Schauplatz

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

„Wir haben große Sorgen, dass im Zuge des arabischen Frühlings islamistische Extremisten die Oberhand gewinnen“, sagte Außenminister Michael Spindelegger zur Kleinen Zeitung. (11. März. 2012) „Jede Verletzung der Religionsfreiheit müsse ‚im Keim erstickt werden‘. Das seien die Europäer als Wertegemeinschaft sich und den Christen des Nahen Ostens gleichsam schuldig.“ Ist das der gleiche Mann, der erst letzten Herbst stolz die…

Shakehands mit dem Diktator

Von Florian MarklIm Standard schreibt Ljubisa Tosic über ein Interview der ZiB 24 mit Justizministerin Karl, die in letzter Zeit massiv unter Kritik stand, und fragt: „Was etwa müsste Außenminister Spindelegger unternehmen, um ähnliche Reaktionen auszulösen? Er müsste jetzt an Syriens Assad eine Einladung zum Ehrenstaatsbesuch in Österreich aussprechen.“ (Standard, 10. März 2012) Es wäre zu hoffen, dass eine Einladung Assads auf…

Kein Alleingang

Sehr geehrte Standard-Redaktion, Frank Hermann schreibt in seinem Artikel „Obama hält sich Optionen für Syrien offen“ im heutigen Standard: „Am schwersten aber wiegen die Lektionen des Feldzuges im Irak. Aus dem Alleingang George W. Bushs hat dessen Nachfolger eine eindeutige Schlussfolgerung gezogen: Nicht mehr auf eigene Faust zu handeln.“ Dass es sich beim Irak-Krieg um einen „Alleingang“ der USA gehandelt…

Wochenbericht, 27.2. bis 4.3.2012

Standen in den letzten Wochen Syrien und der Iran im Zentrum der Nahostberichterstattung österreichischer Zeitungen, so war in dieser Woche die Türkei das Land, das am öftesten Erwähnung fand. Erstaunlich ist das insofern, als eigentlich über aktuelle Entwicklungen im Lande selbst nur wenig berichtet wurde. Die häufigen Nennungen der Türkei standen vielmehr im Kontext der österreichischen Integrationsdebatte, die durch die…

Wer spricht eher für den Iran?

Im aktuellen profil versucht Georg Hoffmann-Ostenhof zu erklären, warum „die Angst vor der iranischen Bombe übertrieben ist“ (profil 9/2012), und bemüht dabei u. a. folgendes „Argument“: „(H)istorisch gesehen sind die Iraner keine Angreifernation“. Dagegen erklärte der oberste geistliche Führer des iranischen Regimes unlängst wieder einmal, Israel sei ein „Tumor, der entfernt werden müsse“. Der Iran, so Ali Khamenei weiter, führe…

AUS DEM KAFFEESUD

Sehr geehrte Redaktion der Kleinen Zeitung, könnte Gil Yaron, der heute über das Verfassungsreferendum in Syrien berichtete und dabei davon sprach, dass „große Teile der Bevölkerung immer noch daran glauben, dass einzig Assad ihr Land vor Chaos und Untergang retten kann“, den Lesern vielleicht erläutern, woher er die Information hat, dass angeblich große Teile der Bevölkerung noch immer ausgerechnet den Mann…

Die Überschriften des ORF

Im Folgenden ein Mailwechsel mit dem Kundendienst des ORF: Gesendet: Sonntag, 26. Februar 2012, 11:00 An: Kundendienst ORF Betreff: Falsche Überschrift Sie schreiben in news.orf.at: „Israels Luftwaffe greift Gazastreifen an“. Korrekt wäre gewesen: „Palästinensische Terroristen feuern Raketen auf Israel“. MfG, Ronaldo Böhmer   Gesendet: Montag, 27. Februar 2012, 09:26 Betreff: AW: Falsche Überschrift Sehr geehrter Herr Böhmer, offenbar sehen Sie…

Wochenbericht, 20.2. bis 26.2.2012

Die Nahostberichterstattung österreichischer Tageszeitungen wurde in den letzten sieben Tagen von zwei Konfliktherden beherrscht: dem Iran und Syrien. Mehr als die Hälfte aller Artikel hatte somit den sich immer weiter zuspitzenden Streit um das iranische Atomprogramm und die andauernden Gewalttaten der Diktatur Bashar al-Assads zum Thema. Insgesamt erschienen in dieser Woche 242 Beiträge, die sich auf die Region des Nahen…

Lange vor Schönau

Sehr geehrter Herr Rauscher, in Ihren Artikel „Wie Bruno Kreisky die PLO salonfähig machte“ im heutigen Standard haben sich leider einige Fehler eingeschlichen. Sie schreiben, Österreich habe „die erste Bekanntschaft mit dem PLO-Terrorismus“ bei der Geiselnahme in Marchegg im September 1973 gemacht. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht nicht zutreffend. Beginnend mit einem Bombenanschlag auf einen Flug der Austrian Airlines…

Das friedliche Atomwaffenprogramm

Kein Tag vergeht, an dem nicht über mögliche militärische Angriffe auf iranische Atomanlagen spekuliert wird. Der Iran selbst beharrt nach wie vor darauf, dass sein Nuklearprogramm ausschließlich zivilen und friedlichen Zwecken diene. Mit Ausnahme weniger, besonders einfältiger Beobachter – wie John Bunzl, der letzte Woche allen Ernstes behauptete, „weder Absicht noch Realität eines iranischen militärischen Nuklearprogramms“ seien erwiesen (Presse, 15.…

Wochenbericht, 13.2. bis 19.2.2012

Wie bereits in der letzten Woche war auch dieses Mal Syrien das dominierende Thema der Nahostberichterstattung österreichischer Tageszeitungen. Von den insgesamt 195 erschienenen relevanten Beiträgen (nach zuletzt 212) beschäftigen sich rund 37 Prozent mit dem nicht enden wollenden Blutvergießen in der Diktatur Bashar al-Assads. Im Hinblick auf die einzelnen Tageszeitungen ergab sich in dieser Woche folgende Verteilung: Dieses Verteilungsmuster ist…

War da was?

Als im Jänner ein iranischer Atomwissenschaftler in Teheran durch die Explosion einer an seinem Wagen angebrachten Sprengladung ums Leben kam, berichteten österreichische Zeitungen ausführlich über diesen Anschlag. Seit Anfang dieser Woche werden wir nun Augenzeugen einer regelrechten Terrorserie gegen israelische Ziele. Der Unterschied in der Berichterstattung ist beachtlich. Am Montag wurde bei einem Anschlag im indischen Neu Delhi eine Mitarbeiterin…

Positive Reaktion

In einer Zuschrift an den Kurier kritisierte MENA vorgestern, dass Dominik Sinnreich in seinem Kommentar eine Israelreise von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in eine Reihe mit Reisen von FPÖ-Funktionären zu Diktatoren wie Saddam Hussein, Muammar al-Gaddafi oder Ramsan Kadyrow stellte. Sinnreich reagierte auf diese Kritik sehr rasch und gab MENA recht, dass die relevante Passage missverständlich formuliert war; heute wies er in…

Welche "Tradition"?

Sehr geehrte Kurier-Redaktion, Dominik Sinnreich spricht im heutigen Kurier im Zusammenhang mit der Tschetschenienreise von FPÖ-Funktionären zu Recht über den seltsamen „Hang zu Despoten“, der die Freiheitlichen seit den Tagen Jörg Haiders prägt, eine Tradition, zu der Besuche bei Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi gehören. Doch dann schreibt Sinnreich: „FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat die Tradition aufgegriffen: Er war Ende 2010 in Israel“. Was…