Inszenierung als Wohltäterin: Syriens ehemalige First Lady Asma al-Assad

Die Assads zu Besuch bei Ex-Bundespräsident Heinz Fischer und seiner Frau in Wien

Laut aktuellen Recherchen war die Frau von Diktator Bashar al-Assad viel tiefer in den Machtapparat und seine Verbrechen verstrickt als bisher allgemein angenommen.

Arvid Vormann

Asma al-Assad, die ehemalige First Lady des syrischen Regimes, das für furchtbare Menschenrechtsverbrechen und Hunderttausende Tote verantwortlich ist, wird in ihrer britischen Heimat nicht einmal per Haftbefehl gesucht. Dabei war sie vermutlich tief in den Machtapparat verstrickt und spielte eine weit größere Rolle als bisher allgemein angenommen. Das legen umfangreiche Recherchen der Zeitung The Observer nahe.

Asma, die sich in ihrer Jugend selbst Emma nannte, wird von allen Seiten als ehrgeizig, inspirierend, polyglott und blitzgescheit beschrieben, dazu noch blendend aussehend und charismatisch, während ihr kinnloser Gatte Bashar eher als tumber, antriebsloser Geselle wahrgenommen wurde, geistlos bis ins Mark. (Dazu passen Berichte darüber, wie er sich derzeit im Moskauer Exil die Zeit mit Computerspielen vertreibt.) Es heißt, er habe sich in sämtlichen Angelegenheiten mit der »sitt« (Lady) abgestimmt und nichts sei ohne ihre Zustimmung erfolgt. Im herrschaftlichen Umfeld sei das unter vorgehaltener Hand von manchen als ungehörig empfunden worden.

Zudem dirigierte Asma ein landesweites informelles Netzwerk von Leuten, die ihr direkt unterstanden. Nach dem Sturz von Rami Makhlouf, dem schwerreichen Cousin des Präsidenten, war es die gelernte Investment-Bankerin, die immer weitere Teile der kleptokratischen Narko-Wirtschaft des Regimes kontrollierte. Der syrische Journalist Yazigi erklärt: »[Sie] war eine Gangsterin. Männer wurden verhaftet und sogar gefoltert. Sie setzte Geschäftsleute unter Druck, ihr Unternehmen abzugeben. Diejenigen, die sich ihren Forderungen nicht beugten, wurden angeblich unter Druck gesetzt, ihre Fabriken wurden geschlossen und ihre Konten gesperrt, oder sie wurden der Steuerhinterziehung beschuldigt.«

Zentrale Rolle

Asma al-Assad hatte auch maßgeblichen Einfluss auf die Verteilung humanitärer Hilfsleistungen. Dass ein erheblicher Teil davon veruntreut oder vom Regime abgeschöpft wurde, war auch den Vereinten Nationen bekannt. Über Jahre wurde dokumentiert, wie das Regime internationale Hilfen kontrollierte, umlenkte und zur politischen Disziplinierung der Bevölkerung nutzte. Internationale Organisationen mussten vielfach unter Bedingungen arbeiten, die von der Regierung diktiert wurden.

Dennoch entschied man sich bei der UNO – wie praktisch immer in solchen Fällen –, dass man das in Kauf nehmen müsse, um wenigstens einigen der Notleidenden zu helfen. Dies ist eine Politik, die Symptome behandelt, während sie zugleich jene Machtverhältnisse mit absichert, welche die humanitäre Katastrophe erst hervorgebracht haben.

Auch bei der Entführung unzähliger Kinder von Oppositionellen durch die Geheimdienste des Regimes spielte die »sitt« offenbar eine zentrale Rolle. Viele dieser Kinder wurden mit falscher Identität in die unter ihrer Schirmherrschaft geleiteten Waisenhäuser verbracht und dort versteckt, obwohl sie Angehörige hatten, die nach ihnen suchten. Manche landeten auch in Einrichtungen der Organisation SOS-Kinderdorf, zu der Asma intensive Kontakte unterhielt.

Bereits 2006 suchte der damalige Vorsitzende des Dachverbands den syrischen Machthaber auf. 2009 folgte dann Asmas glamouröser Besuch eines Kinderdorfs in der Nähe von Wien, bei dem sie auch mit der damaligen österreichischen First Lady Margit Fischer zusammentraf. Gern zeigte die Frau des syrischen Diktators sich dort als engagierte Wohltäterin, umringt von fröhlichen Kindern. Der Spiegel berichtete: »Eine junge Frau, die als Kind von Gefangenen im SOS-Kinderdorf in Damaskus war, sagt: ›Mir kam es so vor, als würde dieser Ort Asma al-Assad gehören.‹«

Während Bashars Unterschrift auf zahlreichen inkriminierenden Dokumenten zu finden ist, dürfte sich eine strafrechtliche Verantwortung Asmas schwerer gerichtsfest belegen lassen. Die Recherche des Observer zeigt indes, dass die Indizien überwältigend sind.

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