An einer Werbekampagne mit offensichtlich antiisraelischen Darstellungen des Berliner Maxim-Gorki-Theaters entzündet sich Kritik.
Im Rahmen einer aktuellen Werbekampagne des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, kurz Gorki, sorgte ein Porträtfoto aus dem Ensemble für Kritik. Das Konzept evoziert eine visuelle Codesprache, die typischerweise in politischen Protestkontexten verwendet wird: Zu sehen ist ein Schauspieler, der eine Gebetskette in den Farben Palästinas und eine Kuffiya in den Händen hält. Auf seinem T-Shirt ist die Umrissform eines Staates zu sehen, die als eine Einstaatenlösung ohne Israel interpretiert werden kann.
Diese Symbolik wird von dem Bündnis Artists Against Antisemitism, das sich gegen judenfeindliche und antiisraelische Haltungen wendet, kritisch bewertet. Die Initiative sieht darin eine Darstellung, die den jüdischen Staat zumindest indirekt infrage stellt.
Die Bilder waren zunächst zu Beginn der Spielzeit 2025/26 als Slideshow auf der Homepage des Theaters zu sehen, später nur noch auf Instagram. Dort wurde das fragliche Motiv nach kurzer Zeit wieder entfernt.




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BDS-Symbolik?
Da die Kampagne aufwendig inszeniert wurde und weitere Motive mit ähnlicher Bildsprache zu finden sind, beispielsweise eine Schauspielerin mit zugeklebtem Mund und Kuffiya vor Kulissen im Gazastreifen oder eine rot bemalte Handfläche, die zum Symbol der Palästina-Solidarität geworden ist, vermuten Beobachter, dass hier keine zufälligen Bildentscheidungen vorliegen.
Die visuelle Ikonografie greift politisch hoch aufgeladene Symbole auf, die in dieser Inszenierung für manche Betrachter antisemitische Untertöne tragen und zur Normalisierung einer solchen Lesart beitragen können.
Auf dem Foto mit den rot bemalten Händen sind im Hintergrund zudem Menschen zu sehen, die mit dem Rücken zur Kamera stehen. Ihre Darstellung erinnert stark an die Comicfigur Handala, die seit den 1970er Jahren als Symbol der palästinensischen Identität und des »Widerstands« gilt.
Auch die farbliche Gestaltung in rötlichen Tönen und das Versammlungsmotiv passen zur Symbolik von politischem Widerstand und kollektiver Erinnerung, wie sie in Handala-Comics oft thematisiert wird. Handala, ein zehnjähriger Junge in zerschlissener Kleidung und barfuß, ist stets nur von hinten zu sehen, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Geschaffen von dem politischen Karikaturisten Naji al-Ali, verkörpert er die als ohnmächtig dargestellten Palästinenser. Die Figur ist heute auch ein Erkennungszeichen der Israelboykott-Kampagne BDS.
Gerade das Maxim-Gorki-Theater, das sich als wichtige Bühne für postmigrantisches Theater und als Forum für Dialog über Herkunft, Identität und gesellschaftliche Konflikte positioniert hat, steht deshalb vor der Herausforderung, eine Bildsprache zu wählen, die diesen Anspruch transparent erfüllt. Kritiker meinen, dass das Theater stattdessen eine visuelle Rhetorik wählt, die von manchen als symbolische Auslöschung Israels interpretiert wird. Dies verhinderte eine dialogische Öffnung und stelle somit eine verpasste Chance dar, postmigrantische Kunst mit einer Sprache der Anerkennung und des Dialogs zu verbinden.

Bitte um Stellungnahme
In einem Mail an die Pressestelle fordern die »Artists Against Antisemitism« eine offizielle Stellungnahme des Theaters:
»Mit Entsetzen haben wir vor Kurzem zur Kenntnis genommen, dass ein Ensemblemitglied Ihres Hauses auf dem offiziellen Werbefoto für die neue Spielzeit ein T-Shirt trug, auf dem die Umrisse von Israel/Palästina zu sehen sind – allerdings ohne Israel. Nach kritischen Kommentaren unter dem entsprechenden Instagram-Post wurde von Ihnen die Kommentarfunktion dort zunächst gesperrt, später das Foto stillschweigend vom Account gelöscht.
Wir fordern das Gorki-Theater auf, sich öffentlich für diesen eklatanten Fehlgriff, der nichts weniger als eine symbolische Auslöschung Israels darstellt, zu entschuldigen. Wir bitten außerdem um Auskunft darüber, wer dafür verantwortlich war, dass dieses Foto so aufgenommen und dann veröffentlicht wurde.«
Unklar bleibt, ob die Bildsprache das Ergebnis individueller künstlerischer Entscheidungen war oder ob sie in engem Austausch mit der Theaterleitung entstanden ist. Eine offizielle Stellungnahme des Theaters steht bislang aus.
