Drusin, die Tochter bei Hisbollah-Angriff verlor: »Brücken der Menschlichkeit bauen«

Die Drusin Naela Fakher Eldin hält am 21. Oktober 2026 auf einer Konferenz zum Thema Resilienz in Obergaliläa eine Rede
Die Drusin Naela Fakher Eldin hält am 21. Oktober 2026 auf einer Konferenz zum Thema Resilienz in Obergaliläa eine Rede (Quelle: Gadi Sierra/KKL-JNF, JNS)

Die Drusin aus Majdal Shams ist seit dem Verlust ihrer elfjährigen Tochter Alma zu einer lautstarken Verfechterin von Resilienz und Einheit in Israel geworden.

Etgar Lefkovits

Das Erste, was Naela Fakher Eldin sieht, wenn sie jeden Morgen aufwacht, ist ein Foto ihrer elfjährigen Tochter Alma, die vor zwei Jahren bei einem Raketenangriff der Hisbollah auf einem Fußballplatz im Dorf Majdal Shams auf den Golanhöhen ums Leben kam. »Ich lächle sie an«, erzählte die trauernde Mutter. »Guten Morgen, meine Prinzessin; es ist wieder ein neuer Tag.«

Die 41-jährige israelisch-drusische Mathematiklehrerin ist seit dem Anschlag, bei dem zwölf Kinder im Alter von zehn bis sechzehn Jahren ums Leben kamen, zu einer lautstarken öffentlichen Verfechterin von Widerstandsfähigkeit und Einheit in Israel geworden. Die Kraft dazu schöpft sie aus ihrem tiefen Glauben. »Wenn man einen Grund hat, zu fallen, hat man tausend, um wieder aufzustehen«, sagte sie gegenüber JNS.

Eldin, deren drusische Familie nach dem Anschlag die israelische Staatsbürgerschaft angenommen hat, sagte, sie sei von Israelis getröstet worden, die sich an sie gewandt hätten, um ihre Unterstützung anzubieten. »Ich sah die Menschlichkeit des jüdischen Volkes in ihren Augen und in ihren Herzen.«

Annäherung an Israel

Der tödliche Angriff vom 27. Juli 2024 auf die drusische Stadt Majdal Shams an den Hängen des Hermon sowie die Gewalttaten gegen drusische Gemeinschaften im benachbarten Syrien im Jahr darauf durch Truppen, die dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa unterstanden, haben zu einer erheblichen Annäherung der drusischen Gemeinschaft auf den Golanhöhen an Israel geführt.

Als mystische Sekte, die sich im 11. Jahrhundert vom schiitischen Islam abspaltete, führen die Drusen ihre spirituelle Abstammung und ihren Ursprung auf den biblischen Jethro, den Schwiegervater von Moses, zurück. Sie gelten bei sunnitischen Extremisten als Ketzer und sind zur Zielscheibe radikaler islamistischer Gruppen geworden, zuletzt in Syrien.

Mehr als 150.000 Drusen leben in Israel, vor allem in Galiläa; laut dem israelischen Zentralamt für Statistik machen sie etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung aus. Da sie dem Land, in dem sie leben, äußerst loyal gegenüberstehen, dienen die meisten Männer der israelischen Drusen in den Streitkräften (IDF), wo sie seit langem für ihre hohe Einberufungsquote in Kampfeinheiten bekannt sind.

Die Drusen auf den Golanhöhen – die Israel 1981 annektierte und deren Souveränität dort 2019 von US-Präsident Donald Trump anerkannt wurde – unterhielten historisch gesehen engere soziale und politische Beziehungen zu Syrien. Doch in einer einschneidenden Wende wendeten sie sich nach der Tragödie von Majdal Shams und den darauffolgenden Angriffen auf ihre Glaubensbrüder in Syrien zunehmend Israel zu. Etwa die Hälfte der fast 30.000 drusischen Einwohner des Golan besitzt mittlerweile die israelische Staatsbürgerschaft.

Entscheidung für das Leben und das Licht

Die bei einem Hisbollah-Raketenangriff getötete elfjährige Alma Fakher Eldin
Die bei einem Hisbollah-Raketenangriff getötete elfjährige Alma Fakher Eldin (Quelle: JNS, mit freundlicher Genehmigung der Familie Eldin)

Für Eldin änderte sich an jenem schicksalhaften Sommerabend alles. Ihre beiden Söhne hatten den Fußballplatz gerade eine Minute vor dem Einschlag der Rakete verlassen, die etwa fünfzig Kilogramm Sprengstoff geladen hatte. Sie hätten ihre Schwester, die bei der Explosion ums Leben kam, nur knapp verpasst, erzählte ihre Mutter. »Ich habe ein tiefes Vertrauen in Gott. Deswegen habe ich mich entschieden, weiterzumachen und eine Brücke der Menschlichkeit zu bauen.«

In den letzten zwei Jahren ist sie, gestärkt durch die Unterstützung von Israelis und ausländischen Besuchern, zu einer lautstarken Fürsprecherin für Koexistenz und Einheit in Israel geworden; unter anderem wirkte sie an dem für 2026 geplanten Dokumentarfilm »Ima« – hebräisch für »Mutter« – über Resilienz und Widerstandskraft mit.

Die drusische Mutter war in der vergangenen Woche zu Gast bei einer internationalen Konferenz des Jüdischen Nationalfonds (KKL-JNF) in Obergaliläa. Dabei trat sie als Podiumsteilnehmerin im Rahmen einer Sitzung mit dem Titel »Mein Norden: Ein Mosaik aus Widerstandsfähigkeit, Handeln und Hoffnung« auf. »Die Menschen, die vor Ort im Norden Israels arbeiten, sind Helden«, sagte der Weltvorsitzende des KKL-JNF, Eyal Ostrinsky. »Eine Gemeinschaft in einer Krise und inmitten eines andauernden Krieges zusammenzuhalten und die Fähigkeit ihrer Menschen zu bewahren, von einer besseren Zukunft zu träumen, ist eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt.«

Trotz ihres Verlusts hält Eldin weiterhin an diesen Träumen fest. »Ihr habt Bäume für zukünftige Generationen gepflanzt, damit sie stark werden und Wurzeln schlagen«, sagte sie zum Publikum. »Das Gleiche müssen wir mit unseren Kindern tun.«

Die Drusin erinnert sich noch immer an den älteren israelischen Mann, der einige Monate nach der Beerdigung ihrer Tochter sechs Stunden von seinem Zuhause im Süden Israels angereist war, um dem Mädchen die letzte Ehre zu erweisen. Er klopfte an ihre Tür und fragte: »Sind Sie Almas Mutter?« Sie wünscht sich nur, sie hätte ihn nach seinem Namen gefragt. »Ich habe das Herz des jüdischen Volkes gesehen«, sagte Eldin. »Der Norden – das schlagende Herz Israels – hat einen hohen Preis gezahlt, aber wir entscheiden uns weiterhin für das Leben und das Licht.«

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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