War da was?
Als im Jänner ein iranischer Atomwissenschaftler in Teheran durch die Explosion einer an seinem Wagen angebrachten Sprengladung ums Leben kam, berichteten österreichische Zeitungen ausführlich über diesen Anschlag. Seit Anfang dieser Woche werden wir nun Augenzeugen einer regelrechten Terrorserie gegen israelische Ziele. Der Unterschied in der Berichterstattung ist beachtlich. Am Montag…
Positive Reaktion
In einer Zuschrift an den Kurier kritisierte MENA vorgestern, dass Dominik Sinnreich in seinem Kommentar eine Israelreise von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in eine Reihe mit Reisen von FPÖ-Funktionären zu Diktatoren wie Saddam Hussein, Muammar al-Gaddafi oder Ramsan Kadyrow stellte. Sinnreich reagierte auf diese Kritik sehr rasch und gab MENA recht, dass…
Wochenbericht, 6.2. bis 12.2.2012
Die Nahostberichterstattung österreichischer Tageszeitungen stand in den letzten sieben Tagen eindeutig unter dem Eindruck des andauernden Blutvergießens in Syrien. Während die Zahl der insgesamt veröffentlichten Artikel über die Region mit 212 auf einem vergleichsweise hohen Niveau blieb, beschäftigten sich über vierzig Prozent der Beiträge mit den aktuellen Horrormeldungen aus Damaskus…
Welche "Tradition"?
Sehr geehrte Kurier-Redaktion, Dominik Sinnreich spricht im heutigen Kurier im Zusammenhang mit der Tschetschenienreise von FPÖ-Funktionären zu Recht über den seltsamen „Hang zu Despoten“, der die Freiheitlichen seit den Tagen Jörg Haiders prägt, eine Tradition, zu der Besuche bei Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi gehören. Doch dann schreibt Sinnreich: „FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat…
MAHMUD GRATULIERT ABBAS
Wie der Standard berichtet, mehren sich insbesondere in den Reihen der Hamas im Gazastreifen die Proteste gegen das „Versöhnungsabkommen“ zwischen den tief verfeindeten Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas. Der Vereinbarung zufolge soll Mahmud Abbas den vom Westen unterstützten, von den Islamisten aber vehement abgelehnten Salam Fayyad als Premierminister einer Einheitsregierung ablösen. Das widerspricht allerdings dem…
Falsche Ausgewogenheit
In der Kleinen Zeitung berichtet Gil Yaron unter der dramatischen Überschrift „Bombardiert Israel im Juni den Iran?“ über die neuesten Entwicklungen im Streit um das iranische Atomwaffenprogramm. (Kleine Zeitung, 4. Feb. 2012) „Die Spannungen zwischen Jerusalem und Teheran“, so lässt er uns wissen, „erreichen einen neuen Höhepunkt“. Denn diese Woche sei „auf…
Wer schiebt wohin?
Im Standard widmete sich Gudrun Harrer gestern dem Neuorientierungsprozess, den die palästinensische Hamas in diesen Wochen vollzieht: Die Umbrüche in der arabischen Welt haben eine Stärkung des sunnitisch-islamistischen Spektrums zur Folge. Damit ist für die Hamas der Zeitpunkt gekommen, sich aus der engen Verbindung mit dem Iran, mit Syrien und…
Wochenbericht, 23.1. bis 29.1.2012
Unser letzter Wochenbericht begann mit der Feststellung, dass die Nahostberichterstattung österreichischer Zeitungen in den letzten Wochen einer Hochschaubahnfahrt glich: Auf einen massiven Anstieg der Zahl der veröffentlichten Beiträge in einer Woche folgte sogleich ein ebenso großer Rückgang in der nächsten. Wie zum Beweis dessen erlebten wir in dieser Woche wieder…
EIN GLÄNZENDES VORBILD
Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ veröffentlicht alljährlich einen „Index der Pressefreiheit“. Der aktuelle Report beinhaltet einige erwartbare Resultate – kaum jemand wird darüber erstaunt sein, im Länderranking Staaten wie Syrien, den Iran, Nordkorea oder China auf den letzten Plätzen zu finden. Platz 148 von 179 wird übrigens von der Türkei belegt, die…
Immer gelassen bleiben
Analysiert man die profil-Berichterstattung über die Umwälzungen in der arabischen Welt, lassen sich mehrere Phasen identifizieren. In Phase 1 herrschte Euphorie über die Proteste und im Einklang mit einem großen Teil der übrigen Medienwelt wurden all jene, die vor einem Siegeszug der Islamisten warnten, als Panikmacher und ewig-gestrige Kulturkämpfer denunziert. Als…
Diplomatie und Sanktionen
Im Standard plädiert Anne-Marie Slaughter dafür, im Konflikt um das iranische Atomprogramm ein „Ausstiegsszenario“ zu suchen, „das alle das Gesicht wahren lässt.“ Verschärfte Sanktionen gegen den Iran hätten nicht die erwünschte Wirkung gehabt, daher sei es jetzt an der Zeit, dass „sich kühlere Köpfe mit einer Strategie durchsetzen, die Iran…
Wochenbericht, 16.1. bis 22.1.2012
Die Berichterstattung österreichischer Zeitungen über den Nahen Osten gleicht in den letzten Wochen einer Hochschaubahnfahrt. Sah die Vorwoche ein Anwachsen der Zahl der relevanten publizierten Beiträge um knapp 30 Prozent, so war diese Woche mit einem Rückgang der Gesamtzahl um über 37 Prozent (von 239 auf 150) das genaue Gegenteil…
Letztklassige Karikatur
Sehr geehrte Redaktion der Kleinen Zeitung, betrachtet man die Zeichnungen Ihres Karikaturisten Petar Pismestrovic über das iranische Atomwaffenprogramm, kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus. Am 4. Dezember 2011 zeigte sein Cartoon den iranischen Präsidenten Ahmadinejad als Krampus, der mit seiner Rute zwei Figuren vor sich her treibt. Die…
Über Selbstverständliches
Im ORF-Kulturmontag leitete Martin Traxl einen Beitrag über den palästinensischen Intellektuellen Sari Nusseibeh mit den Worten ein: „Er hat sich stets gegen Selbstmordattentate ausgesprochen“. Es nicht gutzuheißen, wenn Terroristen in einer Warteschlange vor einer Diskothek oder in einer Pizzeria ein Blutbad anrichten, sollte im Grunde nicht als hervorragende Leistung gelten, sondern…
Wochenbericht, 9.1. bis 15.1.2012
Im Vergleich zur Vorwoche ist die auffälligste Entwicklung der Nahostberichterstattung der von MENA regelmäßig ausgewerteten österreichischen Tageszeitungen der sprunghafte Anstieg der Gesamtzahl der veröffentlichten Beiträge von 183 auf 239 – eine Steigerung von knapp über dreißig Prozent. Wenig verändert hat sich dagegen im Hinblick auf die Länder, die die Berichterstattung…
Das israelische "Regime"
Sehr geehrte Redaktion der Kleinen Zeitung, würden Sie im Zusammenhang mit den Grünen in Österreich von einer „regimekritischen Partei“ sprechen? Vermutlich nicht, denn dem Duden-Fremdwörterbuch zufolge ist ein „Regimekritiker“ jemand, „der an dem [totalitären] Regime seines Landes aktiv Kritik übt.“ In einem demokratischen Land wie Österreich können Parteien, Medien oder NGOs…
ENTBEHRLICH BIS ZUM SCHLUSS
Wie die Presse heute berichtet, hat Mohammed ElBaradei seine Kandidatur für die ägyptischen Präsidentschaftswahlen zurückgezogen. Er „zeigte sich enttäuscht über die Entwicklung seines Landes“, der Militärrat verhalte sich, „als ob es keine Revolution gegebene hätte“, und er selbst wolle „nicht als Präsidentschaftskandidat in einem nicht wirklich demokratischen System auftreten.“ Noch bei seinem…
Der allmächtige Mossad
Seit in Teheran erneut ein am iranischen Atomprogramm beteiligter Wissenschaftler bei der Explosion einer an seinem Auto angebrachten Bombe ums Leben kam, laufen die Spekulationen über die möglichen Hintergründe und Verantwortlichen der Attentate auf Hochtouren. Nicht nur iranische Offizielle geben sich überzeugt, dass es nur den einen üblichen Verdächtigen gibt:…
Ein paar einfache Regeln
Wenn Tessa Szyszkowitz im profil über den israelisch-palästinensischen Konflikt schreibt, folgt sie einigen wenigen, im Grunde einfachen Regeln, die, zusammen genommen, ein höchst tendenziöses Bild der Lage zeichnen. Berichtet Szyszkowitz aus den palästinensischen Gebieten, geht es darum, klarzumachen, dass die Schuld am Fortdauern des Konflikts bei den Israelis im Allgemeinen und israelischen…
Wochenbericht, 2.1. bis 8.1.2012
Im Unterschied zu den letzten Wochen, in denen vielfach ein einzelnes Land oder Ereignis die Berichterstattung österreichischer Zeitungen über den Nahen Osten dominierte, bot diese Woche ein anderes Bild. In den Ländern, über die am meisten berichtet wurde, waren es immer mehrere unterschiedliche Themen, die das mediale Interesse erweckten. Das…
Ein "profunder Kenner" des Nahen Ostens: Michael Lüders
Als die Moderatorin der ZiB2 nach einem Bericht über die jüngsten Entwicklungen in der Auseinandersetzung zwischen dem Iran und dem Westen einen aus Berlin zugeschalteten „profunden Kenner der Region“ begrüßte, blieben eigentlich nur mehr drei mögliche Interviewpartner übrig: Volker Perthes, Udo Steinbach und, last but not least, Michael Lüders. Wer…