Schauplatz

Falsche Ausgewogenheit

In der Kleinen Zeitung berichtet Gil Yaron unter der dramatischen Überschrift „Bombardiert Israel im Juni den Iran?“ über die neuesten Entwicklungen im Streit um das iranische Atomwaffenprogramm. (Kleine Zeitung, 4. Feb. 2012) „Die Spannungen zwischen Jerusalem und Teheran“, so lässt er uns wissen, „erreichen einen neuen Höhepunkt“. Denn diese Woche sei „auf beiden Seiten ein Damm der Zurückhaltung gebrochen“. Ignoriert man den…

Wer schiebt wohin?

Im Standard widmete sich Gudrun Harrer gestern dem Neuorientierungsprozess, den die palästinensische Hamas in diesen Wochen vollzieht: Die Umbrüche in der arabischen Welt haben eine Stärkung des sunnitisch-islamistischen Spektrums zur Folge. Damit ist für die Hamas der Zeitpunkt gekommen, sich aus der engen Verbindung mit dem Iran, mit Syrien und der libanesischen Hisbollah zu lösen. So zutreffend Harrers Beschreibung der…

Wochenbericht, 23.1. bis 29.1.2012

Unser letzter Wochenbericht begann mit der Feststellung, dass die Nahostberichterstattung österreichischer Zeitungen in den letzten Wochen einer Hochschaubahnfahrt glich: Auf einen massiven Anstieg der Zahl der veröffentlichten Beiträge in einer Woche folgte sogleich ein ebenso großer Rückgang in der nächsten. Wie zum Beweis dessen erlebten wir in dieser Woche wieder den Ausschlag in die Gegenrichtung: Nach zuletzt 150 Beiträgen über…

EIN GLÄNZENDES VORBILD

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ veröffentlicht alljährlich einen „Index der Pressefreiheit“. Der aktuelle Report beinhaltet einige erwartbare Resultate – kaum jemand wird darüber erstaunt sein, im Länderranking Staaten wie Syrien, den Iran, Nordkorea oder China auf den letzten Plätzen zu finden. Platz 148 von 179 wird übrigens von der Türkei belegt, die es damit geschafft hat, in Bezug auf die Pressefreiheit selbst…

Immer gelassen bleiben

Analysiert man die profil-Berichterstattung über die Umwälzungen in der arabischen Welt, lassen sich mehrere Phasen identifizieren. In Phase 1 herrschte Euphorie über die Proteste und im Einklang mit einem großen Teil der übrigen Medienwelt wurden all jene, die vor einem Siegeszug der Islamisten warnten, als Panikmacher und ewig-gestrige Kulturkämpfer denunziert. Als dann, angefangen mit Tunesien, islamistische Parteien als Sieger aus den…

Diplomatie und Sanktionen

Im Standard plädiert Anne-Marie Slaughter dafür, im Konflikt um das iranische Atomprogramm ein „Ausstiegsszenario“ zu suchen, „das alle das Gesicht wahren lässt.“ Verschärfte Sanktionen gegen den Iran hätten nicht die erwünschte Wirkung gehabt, daher sei es jetzt an der Zeit, dass „sich kühlere Köpfe mit einer Strategie durchsetzen, die Iran hilft, einen Schritt zurück zu tun.“ Noch sei es nicht…

Wochenbericht, 16.1. bis 22.1.2012

Die Berichterstattung österreichischer Zeitungen über den Nahen Osten gleicht in den letzten Wochen einer Hochschaubahnfahrt. Sah die Vorwoche ein Anwachsen der Zahl der relevanten publizierten Beiträge um knapp 30 Prozent, so war diese Woche mit einem Rückgang der Gesamtzahl um über 37 Prozent (von 239 auf 150) das genaue Gegenteil zu beobachten. Auch wenn die Zahl der über den Nahen…

Letztklassige Karikatur

Sehr geehrte Redaktion der Kleinen Zeitung, betrachtet man die Zeichnungen Ihres Karikaturisten Petar Pismestrovic über das iranische Atomwaffenprogramm, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Am 4. Dezember 2011 zeigte sein Cartoon den iranischen Präsidenten Ahmadinejad als Krampus, der mit seiner Rute zwei Figuren vor sich her treibt. Die eine sollte offenbar einen Amerikaner darstellen und sah nach der…

Über Selbstverständliches

Im ORF-Kulturmontag leitete Martin Traxl einen Beitrag über den palästinensischen Intellektuellen Sari Nusseibeh mit den Worten ein: „Er hat sich stets gegen Selbstmordattentate ausgesprochen“. Es nicht gutzuheißen, wenn Terroristen in einer Warteschlange vor einer Diskothek oder in einer Pizzeria ein Blutbad anrichten, sollte im Grunde nicht als hervorragende Leistung gelten, sondern eine Selbstverständlichkeit sein. Das Problem besteht darin, dass dies in…

Das israelische "Regime"

Sehr geehrte Redaktion der Kleinen Zeitung, würden Sie im Zusammenhang mit den Grünen in Österreich von einer „regimekritischen Partei“ sprechen? Vermutlich nicht, denn dem Duden-Fremdwörterbuch zufolge ist ein „Regimekritiker“ jemand, „der an dem [totalitären] Regime seines Landes aktiv Kritik übt.“ In einem demokratischen Land wie Österreich können Parteien, Medien oder NGOs somit als oppositionell bezeichnet werden, schwerlich aber als „regimekritisch“. Wieso…

Wochenbericht, 9.1. bis 15.1.2012

Im Vergleich zur Vorwoche ist die auffälligste Entwicklung der Nahostberichterstattung der von MENA regelmäßig ausgewerteten österreichischen Tageszeitungen der sprunghafte Anstieg der Gesamtzahl der veröffentlichten Beiträge von 183 auf 239 – eine Steigerung von knapp über dreißig Prozent. Wenig verändert hat sich dagegen im Hinblick auf die Länder, die die Berichterstattung dominierten. Für den insgesamt doch massiven Anstieg der Gesamtzahl der…

ENTBEHRLICH BIS ZUM SCHLUSS

Wie die Presse heute berichtet, hat Mohammed ElBaradei seine Kandidatur für die ägyptischen Präsidentschaftswahlen zurückgezogen. Er „zeigte sich enttäuscht über die Entwicklung seines Landes“, der Militärrat verhalte sich, „als ob es keine Revolution gegebene hätte“, und er selbst wolle „nicht als Präsidentschaftskandidat in einem nicht wirklich demokratischen System auftreten.“ Noch bei seinem Rückzug wollte ElBaradei also die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, sich…

Der allmächtige Mossad

Seit in Teheran erneut ein am iranischen Atomprogramm beteiligter Wissenschaftler bei der Explosion einer an seinem Auto angebrachten Bombe ums Leben kam, laufen die Spekulationen über die möglichen Hintergründe und Verantwortlichen der Attentate auf Hochtouren. Nicht nur iranische Offizielle geben sich überzeugt, dass es nur den einen üblichen Verdächtigen gibt: den israelischen Auslandsgeheimdienst. Dass Vertreter des antisemitischen Regimes in Teheran,…

Ein paar einfache Regeln

Wenn Tessa Szyszkowitz im profil über den israelisch-palästinensischen Konflikt schreibt, folgt sie einigen wenigen, im Grunde einfachen Regeln, die, zusammen genommen, ein höchst tendenziöses Bild der Lage zeichnen. Berichtet Szyszkowitz aus den palästinensischen Gebieten, geht es darum, klarzumachen, dass die Schuld am Fortdauern des Konflikts bei den Israelis im Allgemeinen und israelischen Siedlern im Besonderen liegt. Über die Palästinenser fällt kaum ein…

Wochenbericht, 2.1. bis 8.1.2012

Im Unterschied zu den letzten Wochen, in denen vielfach ein einzelnes Land oder Ereignis die Berichterstattung österreichischer Zeitungen über den Nahen Osten dominierte, bot diese Woche ein anderes Bild. In den Ländern, über die am meisten berichtet wurde, waren es immer mehrere unterschiedliche Themen, die das mediale Interesse erweckten. Das gilt insbesondere für den Iran, dem dieses Mal eindeutig am…