Zuvor war es – nach einem ähnlichen Vorfall im August – erneut zu Angriffen arabischer Syrer auf heimkehrende kurdische Binnenvertriebene im Nordwesten des Landes gekommen.
Die syrische Regierung sei dafür verantwortlich, ein sicheres Umfeld für ethnische und religiöse Minderheiten zu schaffen, erklärte die stellvertretende Sprecherin von UN-Generalsekretär Antonio Guterres gegenüber Rudaw. Zuvor war es am selben Tag zu einem Vorfall gekommen war, bei dem ein Mob kurdische Binnenflüchtlinge angriff, die in ihre Heimatstadt im Norden des Landes zurückkehrten.
»Es ist wichtig, dass sich alle Nationalitäten, religiösen und ethnischen Minderheiten in Syrien in ihrem Land sicher fühlen«, antwortete Daniela Gross De Almeida am Montag auf eine Frage zur Haltung der UN zu einem Vorfall in Tel Abyad (kurdisch: Gri Spi). Bei diesem wurden kurdische Binnenvertriebene angegriffen, als sie in ihre Heimat zurückkehrten, nachdem sie sieben Jahre zuvor infolge der türkischen Offensive in der Region im Jahr 2019 worden waren. »Es liegt in der Verantwortung der [syrischen] Übergangsbehörden, dafür zu sorgen, dass dies der Fall ist«, bekräftigte die UNO-Sprecherin.
Bereits der zweite Vorfall
Bei dem Angriff in Tel Abyad waren am Montag mehr als hundert kurdische Familien über acht Stunden lang im Verwaltungsgebäude des Bezirks eingeschlossen, nachdem sie von Randalierern attackiert worden waren. »Wir sind derzeit im Gebäude der lokalen Verwaltung belagert. Überall um uns herum ist Rauch. Das ist es, was wir gerade durchmachen«, war in einem der in den sozialen Medien kursierenden Videos eine nicht identifizierte Person zu hören.
Die Familien waren auf Bitte des Verwaltungsdirektors von Telo Abyad in ihre Heimat zurückgekehrt, um nach sieben Jahren der Vertreibung Dokumente vorzulegen, die ihr Eigentumsrecht an ihren Häusern und Grundstücken belegen, teilte das Komitee für Vertriebene vor Ort mit. Die belagerten Familien hielten sich von 10:00 Uhr bis etwa 18:30 Uhr im Gebäude auf, als Sicherheitskräfte am Ort des Geschehens eintrafen.
Zudem wurden Randalierer dabei beobachtet, wie sie Fahrzeuge umstürzten und in Brand setzten. Eine syrische Menschenrechtsbeobachtungsstelle schätzte, dass bei dem Vorfall etwa zwanzig Autos der Rückkehrer entweder verbrannt oder beschädigt wurden. Einer der Betroffenen erklärte, dass die Randalierer »Allahu Akbar« skandierten, als sie sich dem Konvoi näherten, dabei Beleidigungen ausstießen und riefen: »Ihr seid Schweine.« Dies ist eine unter Islamisten beliebte Abwertung von Kurden, die mit den im Islam als unrein geltenden Tieren glwichgesetzt werden. »Anfangs waren nur wenige Sicherheitskräfte vor Ort, doch später trafen weitere Kräfte aus Raqqa ein und brachten uns sicher von dort weg«, erzählte der Rückkehrer.
Unterdessen erklärten die Kräfte für innere Sicherheit in der Provinz Raqqa, die für Tel Abyad zuständig sind, solche Handlungen »untergraben die Sicherheit und Stabilität und schädigen das Eigentum der Bürger«. Die Sicherheitskräfte kündigten an, sie würden »daran arbeiten, die Beteiligten zu ermitteln und sie gemäß den geltenden Gesetzen und Vorschriften zur Rechenschaft zu ziehen.« Sie riefen zur Zurückhaltung gegenüber jeglichen Handlungen auf, die den »zivilen Frieden« bedrohen.
Der Angriff ist bereits der zweite Vorfall dieser Größenordnung, dem kurdische Binnenflüchtlinge ausgesetzt waren. Ein Konvoi, der eine Gruppe kurdischer Binnenflüchtlinge aus Ras al-Ayn (kurdisch: Sare Kane) in ihre Heimat zurückbrachte, wurde im August ebenfalls von Randalierern angegriffen. Auch aus Ras al-Ayn kam es im Zuge der türkischen Offensive im Jahr 2019 zu einer Massenflucht kurdischer Einwohner. Berichten zufolge verlangen die dort mittlerweile angesiedelten arabischen Syrer durchschnittlich 10.000 US-Dollar, um die von ihnen besetzten Häuser zu räumen.
