Wirft Muslimbruderschaft die Beziehungen zwischen Ägypten und der Türkei wieder auf Nullpunkt?

Der türkische Präsident Recep Tayyip Edogan zu Besuch bei Ägyptens Staatsoberhaupt Abdel Fattah el-Sisi

Trotz der diplomatischen Annäherung zwischen der Türkei und Ägypten in den letzten Jahren sind erneut Streitfragen aufgetaucht, die Zweifel an der Zukunft ihrer Beziehungen aufkommen lassen.

In einer Erklärung des Kairoer Innenministeriums wird die Türkei beschuldigt, flüchtige Mitglieder der in Ägypten verbotenen Muslimbruderschaft zu beherbergen und diese zu terroristischen Handlungen anzustiften. In seinem seit dem Jahr 2020 beispiellosen Schritt informierte das Ministerium, »Informationen über Führer der Hasm-Bewegung, dem militärischen Flügel der Muslimbruderschaft, die sich in der Türkei auf der Flucht befinden«, erhalten zu haben, »wonach sie die Wiederaufnahme der Aktivitäten ihrer Bewegung vorbereiten und feindselige Operationen gegen Sicherheits- und Wirtschaftseinrichtungen im Land durchführen wollen«.

Normalisierungsprozess?

Beginnend mit dem Handschlag zwischen dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan während der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar, beschleunigte sich in den letzten Jahren der Normalisierungsprozess zwischen Kairo und Ankara. Ihren Höhepunkt erreicht die Annäherung mit dem Besuch Erdogans in Kairo im Februar 2024, gefolgt von einem ähnlichen Besuch von el-Sisi in Ankara im September desselben Jahres, der den Beginn einer »neuen Ära« der Zusammenarbeit markierte.

Darüber hinaus wurde die Erwähnung einer Verbindung Ankaras zum Terrorismus in den offiziellen ägyptischen Erklärungen im Jahr 2020 aufgegeben, nachdem die Türkei jahrelang häufig in den Verlautbarungen des Kairoer Innenministeriums erwähnt worden war. Insofern warf die jüngste Erwähnung Fragen über die Zukunft der Beziehungen zwischen Kairo und Ankara auf, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Muslimbruderschaft, die von den ägyptischen Behörden als terroristische Organisation eingestuft wird, die Ursache für die fast zehnjährige Krise zwischen den beiden Ländern war.

Nach Ansicht des türkischen Politologen und Forschers für internationale Beziehungen Taha Odeh Oglu unterstreicht die Erwähnung der Türkei in der Erklärung des ägyptischen Innenministeriums zwar die Krise zwischen den beiden Ländern wegen der in Ankara untergetauchten Führer der Muslimbruderschaft, werde »jedoch die derzeitigen strategischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern nicht beeinträchtigen«.

Beziehung abgekühlt

Odeh Oglu ist der Ansicht, die Frage der Muslimbruderschaft sei »in der letzten Zeit abgekühlt und neutralisiert, aber nicht vollständig gelöst«, und geht davon aus, dass dieses Thema ein ständiger Diskussionspunkt bleiben wird, jedoch auf einer zweitrangigen Ebene, ohne die Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu beeinträchtigen. Laut Odeh Oglu wird die Türkei die Bewegungsfreiheit von Mitgliedern der Muslimbruderschaft einschränken und sie daran hindern, sich öffentlich zu äußern, wie dies bereits in den vergangenen Monaten geschehen ist, während andere zum Verlassen des Landes gedrängt werden.

Der ägyptische Wissenschaftler und Forscher für internationale Beziehungen Bashir Abdel Fattah stimmt zu, dass die Äußerung des Innenministeriums gegenüber der Türkei »keinerlei Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen zwischen Kairo und Ankara haben wird«. Gegenüber der saudischen Zeitung Asharq Al-Awsat meinte er, Ägypten und die Türkei hätten vereinbart, »die Streitigkeiten über die Muslimbruderschaft die Entwicklung ihrer Beziehungen nicht beeinträchtigen zu lassen«.

Während früher die Muslimbruderschaft im Mittelpunkt der Beziehungen gestanden, ja, Vorrang vor anderen Themen erhalte habe und Ursache für Meinungsverschiedenheiten gewesen sei, ordneten »die beiden Länder die Muslimbruderschaft nun am richtigen Platz ein und strategische und wirtschaftliche Fragen haben Vorrang, sodass Ägypten und die Türkei ihre bilateralen Beziehungen weiter stärken können«. Abdel Fattah glaubt, dass Ankara für die ägyptischen Schritte gegen die Muslimbruderschaft Verständnis habe und gutheiße und seine gemeinsamen strategischen Interessen mit Kairo wertschätze.

Negative Auswirkungen

Der Kolumnist der in London ansässigen Zeitung Al-Arab Mohamed Abu El Fadl hingegen ist der Ansicht, dass die Muslimbruderschaft einen negativen Schatten auf die Beziehungen zwischen Kairo und Ankara werfen könnte. So schrieb er vor einigen Tagen, »die Muslimbruderschaft und die Unterstützung islamistischer Kräfte in Syrien und Libyen durch die Türkei könnten die Beziehungen zu Ägypten beeinträchtigen«. Daher müsse Ankara praktische Schritte unternehmen, um Ägypten zu beruhigen und eine Eskalation der Beziehungen zu verhindern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Muslimbruderschaft nach wie vor eine Herausforderung für die Beziehungen zwischen Ägypten und der Türkei darstellt. Die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen verhindern jedoch im aktuellen regionalen Kontext eine Eskalation ihrer Differenzen in dieser Frage.

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