zahl der relevanten publizierten Beiträge um knapp 30 Prozent, so war diese Woche mit einem Rückgang der Gesamtzahl um über 37 Prozent (von 239 auf 150) das genaue Gegenteil zu beobachten. Auch wenn die Zahl der über den Nahen…

Letztklassige Karikatur

Sehr geehrte Redaktion der Kleinen Zeitung, betrachtet man die Zeichnungen Ihres Karikaturisten Petar Pismestrovic über das iranische Atomwaffenprogramm, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Am 4. Dezember 2011 zeigte sein Cartoon den iranischen Präsidenten Ahmadinejad als Krampus, der mit seiner Rute zwei Figuren vor sich her treibt. Die eine sollte offenbar einen Amerikaner darstellen und sah nach der…

Über Selbstverständliches

Im ORF-Kulturmontag leitete Martin Traxl einen Beitrag über den palästinensischen Intellektuellen Sari Nusseibeh mit den Worten ein: „Er hat sich stets gegen Selbstmordattentate ausgesprochen“. Es nicht gutzuheißen, wenn Terroristen in einer Warteschlange vor einer Diskothek oder in einer Pizzeria ein Blutbad anrichten, sollte im Grunde nicht als hervorragende Leistung gelten, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Das Problem besteht darin, dass dies in…

Das israelische "Regime"

Sehr geehrte Redaktion der Kleinen Zeitung, würden Sie im Zusammenhang mit den Grünen in Österreich von einer „regimekritischen Partei“ sprechen? Vermutlich nicht, denn dem Duden-Fremdwörterbuch zufolge ist ein „Regimekritiker“ jemand, „der an dem [totalitären] Regime seines Landes aktiv Kritik übt.“ In einem demokratischen Land wie Österreich können Parteien, Medien oder NGOs somit als oppositionell bezeichnet werden, schwerlich aber als „regimekritisch“. Wieso…

Wochenbericht, 9.1. bis 15.1.2012

Im Vergleich zur Vorwoche ist die auffälligste Entwicklung der Nahostberichterstattung der von MENA regelmäßig ausgewerteten österreichischen Tageszeitungen der sprunghafte Anstieg der Gesamtzahl der veröffentlichten Beiträge von 183 auf 239 – eine Steigerung von knapp über dreißig Prozent. Wenig verändert hat sich dagegen im Hinblick auf die Länder, die die Berichterstattung dominierten. Für den insgesamt doch massiven Anstieg der Gesamtzahl der…

ENTBEHRLICH BIS ZUM SCHLUSS

Wie die Presse heute berichtet, hat Mohammed ElBaradei seine Kandidatur für die ägyptischen Präsidentschaftswahlen zurückgezogen. Er „zeigte sich enttäuscht über die Entwicklung seines Landes“, der Militärrat verhalte sich, „als ob es keine Revolution gegebene hätte“, und er selbst wolle „nicht als Präsidentschaftskandidat in einem nicht wirklich demokratischen System auftreten.“ Noch bei seinem Rückzug wollte ElBaradei also die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, sich…