Ärzte ohne Grenzen: Untersuchung wegen mutmaßlicher Terrorverbindungen in Gaza

Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen in Gaza wird vorgeworfen, Terrorverbindungen zu haben
Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen in Gaza wird vorgeworfen, Terrorverbindungen zu haben (© Imago Images / ABACAPRESS)

Eine britische NGO hat eine Reihe von Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen identifiziert, denen vorgeworfen wird, terroristischen Gruppen angehört zu haben.

Die Charity Commission für England und Wales hat eine Untersuchung gegen Ärzte ohne Grenzen (MSF) eingeleitet. Zuvor hatte die Organisation UK Lawyers for Israel (UKLFI) einen Bericht vorgelegt, in dem Bedenken hinsichtlich mutmaßlicher Verbindungen zwischen der medizinischen Hilfsorganisation und im Gazastreifen operierenden Terrororganisationen geäußert werden. Die Charity Commission, die Wohltätigkeitsorganisationen in England und Wales beaufsichtigt, bestätigte am 23. September, dass sie »ein Verfahren zur Überprüfung der Einhaltung der Vorschriften eingeleitet hat, um Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Wohltätigkeitsorganisation [MSF] zu prüfen.«

Ein UKLFI-Sprecher erklärte: »Wir begrüßen die Bestätigung der Charity Commission, dass sie ein Verfahren zur Überprüfung der Einhaltung von Vorschriften bezüglich Ärzte ohne Grenzen eingeleitet hat und die in unserem Bericht vorgebrachten Bedenken prüfen wird. Unsere Untersuchung hat äußerst besorgniserregende Hinweise darauf ergeben, dass bei MSF beschäftigte Personen Verbindungen zu terroristischen Organisationen haben. Unser Bericht hat zudem wichtige Fragen zu den Beziehungen von MSF zu von der Hamas kontrollierten Einrichtungen im Gazastreifen, zu den Sicherheitsvorkehrungen bei der Weiterleitung von Spendengeldern und zu den Verantwortlichkeiten der britischen Treuhänder der Organisation aufgeworfen.«

Schwerwiegende Bedenken

Am 1. September legte UKLFI der Kommission ihre Bedenken hinsichtlich der Verbindungen von MSF zur Hamas, zum Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) und zur Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) vor. Der Bericht identifizierte eine Reihe von Personen, die bei MSF in Gaza beschäftigt waren und denen vorgeworfen wird, Terrororganisationen anzugehören oder Terroranschläge sowie die dafür verantwortlichen Organisationen öffentlich verherrlicht zu haben.

Ein von UKLFI hervorgehobener Fall ist der von Fadi Jihad Mohammed al-Wadiya, einem MSF-Physiotherapeuten, der im Juni 2024 in Gaza getötet wurde. Die israelischen Behörden identifizierten al-Wadiya als PIJ-Mitglied, das an der Entwicklung der Raketenkapazitäten der Organisation beteiligt war.

Ärzte ohne Grenzen bestritt diese Anschuldigung zunächst. Im Februar 2026 veröffentlichte der Palästinensische Islamische Dschihad jedoch selbst Material, in dem al-Wadiya als Kommandeur und stellvertretender Leiter der militärischen Produktionseinheit der Organisation identifiziert wurde. MSF erklärte daraufhin, man habe keine Kenntnis von seiner militärischen Beteiligung gehabt und würde niemals wissentlich jemanden beschäftigen, der an terroristischen Aktivitäten beteiligt sei.

Der UKLFI-Bericht äußert auch Bedenken hinsichtlich weiterer MSF-Mitarbeiter. Dazu gehören ein Fahrer, der von Israel als Scharfschütze der Hamas identifiziert wurde, und ein Arzt, der angeblich Verbindungen zur PFLP unterhält und in Social-Media-Beiträgen Terroranschläge verherrlichte. Auch die Zusammenarbeit von MSF mit dem von der Hamas geführten Gesundheitsministerium im Gazastreifen ist Teil der Untersuchung.

Die UKLFI forderte die Charity Commission auf, zu prüfen, ob die MSF-Treuhänder eine angemessene Sorgfaltspflicht gegenüber den ausländischen Einsatzzentren ausgeübt haben, an die die Wohltätigkeitsorganisation Gelder überweist. Ferner müsse geprüft werden, ob Sicherheitsvorkehrungen bestehen, um zu verhindern, dass Spenden an terroristische Organisationen umgeleitet werden.

Die eingetragene Wohltätigkeitsorganisation Ärzte ohne Grenzen erhielt laut dem Bericht ihrer Treuhänder im Jahr 2024 in Großbritannien mehr als 95 Millionen Pfund (110 Millionen Euro). Darunter waren auch 2,7 Millionen Pfund (3,2 Millionen Euro) aus Spendenaktionen, die für Projekte in den palästinensischen Gebieten bestimmt waren.

In der UKLFI-Beschwerde wurde die Charity Commission zudem gebeten, die Angemessenheit der Verfahren zur Überprüfung von Mitarbeitern zu prüfen und zu untersuchen, ob MSF seiner Verpflichtung zur Meldung von Vorfällen mit potenziellen terroristischen Verbindungen nachgekommen ist. »Wir hoffen, dass die Charity Commission diese Angelegenheiten gründlich prüfen und feststellen wird, ob MSF UK und seine Treuhänder ihren gesetzlichen und behördlichen Verpflichtungen nachgekommen sind«, sagte der UKLFI-Sprecher.

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