Die großspurigen Ankündigungen eines Verwaltungskomitees für Gaza haben für Skepsis und Spott unter Anti-Hamas-Aktivisten und Bewohnern der Küstenenklave gesorgt.
Mohammed Altlooli
Nach der Ankündigung eines neuen, in Kairo gebildeten Verwaltungskomitees für den Gazastreifen lobten sowohl die Fatah als auch die Hamas die Initiative umgehend und präsentierten sie als »verantwortungsvollen Schritt« zur Organisation der zivilen Angelegenheiten. Die Reaktion der Bevölkerung im Gazastreifen hingegen war von tiefer Skepsis und mangelndem Vertrauen geprägt; die Ankündigung wurde schnell zum Gegenstand von Spott in den sozialen Medien.
Laut mehreren auf Facebook verbreiteten Meldungen sprach eine mit der Ankündigung in Verbindung stehende Person unter dem Decknamen »Shaat« über ehrgeizige und unrealistische Zukunftsprojekte, darunter den Bau künstlicher Inseln im Meer. Gleichzeitig vermied die Quelle es völlig, die Kernprobleme anzusprechen, die das tägliche Leben der Menschen direkt betreffen – insbesondere die Waffen der Hamas, an denen sie festhalten möchte, und die fest verwurzelten militärischen Fraktionen, die seit Jahrzehnten ein Haupthindernis für politische Stabilität und eine zivile Regierungsführung darstellen.
Der in New York lebende politische Dissident Mohammad al-Sawalmeh bezeichnete das Komitee als nichts anderes als einen »Medien-Gag«. Er argumentierte, dass es das Vertrauen der Bewohner nicht gewinnen könne, solange es sich nicht mit der Entwaffnung der Hamas oder der Auflösung ihrer militärischen Vorherrschaft befasse. Al-Sawalmeh warnte, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen die gezielten Tötungen von Hamas-Mitgliedern durch Israel fortgesetzt werden, während die Zivilbevölkerung unter ständigem Druck stehen wird, in sogenannte »Sicherheitszonen« umzusiedeln. Diese Dynamik, so sagte er, halte die Bevölkerung in einem Teufelskreis gefangen, in dem die Zivilbevölkerung stets den höchsten Preis zahlt.
Seine Position widerspiegele keine isolierte Meinung, so al-Sawalmeh, sondern die Ansichten eines breiten Teils der Bevölkerung des Gazastreifens. Nur wenige äußern solche Ansichten öffentlich; sei es aus Furcht vor Vergeltungsmaßnahmen der Hamas oder weil ihr Alltag davon geprägt sei, sich in langen Hilfsgängen um Grundbedürfnisse wie Brot, Wasser und Linsen kümmern zu müssen, sodass ihnen wenig Raum für politisches Engagement über das reine Überleben hinaus bleibe.
Radikaler Wechsel nötig
Für die Bewohner des Gazastreifens bleibt die Zukunft ungewiss. Immer deutlicher wird jedoch, dass die herrschenden politischen Parteien, Fraktionen und Regierungsbehörden mehr an ihrem Machterhalt interessiert sind, als die Interessen der Zivilbevölkerung zu verteidigen. Hätten diese Kräfte wirklich das Wohlergehen der Menschen im Auge, so argumentieren viele im Gazastreifen, hätte sich eine öffentliche Unterstützung entwickelt und hätte nicht durch Angst und Gewalt erzwungen werden müssen.
Beobachter stellen fest, dass die Lage der Bevölkerung nicht von der extremen Erschöpfung, dem Trauma und der Trauer getrennt werden kann, die durch Jahre der Repression, des Kriegs und des Verlusts verursacht wurden. Die Zerstörung in den von der Hamas geführten Kriegen, insbesondere die Ereignisse vom 7. Oktober 2023, hat das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht unter den Bewohnern vertieft, die sich sowohl ihrer Sicherheit als auch ihrer Vertretung beraubt fühlen.
Einige von ihnen gaben in privaten Aussagen an, jene Ära zurück zu wünschen, in der Jerusalem die Küstenenklave administrativ, sicherheitspolitisch und zivil verwaltet hat. Damals war Israel aufgrund seiner direkten Kontrolle zumindest verpflichtet, die Bevölkerung mit grundlegenden Dienstleistungen zu versorgen. Ein Einwohner bemerkte, der Konflikt hätte vor der Ankunft der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Hamas weit weniger Opfer gefordert: Die Auseinandersetzungen waren begrenzt und das tägliche Leben war zwar hart, funktionierte aber dennoch.
Viele fragen sich, woher Al-Sawalmeh, der für seine unverblümte Kritik an der Hamas in den sozialen Medien bekannt ist, seine Kühnheit nimmt. Al-Sawalmeh selbst erklärte, für die schweigende Mehrheit, für diejenigen, die Vergeltungsmaßnahmen fürchten, zu sprechen: »Selbst ein minimales öffentliches Engagement gibt mir Sicherheit, denn ich erhalte jeden Tag Hunderte von privaten Nachrichten von Menschen im Gazastreifen, die sich nicht offen äußern können, aber bestätigen, dass meine Ansichten ihre Realität widerspiegeln.«
In diesem Zusammenhang argumentieren viele Analysten, dass die heutige Tragödie im Gazastreifen weniger das Ergebnis externer Konflikte ist als das Resultat einer internen politischen und militärischen Struktur, die sich zunehmend vom Leiden der Zivilbevölkerung abgekoppelt hat und unter dem Banner des »Widerstands« die Entscheidungsgewalt monopolisiert, ohne Rechenschaft abzulegen oder echte öffentliche Zustimmung einzuholen.
Mohammed Nafez Altlooli ist Autor und Friedensaktivist. Er war als Koordinator für zivile Angelegenheiten tätig und ist eine führende Persönlichkeit in der von Jugendlichen geführten Bewegung Bedna Na’eesh (»Wir wollen leben«) im Gazastreifen. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Bekämpfung extremistischer Ideologien sowohl im Nahen Osten als auch im Westen.
