Mit Milliardeninvestitionen in Energie, Rohstoffe und Infrastruktur positionieren sich die Vereinigten Arabischen Emirate als neue Ordnungsmacht in Afrika – und treten damit in direkte Konkurrenz zu China.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bauen ihre wirtschaftliche Präsenz in Afrika systematisch aus, insbesondere im Energiesektor. Die Kooperation zwischen Afrika und den VAE hat seit den frühen 2000er Jahren stetig zugenommen. Hintergrund ist Dubais Interesse, seine ölbasierte Wirtschaft zu diversifizieren, einschließlich Investitionen in afrikanische Infrastruktur, Tourismus, Agrarindustrie und Bergbau. Emiratische Firmen sind mittlerweile in 32 afrikanischen Staaten präsent; rund 110 Milliarden Dollar flossen zwischen 2019 und 2023 auf den Kontinent, zwei Drittel davon in erneuerbare Energien.
China tonangebend
Topinvestor in Afrika ist nach wie vor China. Die Volksrepublik nutzt das Vakuum, das durch den wachsenden Rückzug der USA und Europas aus Afrika entsteht. Dabei setzt Peking nicht nur auf Finanzmittel, sondern auch auf strategische Präsenz. Das habe laut New York Times auch mit der Verschlechterung der Beziehungen zu westlichen Staaten zu tun. Afrika gewinnt dadurch als Absatzmarkt für chinesische Produkte an Bedeutung, besonders im Bereich neuer Technologien wie Solarmodule und Elektrofahrzeuge.
Allein im ersten heurigen Halbjahr investierte Peking 39 Milliarden Dollar in Afrika. Zu Chinas Großprojekten zählen die Eisenbahnlinie in Kenia, Dschibutis Tiefseehafen mit Militärstützpunkt, die Hängebrücke in Maputo und die neue Bahnverbindung zwischen Daressalam und Burundi. Die Strategie dahinter ist klar: Die von Peking finanzierten, langfristigen und kostenintensiven Projekte bringen die afrikanischen Länder in jahrzehntelange finanzielle und logistische Abhängigkeiten.
Zwei Modelle
China setzt auf Größe, staatliche Kontrolle und langfristige Bindung. Die VAE hingegen agieren flexibler über private oder staatsnahe Investitionen und setzen gezielt auf erneuerbare Energien, Häfen, Öl, Gas und Bergbau. Ihre Projekte sind kleiner, schneller umsetzbar und verursachen geringere Anfangsverschuldung, was Abu Dhabi einen rascheren Einstieg in strategische Sektoren afrikanischer Staaten ermöglicht.
Insgesamt treten die VAE in Afrika pragmatischer auf als westliche Geldgeber: Statt langwieriger Auflagen liefern sie in kurzer Zeit Planungen auf hohem Niveau. Anders als China schicken sie kaum eigene Arbeitskräfte, sondern sichern sich Anteile an Konzernen, Banken und Logistikfirmen und gewinnen so Einfluss, ohne offene Dominanz zu zeigen.
In der Folge dringen sie in strategische Bereiche vor, die lange von Peking dominiert wurden: Energie, Rohstoffe, Transport. Wie Al-Monitor berichtete, errichtet Global South Utilities (GSU), ein in den Emiraten ansässiges Unternehmen, in der Zentralafrikanischen Republik ein Solarkraftwerk mit fünfzig Megawatt Leistung, das künftig 300.000 Haushalte mit Strom versorgen soll. Parallel investiert GSU auch in Madagaskar und prüft Projekte mit bis zu 250 Megawatt.
Ein anderes emiratisches Unternehmen sicherte sich 2023 eine Beteiligung von 51 Prozent an den Mopani-Kupferminen in Sambia und konnte damit eine chinesische Firma ausbooten. Das Logistikunternehmen DP World betreibt Häfen in mehreren afrikanischen Ländern, oft dort, wo zuvor China dominierte.
Verlierer USA und Europa
Die USA hingegen verlieren nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch an Einfluss. Unter Präsident Donald Trump hat die Regierung ihre Afrika-Politik neu ausgerichtet, und zwar weg von Entwicklungshilfe hin zu wirtschaftlichen Interessen. Bei einem Treffen mit Staatschefs aus Gabun, Guinea-Bissau, Liberia, Mauretanien und dem Senegal im Juli betonte Trump den Kurswechsel: »Wir verlagern uns von Hilfe zu Handel«, zitierte die New York Times den Präsidenten.
Im Zentrum der neuen Strategie stehen Rohstoffe und Investitionen. Trump will den Zugang zu kritischen Mineralien, vor allem Seltene Erden, sichern und Chinas wachsenden Einfluss auf dem Kontinent zurückdrängen. Dabei setzt Washington auf bilaterale Wirtschaftsdeals. Zugleich fordert die amerikanische Regierung von den afrikanischen Staaten Kooperation bei der Rücknahme von Migranten und schließt sogenannte sichere Drittstaatenabkommen nicht aus.
Europa sucht nach einem eigenen Zugang zu Afrika; doch in einem Umfeld, das von pragmatischen und autoritären Regime gegenüber toleranten Akteuren geprägt ist, wirken die europäischen Instrumente langsam und schwerfällig. Mit dem Rückzug der USA aus der Entwicklungshilfe, etwa durch das starke Zurückfahren von USAID, entstand vor allem in Ländern wie Äthiopien und dem Südsudan ein Machtvakuum. Für Europa ergibt sich daraus zwar eine Chance, doch der globale Trend geht in Richtung Transaktionspolitik: China tauscht Infrastruktur gegen Rohstoffe, Russland Sicherheit gegen Schürfrechte.
Europa ist für diesen Wettbewerb schlecht gerüstet. Zwar verpflichtet der Critical Raw Materials Act von 2023 die Europäische Union, sich unabhängiger bei strategischen Rohstoffen wie Lithium oder Kobalt aufzustellen, doch viele lukrative Verträge sind bereits vergeben. China, die Türkei und die Emirate bieten schnellere, unbürokratische Deals, oft auch mit autoritären Regimen. Europas Angebote hingegen sind komplex, an Auflagen gebunden und benötigen lange Genehmigungsprozesse.
