Assad ließ Massengrab verlegen

Noch immer werden in Syrien neue Massengräber des Assad-Regimes entdeckt

Um besser vor der Weltöffentlichkeit dazustehen, riet Russland dem syrischen Diktator Baschar al-Assad, seine Menschenrechtsverbrechen zu vertuschen.

In Syrien wurden seit dem Sturz des früheren Präsidenten Baschar al-Assad zahlreiche Massengräber entdeckt, in denen das Regime seine politischen Gegner verschwinden hat lassen. Nun wurde von der Nachrichtenagentur Reuters eine selbst für syrische Verhältnisse extrem perfide Geschichte aufgedeckt: Zwischen 2019 und 2021 ließ das Regime quasi ein ganzes Massengrab verlegen.

Ursprünglich war in dem Ort Qutayfah unweit von Damaskus ein riesiges Massengrab angelegt worden, in dem, so die Vermutungen, bis zu 100.000 Leichen verscharrt wurden. Da der Ort jedoch ein wenig zu nahe an der Hauptstadt lag, lagerte das Regime später die Leichen in die Wüste aus.

Dies geschah auf Anraten russischer Berater, die Assad offenbar berichtet hatten, es gäbe gute Chancen, Syrien aus der internationalen Isolation herauszuholen. Ein ehemaliger syrischer Offizier erklärte Reuters, dass damals »die Russen dem Diktator (rieten), Beweise für weitverbreitete Menschenrechtsverletzungen zu vertuschen, ›vor allem Verhaftungen, Massengräber und Chemiewaffenangriffe‹«.

Also wurde die Aktion »Move Earth« ins Leben gerufen: Nacht für Nacht fuhren Lastwagen voller verwesender Leichen quer durch Syrien, um diese in einem neu angelegten Massengrab zu verscharren. So sollten Beweise zerstört werden, um das Assad-Regime, international gestützt durch Russland, besser dastehen zu lassen.

Offenes Geheimnis

Reuters schildert auch, wie es zuvor in Qutayfah zuging, einer Stadt, die sich immer unter Kontrolle des Regimes befand und schon sehr früh als Ort für Massengräber ausgewählt wurde: »Von mindestens 2013 bis 2018 wurden in Qutayfah sechzehn Grabgräben mit einer Gesamtlänge von mehr als 1,2 Kilometern ausgehoben, wie die Reuters-Analyse von Satellitenbildern und Drohnenaufnahmen ergab.« Transportierten Lastwagen Verhaftete aus Gefängnissen wie dem berüchtigten Sednaya, wurden alle Straßen für den restlichen Verkehr gesperrt. So sollen bis Ende 2018, also bis zur Intervention Russlands, Zehntausende von Leichen dort vergraben worden sein.

Natürlich wussten die in der Nähe lebenden Bewohner, was hier hin und her transportiert wurde. Es war in Syrien ein offenes Geheimnis – und damit Teil des staatlichen Terrors –, dass Menschen zumindest gerüchteweise von Massenexekutionen in Gefängnissen und den Grabanlagen gehört hatten. Als dann die Toten an den neuen Ort gebracht wurden, hörten und rochen sie, was vor sich ging. Zwei Jahre lang dauerte die Aktion: »Nach Jahren dieser Fahrten war die Ladung der Lastwagen für die Anwohner beider Standorte ein offenes Geheimnis, so ein Anwohner, der sich noch gut an den Geruch erinnern konnte. ›Jeder hat uns gesehen‹, sagte einer der Fahrer.«

Die letzte dieser Fahrten zur Umbettung der in Massengräbern Verscharrten fand im April 2021 statt. Geholfen haben diese Aktionen dem Präsidenten und seinem Regime am Ende nichts. Weder gelang es ihm und dem Kreml, die Isolation Syriens nachhaltig zu durchbrechen, noch retteten sie ihn längerfristig vor dem gewaltsamen Ende seiner Diktatur.

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