In der Vergangenheit hat es die UNO stets ignoriert, wenn Hilfsorganisationen auf Vorfälle hinwiesen, bei denen die Hamas Hilfslieferungen im Gazastreifen behindert hatte.
Die Vereinten Nationen hatten jahrelang behauptet, Israel habe die Hamas zu Unrecht beschuldigt, die Lieferung humanitärer Hilfe im Gazastreifen zu blockieren. Am Sonntag erklärte die UNO nun selbst, dass die – namentlich nicht genannte – Terrororganisation »humanitäres Personal in Gefahr gebracht, Mitarbeiter eingeschüchtert hat, die lebensrettende Nahrungsmittelhilfe liefern, und lebensrettende humanitäre Einsätze behindert« habe.
Der stellvertretende Sonderkoordinator der Vereinten Nationen für den Nahost-Friedensprozess, Ramiz Alakbarov, erklärte, dass am Samstag bewaffnete Personen, die »den De-facto-Behörden nahestehen«, gewaltsam in eine Lebensmittelausgabestelle im Norden des Gazastreifens eingedrungen seien. Dort hätten sie sich Zugang zu einem Lager des Welternährungsprogramms verschafft, »wo sie Berichten zufolge zwei Lkw-Fahrer angegriffen haben, die humanitäre Hilfsgüter lieferten«.
Humanitäre Helfer waren laut Alakbarov daraufhin gezwungen, die Lebensmittelverteilung einzustellen. Er machte dabei zweimal die »De-facto-Behörden« verantwortlich, eine Umschreibung für die Hamas, die die Küstenenklave kontrolliert.
»Die UNO spricht endlich das Offensichtliche aus: den systematischen Diebstahl und die Unterschlagung von Hilfsgütern durch die Hamas im Gazastreifen«, erklärte ein hochrangiger US-Beamter in einer Reaktion In den vergangenen zwei Jahren hätten Ermittler des Büros des Generalinspekteurs der US-Agentur für internationale Entwicklung (USAID) »immer wieder Vorfälle von Einmischung der Hamas in die Hilfslieferungen gemeldet, die die UNO bisher ignoriert hat.«
Kein Einzelfall
Die Vorfälle mit den betreffenden »De-facto-Behörden« seien »keine Einzelfälle« und »spiegeln ein zunehmend gefährliches Muster von Einschüchterung, Gewalt und Behinderung wider, einschließlich Schmuggelversuchen sowie der gezielten Angriffe auf und des Missbrauchs humanitärer Einsätze«, erklärte Alakbarov.
Der stellvertretende Sonderkoordinator gab auch Israel die Schuld an der Situation, wie es die Vereinten Nationen oft tun, wenn sie sich zu den Verfehlungen der Feinde des jüdischen Staates äußern. »Die Ausweitung der unter israelischer Kontrolle stehenden Gebiete schränkt den für Zivilisten verfügbaren Raum weiter ein, weshalb es unerlässlich ist, dass humanitäre Hilfe sicher transportiert werden und die Menschen in Not ohne Behinderung erreichen kann.«
Das israelische Militär ist in Teilen des Gazastreifens im Einsatz, während internationale Organisationen im Rahmen eines von Washington vermittelten Waffenstillstands und Friedensprozesses die Entwaffnung der Hamas anstreben. Vertreter der Vereinten Nationen haben wiederholt darauf hingewiesen, dass verzweifelte Bürger und lokale bewaffnete Banden Hilfsgüter in Gaza umgeleitet oder gestohlen hätten. Dass sie die Hamas direkt beschuldigt, ist ein Novum.
