Iranische Fußballerinnen erhalten Asyl in Australien

Demonstranten in Australien versuchen, den Bus mit der iranischen Frauenfußball-Mannschaft aufzuhalten

Ein Teil der iranischen Frauenfußball-Nationalmannschaft, die derzeit noch aus Anlass des Asia-Cups in Australien ist (aber nach drei Niederlagen in der Gruppenphase ausgeschieden ist), kann offenbar in Australien Asyl erhalten, da dem Team bei seiner Rückkehr in den Iran Gefahr droht.

Der Hintergrund: Weil die Spielerinnen am 2. März vor dem Spiel gegen Südkorea die Nationalhymne der Islamischen Republik nicht mitgesungen hatten – was von Beobachtern als Geste des Protests gegen das Regime gewertet wird –, hatte der iranische Staatsfernsehmoderator Mohammad Reza Shahbazi sie als »Verräterinnen« bezeichnet und Konsequenzen gefordert. Bereits 2022 hatte die Herrenmannschaft vor ihrem ersten Spiel bei der Weltmeisterschaft in Katar die Hymne ebenfalls nicht gesungen. Im zweiten und dritten Spiel gegen Australien und die Philippinen sang die Damenmannschaft dann mit und zeigte den militärischen Gruß.

»Ich möchte nur eines klarstellen: Verräter in Kriegszeiten müssen härter bestraft werden«, sagte Moderator Mohammad Reza Shahbazi im staatlichen Fernsehen, wie aus einem von dem Sportmagazin The Athletic verifizierten Video hervorgeht. »Jeder, der unter Kriegsbedingungen gegen das Land handelt, muss härter bestraft werden. Wie zum Beispiel in diesem Fall, als unsere Frauenfußballmannschaft die Nationalhymne nicht sang und dann dieses Foto veröffentlicht wurde und so weiter, worauf ich jetzt nicht näher eingehen möchte. Gegen diese Leute muss härter vorgegangen werden.«

Die New York Times berichtete, dass die Sorge um die Sicherheit des Teams am Wochenende zu Gesprächen bei der australischen Regierung geführt habe, an denen sich sowohl die FIFA als auch der australische Fußballverband AFC beteiligt hätten.

Bei der Niederschlagung der Demonstrationen Anfang Januar wurden mehr als 30.000 Menschen getötet. Unter den Opfern war auch die 27-jährige Fußballerin Zahra Azadpour, die ebenfalls Teil der Frauen-Nationalmannschaft war.

»Gewähren Sie Asyl!«

Der Fall hatte am Montag weltweit Beachtung gefunden, weil US-Präsident Donald Trump Australien dazu aufgefordert hatte, den iranischen Fußballerinnen Asyl zu gewähren. Über seine Online-Plattform Truth Social und die Pressestelle des Weißen Hauses verbreitete Trump: »Australien begeht einen schweren humanitären Fehler, indem es zulässt, dass die iranische Frauen-Nationalmannschaft in den Iran zurückgeschickt wird, wo sie höchstwahrscheinlich getötet werden. Herr Premierminister, tun Sie es nicht! Gewähren Sie Asyl! Die USA werden sie aufnehmen, wenn Sie es nicht tun …«

Später verkündete Trump, er habe mit dem australischen Premierminister Anthony Albanese gesprochen, der eine Aufnahme der Spielerinnen zugesagt habe – mit Ausnahme derer, die aus Sorge vor Rache an ihren Familienangehörigen in den Iran zurückkehren wollten. Auch Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten iranischen Schahs, äußerte sich. Er erklärte, die Spielerinnen stünden wegen ihres Protestes unter starkem Druck und erhielten Drohungen von der Regierung. Sollte das Team in den Iran zurückkehren, könnten ihnen ernsthafte Strafen drohen. Pahlavi appellierte daher ebenfalls an Australien, den Sportlerinnen Schutz zu gewähren.

Die Spielergewerkschaft FIFPRO, genauer ihre regionale Vertretung für Asien und Ozeanien, hatte den asiatischen Fußballverband Asian Football Confederation sowie den Weltverband FIFA aufgefordert, dringend mit dem iranischen Verband und der australischen Regierung zu sprechen, um die Sicherheit der Spielerinnen zu gewährleisten.

Australische Medien berichteten, Innenminister Tony Burke sei in den Bundesstaat Queensland – wo die Spielerinnen sich aufhalten – gereist, um sich der Krise anzunehmen, nachdem mehrere Frauen um Schutz gebeten hatten. Am Dienstagmorgen (Montagabend MEZ) bestätigte er, dass fünf Spielerinnen humanitäre Visa erhalten hätten. Unter den fünf Frauen soll sich auch die Mannschaftskapitänin befinden. Der Rest des Teams werde voraussichtlich noch am Dienstag ausreisen, hieß es.

Berichten zufolge wurden die Spielerinnen zunächst in einem von der australischen Bundespolizei betriebenen Schutzhaus betreut. Quellen berichten, dass die Operation nach dem letzten Spiel des Irans beim Asien-Cup der Frauen gegen die Philippinen (Sonntag mitteleuropäischer Zeit) stattfand. Die Polizei half den fünf Frauen am frühen Montagabend Ortszeit, das Hotel zu verlassen. Das Team soll dann Anfang der Woche von Vertretern der australischen Regierung über seine Möglichkeiten informiert worden sein. Das Fehlen der fünf Spielerinnen wurde beim geplanten gemeinsamen Abendessen am Montag bemerkt.

Ob die australische Regierung, wie von ihm suggeriert, auf Drängen von Präsident Trump handelte, war am Montagabend unklar. Manche Berichte stützen diese Darstellung, sprechen von einem Anruf Trumps »um zwei Uhr morgens«, der entscheidend gewesen sein soll. Kritiker Trumps in den sozialen Medien warfen dem Präsidenten Heuchelei vor, da er selbst Verfolgte in den Iran habe abschieben lassen, darunter auch christliche Konvertiten und Angehörige religiöser Minderheiten, denen im Iran Gefahr für Leib und Leben droht.

Sportler, die aus Diktaturen flohen

Es gibt etliche bekannte Fälle, in denen Athleten internationale Wettkämpfe genutzt haben, um aus autoritären oder diktatorischen Staaten zu fliehen. Der DDR-Fußballer Lutz Eigendorf gilt als einer der bekanntesten Sportler, die während des Kalten Krieges aus der DDR in den Westen flohen. Eigendorf spielte für den ostdeutschen Spitzenklub BFC Dynamo, der eng mit dem DDR-Staatssicherheitsapparat verbunden war. Im März 1979 nutzte er eine Auslandsreise seiner Mannschaft nach Westdeutschland, um sich abzusetzen und in der Bundesrepublik zu bleiben. Anschließend setzte er seine Karriere unter anderem beim Bundesligaverein 1. FC Kaiserslautern fort. 1983 starb Eigendorf bei einem Autounfall unter bis heute zum Teil ungeklärten Umständen; später tauchten Hinweise auf, dass das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) ihn zuvor überwacht hatte.

Der sowjetische Schachgroßmeister Viktor Kortschnoi setzte sich 1976 während eines Turniers in Amsterdam in den Westen ab. Er kritisierte später offen die Politik der Sowjetunion und spielte fortan für die Schweiz. Kortschnoi wurde später sogar WM-Herausforderer gegen Anatoli Karpow.

Auch aus dem kommunistischen Kuba sind zahlreiche Sportler bei internationalen Wettkämpfen geflohen, besonders im Baseball, Boxen und in der Leichtathletik. Viele Athleten beantragten bei Turnieren in den USA oder Europa Asyl.

Der Fall der iranischen Fußballerinnen erinnert auch an die spektakuläre Flucht der afghanischen Frauenfußballnationalmannschaft nach Australien nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021. Die Fußballerinnen galten als besonders gefährdet, weil Frauenfußball unter der Taliban-Herrschaft verboten ist. Mit Hilfe eines internationalen Netzwerks aus Aktivisten, ehemaligen Militärangehörigen, Sportfunktionären und Unterstützern gelang es schließlich, mehr als siebzig Spielerinnen, Angehörige und Funktionäre über den Flughafen von Kabul nach Australien zu bringen.

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