Syrien ist nicht für alle sicher – Assyrische Vereine fordern sofortigen Abschiebestopp für syrische Christen

Demonstration in den Haag gegen die Diskriminierung und Verfolgung syrischer Christen
Demonstration in den Haag gegen die Diskriminierung und Verfolgung syrischer Christen (© Imago Images ANB)

Die politische Lage in Syrien hat sich verändert. Doch daraus darf nicht der Schluss gezogen werden, dass das Land für alle Menschen gleichermaßen sicher geworden ist. Besonders für Christen und andere religiöse Minderheiten bleibt die Situation vielerorts von Unsicherheit, Einschränkungen und Angst geprägt.

Bis heute können Christen in Syrien vielerorts nur sehr eingeschränkt und unter schwierigen Bedingungen leben. Aus unseren Kontakten und Berichten aus der christlichen Gemeinschaft hören wir immer wieder von Angriffen auf Christen, von Angriffen auf Häuser und Einrichtungen sowie von Einschüchterung und Ausgrenzung. Menschen berichten uns auch davon, dass Christen ihren Glauben in der Öffentlichkeit teilweise zurückhaltend oder gar nicht zeigen, weil sie negative Reaktionen oder Bedrohungen befürchten. Für eine christliche Familie bedeutet Sicherheit nicht nur, dass sie körperlich überleben kann. Sicherheit bedeutet auch, den eigenen Glauben frei leben zu können, ohne Angst vor Einschüchterung, Ausgrenzung oder Gewalt haben zu müssen.

Gerade für uns als assyrische Christen ist diese Realität besonders schmerzhaft. Unsere Gemeinschaft hat über Jahrzehnte Verfolgung, Vertreibung, Gewalt und die Zerstörung von Kirchen und Häusern erlebt. Diese Erfahrungen sind nicht vergessen. Viele Familien haben bis heute Angehörige, Freunde und Bekannte, die von Gewalt und Verfolgung betroffen waren. Deshalb muss bei der Frage einer Rückkehr genau hingeschaut werden. Eine allgemeine Einschätzung der politischen Lage kann nicht automatisch die individuelle Sicherheit eines Menschen ersetzen. Für Christen kann die Realität eine völlig andere sein als für andere Bevölkerungsgruppen.

Wenn Deutschland seine eigenen Staatsbürger weiterhin vor Reisen nach Syrien warnt, muss diese Gefahreneinschätzung auch bei der Frage berücksichtigt werden, ob Menschen nach Syrien zurückgeschickt werden können. Die Gefahren verschwinden nicht dadurch, dass ein Mensch syrischer Staatsangehöriger ist.

Gleichzeitig dürfen islamistische und andere extremistische Ideologien und Strukturen weder in Syrien noch in Deutschland verharmlost werden. Wer Christen oder andere Minderheiten aufgrund ihrer Religion oder Herkunft bedroht, muss konsequent verfolgt werden. Auch in Deutschland erwarten wir einen entschlossenen und rechtsstaatlichen Umgang mit Personen und Strukturen, von denen eine konkrete Gefahr für andere Menschen ausgeht.

Sofortiger Abschiebestopp für syrische Christen

Vor diesem Hintergrund fordern wir einen. sofortigen Abschiebestopp für syrische Christen. Menschen, die aufgrund ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit bei einer Rückkehr gefährdet sind, dürfen nicht in eine Situation zurückgeschickt werden, in der ihre Sicherheit und die freie Ausübung ihres Glaubens nicht gewährleistet sind.

Der Vorsitzende des Assyrischen Kulturvereins e. V. Saarlouis, Charli Kanoun, erklärt: »Wir stellen eine einfache, aber entscheidende Frage: Wenn Syrien sicher sein soll – für wen ist es sicher? Wir hören bis heute von Angriffen, Einschüchterung und Ausgrenzung gegenüber Christen. Wir können nicht akzeptieren, dass diese Realität bei Abschiebungsentscheidungen ausgeblendet wird.«

Der Vorsitzende der Assyrischen Autonomie Bewegung e. V. Deutschland, Majed Bahi, ergänzt: »Christen müssen in Syrien ihren Glauben frei und ohne Angst leben können. Solange das nicht verlässlich gewährleistet ist, darf die Rückkehr von Menschen nicht allein mit einer allgemeinen politischen Einschätzung begründet werden. Wir erwarten eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Lebenssituation christlicher Minderheiten.«

Wir appellieren an Politik, Behörden und Kirchen, die Situation der Christen in Syrien nicht nur anhand politischer Entwicklungen zu beurteilen, sondern auch die konkrete Lebensrealität der Menschen vor Ort zu berücksichtigen. Wir fordern deshalb einen sofortigen Abschiebestopp für syrische Christen und eine sorgfältige Prüfung der tatsächlichen Gefährdung jedes einzelnen Betroffenen.

Im Namen des Assyrischen Kulturvereins e. V. Saarlouis und der Assyrischen Autonomie Bewegung e. V. Deutschland

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