Schauplatz

GEFÄHRLICHER SINAI

Wie eine ägyptische Zeitung heute berichtet, war die im Norden der Sinaihalbinsel gelegene Gaspipeline erneut Ziel eines Sprengstoffanschlages. Seit Beginn der Demonstrationen gegen den damaligen Diktator Hosni Mubarak im Jänner 2011 war dies bereits der fünfzehnte Angriff auf die Gasleitung, über die bis zum Beginn der Anschlagswelle auf Basis eines Abkommens aus dem Jahre 2004 ägyptisches Erdgas an Israel geliefert worden war.…

ÜBERKOMPENSATION?

In österreichischen Zeitungen wird nur selten darüber berichtet, welche gesellschaftlichen Folgen die Herrschaft der islamistischen AKP in der Türkei seit 2002 zeitigt. Der Kurier durchbrach das übliche Schweigen heute mit einem Bericht über ein Rockfestival in Istanbul, bei dem die Behörden jetzt den Ausschank von Alkohol verboten haben. So löblich diese Berichterstattung auch ist, stellt sich doch die Frage: Ist die Tatsache,…

Wochenbericht, 9.7. bis 15.7.2012

Die dominierenden Themen der Nahostberichterstattung österreichischer Tageszeitungen waren in der vergangenen Woche das andauernde Blutvergießen in Syrien sowie der Machtkampf zwischen den Muslimbrüdern und dem Militärrat in Ägypten. Darüber hinaus waren zwei Länder prominent in der Berichterstattung vertreten, die hierzulande in der Regel nur selten Erwähnung finden: In Libyen fanden die ersten freien Wahlen seit dem Sturz von Langzeitdiktator Gaddafi…

Wochenbericht, 18.6. bis 24.6.2012

Die dominierenden Themen der Nahostberichterstattung österreichischer Tageszeitungen waren in der letzten Woche die Entscheidungsrunde der ägyptischen Präsidentschaftswahl und der Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs durch die syrische Luftabwehr. Über ein anderes Thema war dagegen nur wenig zu lesen: Einem bekannten Muster folgend werden anti-israelischer Terrorismus und über 130 aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuerte Raketen erst dann interessant, wenn Israel sich…

Wochenbericht, 11.6. bis 17.6.2012

Die Nahostberichterstattung österreichischer Tageszeitungen war in der letzten Woche von der eskalierenden Gewalt in Syrien geprägt – bis das ägyptische Verfassungsgericht nur zwei Tage vor der Stichwahl um das ägyptische Präsidentenamt für einen Knalleffekt sorgte und nicht nur die Kandidatur des allgemein als Mann des alten Regimes geltenden Ahmed Shafiq für rechtens erklärte, sondern darüber hinaus auch das erst vor…

SCHIITISCHE BEVÖLKERUNGSMEHRHEIT?

Sehr geehrte Kurier-Redaktion, in seinem Artikel über die Aussetzung der Beobachtermission der Vereinten Nationen in Syrien schreibt Konrad Kramar in der heutigen Kurier-Ausgabe, einer der Hintergründe für die momentan eskalierende Gewalt sei die Angst des Regimes „vor einer Machtübernahme durch die schiitische Bevölkerungsmehrheit“. Schiitische Mehrheiten gibt es im Nahen Osten aber nur im Irak, im Iran und in Bahrain. In Syrien sind…

PSEUDO-AKTIONISMUS

Wie dem heutigen Kurier zu entnehmen ist, sind für Außenminister Spindelegger in Syrien die „Grenzen der Menschlichkeit“ überschritten worden. Deshalb sei eine „Befassung des Internationalen Strafgerichtshofes unerlässlich“. Nun ist es aber so, dass Syrien das Statut des ICC nicht ratifiziert hat und das Gericht Assad daher gar nicht anklagen kann, solange es nicht per Beschluss des UN-Sicherheitsrates damit beauftragt wird –  angesichts…

Wochenbericht, 4.6. bis 10.6.2012

Die Nahostberichterstattung österreichischer Tageszeitungen stand in der vergangenen Woche im Zeichen von drei Themen: der Eskalation der Lage in Syrien, angeblich mit Atomwaffen bestückten israelischen U-Booten deutscher Provenienz und dem Vorhaben von Premier Erdogan, das Abtreibungsrecht in der Türkei massiv einzuschränken. Allgemeiner Überblick In den vergangenen sieben Tagen erschienen in den von MENA ausgewerteten österreichischen Tageszeitungen insgesamt 196 Beiträge mit…

FAST EIN ARGUMENT

Anlässlich der Debatte um die umstrittenen Israel-Aussagen von Verteidigungsminister Darabos ging die ORF-Sendung „Report“ gestern der Frage nach, warum es so heikel sei, israelische Politik zu kritisieren, und bat „vier Experten um ihre Analyse“. Zu Wort kam dabei auch Standard-Kolumnist Hans Rauscher: „So zu formulieren, dass man nicht missverstanden wird, ist schwer. Zumal, und damit sind wir jetzt auch bei einem Punkt,…

Fiktive Fortschritte

Die Presse berichtet in ihrer heutigen Ausgabe, dass Yukiya Amano, der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde, mit iranischen Vertretern wieder über den Zugang zu der Forschungsanlage Parchin verhandeln werde. Die IAEA vermutet, dass „der Iran dort an Atomwaffen gebastelt habe, zuletzt aber Spuren verwischen wollte.“ Obwohl vor nicht allzu langer Zeit noch über angeblich wesentliche Fortschritte in den Verhandlungen über Parchin…

Wochenbericht, 28.5. bis 3.6.2012

Das dominierende Thema der Nahostberichterstattung österreichischer Tageszeitung war in der letzten Woche das Blutvergießen in Syrien. Das Massaker von Houla, bei dem über 100 Menschen getötet wurden, hat zwar allerorten Empörung, aber keinen russischen Kurswechsel ausgelöst. In Österreich verstand Verteidigungsminister Darabos derweil die Aufregung über seine Israel-Aussagen nicht – und bekam erklärt, warum sein „lupenreiner Antifaschismus“ wenig wert ist. Allgemeiner…

Als „besonderes Ärgernis“ …

Als „besonderes Ärgernis“ bezeichnete Helmar Dumbs das unlängst veröffentlichte Buch von Michael Lüders über den Atomstreit mit dem Iran. Einen Krieg gegen den Iran verhindern zu wollen, sei ein ehrenwertes Ziel, doch verfolge Lüder dieses mit „völlig untauglichen, ja geradezu kontraproduktiven Mitteln“. Hätte er „die Absicht gehabt, das Lager der Kriegsgegner des Iran nach Kräften zu diskreditieren, er hätte es…

DER UNTERSCHIED

Thomas Seifert beschreibt in seinem Presse-Kommentar ein Gespräch, das vergangenen April im Holocaust-Museum in Los Angeles zwischen US-Präsident Obama und dem Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel stattgefunden hat. Demnach erklärte Obama, die Verhinderung von Massenmorden sei ein Kerninteresse der Vereinigten Staaten. „Deshalb“ so der Präsident, „haben wir Flugzeuge gegen Muammar al-Gaddafi geschickt“, worauf Wiesel konterte: „Warum ist Assad noch an der Macht?“ Hier…

Unverbrüchliche Schönwettersolidarität

In der Presse berichtet Susanne Knaul über die Israel-Reise des deutschen Bundespräsidenten: „Joachim Gauck steht zu Israel“. Demnach habe Gauck „bei seinem Besuch ein klares Bekenntnis zur Solidarität mit Israel“ abgelegt. „Deutschland und Israel seien enger verbunden als jemals zuvor, durch gemeinsame Werte, aber auch durch gemeinsame Interessen“. In ihrem Bericht hat Knaul allerdings den entscheidenden Punkt weggelassen: Gauck hat…

Wochenbericht, 21.5. bis 27.5.2012

Nach zwei Wochen, in denen der Nahe Osten in der Berichterstattung österreichischer Tageszeitungen eine eher bescheidene Rolle gespielt hat, sorgten drei Themen dafür, dass er in den vergangenen sieben Tagen in den Medien prominent vertreten war: die Präsidentschaftswahlen in Ägypten, die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm in Bagdad sowie die Fortsetzung der Debatte über die umstrittenen Äußerungen von Verteidigungsminister Darabos…