Die Chemiewaffen-Kontrollbehörde bestätigt die Zerstörung von 42 Fliegerbomben und damit erstmals seit 2014 die Vernichtung von chemischen Kampfmitteln auf syrischem Boden.
Damaskus hat mit der Vernichtung von Chemiewaffenmaterial begonnen, das zuvor von einer internationalen Kontrollbehörde identifiziert worden war, erklärte der syrische UN-Gesandte am Donnerstag. Die Erklärung markierte einen bedeutenden Fortschritt seit dem Sturz des autokratischen Machthabers Baschar al-Assad im Jahr 2024. Dies sei nicht nur die erste Vernichtung chemischer Kampfstoffe »seit unserer Befreiung vom früheren Regime, sondern auch der allererste Zerstörungsprozess auf syrischem Territorium seit über einem Jahrzehnt«, sagte Ibrahim Olabi vor dem UN-Sicherheitsrat.
Im Jahr 2021 unternahm die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) den bislang beispiellosen Schritt, Syrien das Stimmrecht zu entziehen, nachdem festgestellt worden war, dass die syrische Luftwaffe das Nervengift Sarin und Chlorgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hatte. Doch seit dem Sturz Assads haben die neuen Behörden in Damaskus zugesagt, mit der OPCW zusammenzuarbeiten, um die chemischen Waffen zu vernichten. »Unser Ziel ist es, das syrische Volk zu schützen, damit solche Waffen nicht in die falschen Hände geraten«, sagte Olabi am Donnerstag. Durch die nun unternommenen Schritte schütze Syrien »auch die Welt und die Region. Jeder gesicherte Standort, jede identifizierte Munition beseitigt nicht nur eine Gefahr für Syrien, sondern für die ganze Welt.
Die Leiterin des UN-Abteilungsbüros für Abrüstung, Izumi Nakamitsu, erklärte, ein OPCW-Team habe im vergangenen Monat »die unwiderrufliche Vernichtung von 42 [mit chemischen Kampfstoffen bestückten] Fliegerbomben« durch syrische Behörden überprüft. »Diese bedeutende Entwicklung bedeutet, dass die OPCW zum ersten Mal seit 2014 die Vernichtung von chemischen Kampfmitteln aus der Arabischen Republik Syrien verifiziert hat.«
Chemiewaffenangriff
Im Jahr 2013 erklärte sich Syrien unter dem Druck Russlands und der USA bereit, der OPCW beizutreten und seine Bestände an Giftstoffen offenzulegen und zu übergeben, um die Gefahr von Luftangriffen durch Washington und seine Verbündeten abzuwenden. Dies geschah nach einem Chemiewaffenangriff auf den Vorort Ost-Ghouta bei Damaskus, bei dem laut US-Geheimdienstangaben mehr als 1.000 Menschen ums Leben gekommen waren. Die Regierung in Damaskus bestritt bis zum Schluss, für den Angriff verantwortlich zu sein, und beschuldigte die Anti-Assad-Rebellen.
In der Folge weigerte sich Assad jedoch, sein gesamtes Programm offenzulegen, und versuchte, die Inspektoren in die Irre zu führen. Nach dem Sturz des Regimes forderten die Vereinigten Staaten die neuen syrischen Behörden im UN-Sicherheitsrat nachdrücklich auf, weiterhin mit der OPCW zusammenzuarbeiten.
»Unsere Bemühungen, das Chemiewaffenprogramm des Assad-Regimes zu beseitigen und die Rechenschaftspflicht zu fördern, sind nicht nur unerlässlich für den internationalen Frieden und die Sicherheit. Sie sind auch eine Möglichkeit, die syrischen Männer, Frauen und Kinder zu ehren, denen das Leben genommen wurde«, sagte die US-Gesandte Tammy Bruce. »Möge uns die Erinnerung an sie ein Ansporn sein, auf ein Syrien und eine Welt hinzuarbeiten, die endlich frei von Chemiewaffen sind.« Auch China und Russland lobten die Fortschritte Syriens bei der Vernichtung von Chemiewaffenmaterial.
