Die Resultate der Umfrage überraschen zwar wenig angesichts der Unbeliebtheit des Regimes, verdeutlichen aber einmal mehr den Wunsch der Iraner nach dem Ende der Islamischen Republik.
Es ist nicht einfach, in Diktaturen einigermaßen brauchbare Meinungsumfragen durchzuführen, da die dort Herrschenden wenig Interesse haben, dass nach außen dringt, was die Bevölkerung wirklich über sie denkt.
Telefone werden abgehört und wer offen spricht, kann sich und seine Angehörigen in Gefahr bringen. Doch trotz all dieser Hürden und Schwierigkeiten ist es der in den Niederlanden ansässigen Group for Analyzing and Measuring Attitudes in Iran gelungen, im letzten Jahr 77.000 Bewohner über ihre Ansichten zu befragen. Vor wenigen Tagen wurden die Resultate der Öffentlichkeit präsentiert.
Wenig überraschend
Die Resultate überraschen zwar wenig, weiß man, wie unbeliebt das Regime inzwischen ist, verdeutlichen aber einmal mehr, dass es sich nur noch auf eine recht überschaubare Minderheit stützen kann und der große Rest, nämlich siebzig Prozent, ein Ende der Islamischen Republik wünscht.
Hier einige der Ergebnisse der Befragungen:
- Eine deutliche Mehrheit (rd. 70 Prozent) lehnt den Fortbestand der Islamischen Republik ab. Der höchste Widerstand (81 Prozent) wurde während des Aufstands »Frau, Leben, Freiheit« verzeichnet.
- Die vorherrschende politische Orientierung in der Gesellschaft ist »Regimewechsel als Voraussetzung für Wandel« (ca. 40 Prozent), gefolgt von »Strukturwandel und Übergang von der Islamischen Republik zu einem demokratischen System«.
- Die Unterstützung für einen Regimewechsel ist unter jungen und gebildeten Menschen stärker ausgeprägt. Generell ist die Opposition gegen die regierenden Mullahs unter jungen Menschen, Stadtbewohnern und Hochgebildeten höher.
- Die Unterstützung für die »Prinzipien der Islamischen Revolution und des Obersten Führers« ist zurückgegangen (2022: 18 Prozent; 2024: elf Prozent); 89 Prozent der Iraner unterstützen die Demokratie.
- Eine auf religiösem Recht und Militärherrschaft basierende Regierungsführung stößt auf breite Ablehnung (66 bzw. 71 Prozent).
- Etwa die Hälfte der Bevölkerung (43 Prozent) steht einer autoritären Herrschaft durch einen starken Einzelführer offen gegenüber. Diese Ansicht ist unter Landbewohnern und Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau stärker verbreitet.
- Nur etwa zwanzig Prozent unterstützen den Fortbestand der Islamischen Republik; die Mehrheit wünscht sich ein anderes politisches System, beispielsweise eine (säkulare) Republik (rd. 26 Prozent), eine (konstitutionelle) Monarchie (21 Prozent) oder eine stärker dezentralisierte Demokratie. Für elf Prozent ist die konkrete Form des alternativen Systems unwichtig.
- Rund fünfzehn Prozent befürworten ein föderales System entweder als Bundesrepublik (zehn Prozent) oder als föderale Monarchie (fünf Prozent). Die Unterstützung für eine föderale Struktur ist besonders hoch in ethnischen Regionen wie Kurdistan, West-Aserbaidschan sowie Sistan und Belutschistan.
- Die Unterstützung für eine republikanische und dezentralisierte Struktur ist unter jungen und gebildeten Menschen höher. Die Unterstützung für die Monarchie ist bei Männern höher als bei Frauen und auch bei Personen ohne Hochschulbildung. Anhänger der Islamischen Republik und einer nichtföderalen Monarchie neigen eher dazu, eine individuelle autoritäre Herrschaft zu bevorzugen. Im Gegensatz dazu lehnen Anhänger einer nichtföderalen säkularen Republik, einer föderalen Republik und einer föderalen Monarchie die Idee einer autoritären Regierungsführung deutlich ab.
