Schauplatz

Wochenbericht, 28.11. bis 4.12.2011

Auch in der vergangenen Woche war der Nahe Osten in der Berichterstattung österreichischer Medien überaus präsent. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Nach wie vor laufen in mehreren arabischen Ländern zum Teil weitreichende Umwälzungsprozesse ab, die in der medialen Berichterstattung ihren Niederschlag finden. Eine quantitative Analyse der im Verlauf der letzten Woche erschienenen Beiträge ergibt folgendes Bild: Insgesamt publizierten…

EINE EINFACHE WAHRHEIT

Im Interview mit dem Wochenmagazin NEWS antwortet Karl Habsburg auf die Frage, ob er, wie etwa Jörg Haider, auch Kontakte zu Gaddafi und dessen Söhnen hatte: „Nein, nie. Denn es war doch immer klar, dass es sich bei Gaddafi um einen größenwahnsinnigen Tyrannen handelte. Er war ein Psychopath, der sich unheimlich geschickt über viele Jahrzehnte politisch rübergewurstelt hat. … Gaddafi hat Menschen…

EIN ZEICHEN DER MÄSSIGUNG

Im aktuellen profil (Nr. 47/2011) ist zu lesen: „Immerhin aber ist es den Frauen in diesem Winter wieder erlaubt worden, in den Restaurants in Gaza-Stadt Wasserpfeife zu rauchen.“ Mit dem Verweis darauf, dass den Frauen jetzt wieder erlaubt wurde, was ihnen offenbar zuvor verboten war, bekommen die Leser zumindest implizit eine Ahnung vom Alltag unter der Herrschaft der Hamas, über den zu…

VERZERRUNG MIT METHODE

Im profil (Nr. 47/2011) berichtet Tessa Szyszkowitz über ihre Besuche bei drei von jenen 477 Palästinensern, die im Oktober im Austausch für die Freilassung des im Gazastreifen in Geiselhaft gehaltenen israelischen Soldaten Gilad Shalit aus israelischer Haft entlassen wurden. In ihrer Geschichte kommen mehrere Mörder vor. Die Art und Weise, in der Szyszkowitz über sie berichtet, ist sehr aufschlussreich. Der erste der…

ES LÄUFT IMMER ALLES AUF DAS GLEICHE HINAUS

Stellen Sie sich vor, sie suchen Ihren Arzt auf, beschreiben ihm Ihre Beschwerden, und er rät Ihnen, ein Aspirin zu nehmen und sich ins Bett zu legen. Stellen Sie sich nun weiter vor, Sie gehen einige Monate später wieder zu ihm, schildern ihm völlig andere Beschwerden, und sein Rat lautet abermals: Aspirin und Bettruhe. Stellen Sie sich schließlich vor, dass…

DER STANDARD ÜBER POSITIVES AUS SYRIEN

Während in anderen Medien zu lesen ist, dass die letzten Tag zu den blutigsten seit Beginn der Proteste gegen das syrische Regime zählten, rückt der Standard eine ganz andere Meldung ins Zentrum seiner Berichterstattung: „Syrien lässt Gefangene frei“, lautet die Überschrift seines heutigen Artikels über die aktuellen Entwicklungen. Warum der Standard ausgerechnet einen derartigen Titel wählt; weshalb er sich zur Verbreitung dieser vermeintlich positiven…

"PHILOISRAELISMUS"

Der Gastkommentar Stephan Grigats in der Presse vom 9. November über die „Erinnerungsweltmeister“ Deutschland und Österreich, die zwar eifrig der im Nationalsozialismus ermordeten Juden und Jüdinnen gedenken, gleichzeitig aber mit dem antisemitischen Holocaustleugner-Regime im Iran beste Geschäfte machen, löst auf den Leserbriefseiten der Presse weiter heftige Reaktionen aus. Nachdem bereits letzten Freitag ein Leser gegen den „Hassprediger“ Grigat protestierte, machte heute ein weiterer seinem…

SCHÄNDLICH, ABER WAHR

Der Standard berichtet über das Treffen der EU-Außenminister in Brüssel, auf dem eines der Hauptthemen der Umgang mit dem syrischen Regime war, das allen Vermittlungsversuchen zum Trotz weiter brutal gegen Demonstranten vorgeht. Am vergangenen Sonntag hatte die Arabische Liga wegen der gewalttätigen Repression der Opposition Syriens Mitgliedschaft suspendiert. DerStandard hat also Recht, wenn er seinen Bericht mit der Überschrift versieht: „EU im Windschatten…

ZU URSULA PLASSNIKS PRESSE-GASTKOMMENTAR

Ursula Plassnik nimmt in ihrem Gastkommentar zur Entscheidung Österreichs, die Mitgliedschaft Palästinas bei der Unesco zu befürworten, leider mit keinem Wort Bezug auf die u. a. von Rudolf Taschner in der Presse vom 10. November geäußerte Kritik, dass in den Palästinensergebieten – auch in dem von der „moderaten“ Fatah geführten Westjordanland – unablässig gegen Israel gehetzt sowie Gewalt gegen Juden verherrlicht wird, und ein…

EIN SCHERZ?

Seit Monaten versucht Syriens Präsident Baschar al-Assad sich unter Einsatz rücksichtsloser Gewalt an der Macht zu halten und hat die Schergen seines Regimes nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen im Zuge dessen bereits über 3500 Menschen töten lassen, von den unzähligen Folteropfern ganz zu schweigen. Der letzte Woche von der Arabischen Liga vermittelte Plan zur Lösung der Krise war absehbarer Weise nicht…

FEHLT DA NICHT WER? (2)

Erneut widmet sich die Presse der Frage, wer im Falle von Militärschlägen gegen seine Nuklearanlagen an der Seite des Iran stehen würde. Jan Keetman schreibt: „Militärisch wäre der Iran klar der Verlierer. Es wäre aber mit Terroranschlägen als Vergeltung zu rechnen. Als Handlanger stünden die libanesischen Hisbollah-Milizen und auch radikale palästinensische Gruppen bereit.“ Von letzteren gibt es tatsächlich mehrere, aber eine von…

WARUM AUS SANKTIONEN NICHTS WIRD

Neben der Erörterung der militärischen Lage widmet sich Keetman in der Presse auch der Frage, warum die bisher ins Werk gesetzten Sanktionen den Iran bislang so wenig zu kümmern scheinen, und kommt dann auf zwei Bösewichte zu sprechen: „Außerdem wurden die Iran-Sanktionen von Russland und China immer wieder verwässert.“ Die Kleine Zeitung sieht das auch so: „Bisher blieben die Sanktionen wegen Russland und China…

FRAGEN NACH DEM IAEA-BERICHT

Das islamistische Regime im Iran hat über Jahre hinweg die internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und die Weltöffentlichkeit belogen, indem es konsequent bestritt, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten, während es still und heimlich genau das getan hat – so könnte man den detailreich argumentierenden Report zusammenfassen, der gestern von der IAEA in Wien veröffentlicht wurde. Wenn Ali Asghar Soltanieh, der Vertreter des…

DAS TÜRKISCHE BEISPiEL

Seit Beginn der Aufstände in mehreren arabischen Ländern ist immer wieder zu lesen, dass die Befürchtungen über ein Erstarken von islamistischen Extremisten schon allein deshalb falsch seien, weil sich die Demonstranten in Tunis oder Kairo nicht das islamistische Regime im Iran zum Vorbild machten, sondern die angeblich „moderaten“ Islamisten der türkischen AKP. Ein wichtiges Argument, das in dieser ganzen Debatte…

ENTBEHRLICHE METAPHER

Die Presse berichtet unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters, dass auch der diese Woche veröffentlichte Bericht der IAEA über den Stand des iranischen Nuklearprogrammes „nicht direkt den ‚rauchenden Colt‘, also den definitiven Beweis für eine Atombombe des iranischen Regimes“ enthalten werde. Die Metapher des „rauchenden Colts“ ist zwar unter Journalisten sehr beliebt, nichtsdestotrotz aber reichlich entbehrlich: Ein rauchender Colt in der Hand…