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Gastbeiträge

Hier finden Sie Beiträge, die MENA dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt worden sind.

 

Schon mehrfach hat MENA darauf aufmerksam gemacht, dass Medien oftmals über palästinensische Angriffe auf Israel nicht berichten, dafür aber sofort zur Stelle sind, sobald Israel sich gegen palästinensische Attacken zur Wehr setzt. Ein eindrückliches Beispiel für diese verzerrende Art der Berichterstattung bot zuletzt der Standard (sehen Sie dazu den MENA-Beitrag "Standard: Israel greift an"). Dass dieses Phänomen leider keineswegs nur auf Österreich beschränkt ist, zeigt der folgende Beitrag über die Berichterstattung in deutschen Medien, für den wir uns bei Ulrich W. Sahm herzlich bedanken.


 

Die Medien können nicht bis drei zählen
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 3. April 2013

Bei über 90.000 Toten in Syrien seit Beginn des Bürgerkriegs, über 6.000 allein im vergangenen Monat, ist es für den deutschen Medienkonsumenten lebenswichtig, die genaue Zahl der von Hamas und Israel aufeinander geschossenen Raketen zu erfahren, auch wenn dabei niemand verletzt worden ist. Scud-Raketen auf die eigene Bevölkerung in Syrien zählt keine Nachrichtenagentur.

Die Darstellungen zu dem Raketenbeschuss „militanter Palästinenser“ und dem israelischen Luftangriff auf den Gazastreifen bezeugen die verdrehte Sicht des Kriegsgeschehens in deutschsprachigen Medien.

„Extremisten“ haben aus dem von der „radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas kontrollierten Gebiet“ (so Spiegel und Welt) am Dienstag zwei Raketen auf den Süden Israels abgeschossen. Als Reaktion habe die israelische Luftwaffe erstmals seit dem Waffenstillstand im November 2012, je nach Quelle einen, mehrere oder drei Angriffe auf Ziele im Gazastreifen geflogen.

Spiegel titelt: „Gazastreifen: Israel und Hamas brechen den Waffenstillstand“. Die Chronologie hätte eigentlich eine umgekehrte Reihenfolge erfordert, also „Hamas und Israel“. Und wieso steht da „Gazastreifen“, obgleich doch Raketen in Israel einschlugen? Die Welt titelt: „Israelische Luftwaffe schlägt gegen Gaza zurück“. Die Hamas kommt nicht vor, und die Juden beweisen wieder ihre seit Martin Luther legendäre Rachsucht, gemäß dem biblischen Prinzip „Auge um Auge“. Das steht da nicht, aber wer sich mit Juden auskennt, weiß genau, was gemeint ist. n-tv.de titelt: „Israel reagiert auf Raketenbeschuss. Nahost-Waffenruhe gebrochen“ Wer nur Überschriften liest, erfährt, dass Ufos Israel mit Raketen beschossen haben. Da Hamas nicht erwähnt wird, bleibt die Erkenntnis, dass allein Israel die „Nahost-Waffenruhe“ bricht, indem es reagiert. Auf die Spitze treibt es die Schweizer NZZ: „Trotz Waffenruhe im Nahen Osten. Israel greift wieder Ziele in Gaza an“ Die bösen Israelis, ohne Grund, „trotz Waffenruhe“, also reine Kriegslust. Der erste Satz im dpa-Bericht dort: „Die israelische Luftwaffe hat erstmals seit der Waffenruhe vom November wieder einen Angriff auf den Gazastreifen geflogen.“

Beim weiteren Lesen kommt die Versuchung, bis drei zu zählen. Spiegel: „Flugzeuge hätten ein Gebiet im Norden des Küstenstreifens bombardiert“, und wenige Sätze weiter: „Nach Angaben der Palästinenser trafen die drei Raketen unbewohntes Gebiet.“ Welche „drei Raketen“? Welt: „bombardierten mehrere Ziele“, dann kommen „drei Angriffe“.

Verwirrung auch beim Hamas Raketenangriff. Angeblich ist „laut der israelischen Polizei eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete im Süden Israels nahe Aschkelon eingeschlagen“, aber Salafisten bestätigten afp, zwei Raketen abgeschossen zu haben. Befindet sich die zweite Rakete etwa noch in der Luft? Obgleich drei Quellen die afp-Meldung verwendeten, hat Spiegel die Salafisten wegzensiert. Etwa weil die in Deutschland Koran-Exemplare verteilen, um die Religion des Friedens vorzustellen?

Spiegel: „Militante Palästinenser hatten das Abkommen bereits im Februar gebrochen und aus dem Gaza-Streifen eine Rakete auf Israel gefeuert.“ Spiegel erwähnt nicht, ob die erwähnten Militanten linksliberal oder rechtsextremistisch sind, wie bei der Nennung israelischer Politiker. Seit November wurde also nur im Februar „eine Rakete“ abgefeuert. In dem vom Spiegel mitgelieferten Link steht jedoch gemäß übereinstimmenden Agenturberichten: „...hatten Palästinenser bereits in der Nacht zum Sonntag drei Flugkörper abgefeuert, die aber israelisches Gebiet nicht erreicht hatten.“ Nach Adam Riese wurden also vier Raketen abgefeuert, obgleich nur eine getroffen hat.

Die Agenturen verwalten bekanntlich die Wahrheit in der Welt, selbst wenn sie „übereinstimmend“ Falsches melden und sich widersprechen.

Die „militanten Palästinenser“ halten sich anerkennenswert zurück, wenn sie seit und trotz Waffenstillstand nur im Februar „eine“ Rakete (und nicht vier) auf Israel abgefeuert haben. Doch Spiegel verlinkt den März: „Während Obama-Besuch: Raketen aus dem Gaza-Streifen treffen Israel“ Im Text heißt es: „Militante Palästinenser feuerten mindestens vier Raketen aus dem Gaza-Streifen in Richtung Südisrael.“ Das wären weitere vier (plus vier im Februar, macht schon acht) abgefeuerte Raketen. Zwei Raketen schlugen in Israel ein. „Die beiden anderen Raketen hätten das israelische Gebiet nicht erreicht und seien noch innerhalb des Gaza-Streifens niedergegangen.“ Woher die übereinstimmenden Agenturen wissen, dass zwei der Raketen im Gazastreifen niedergegangen seien, wird nicht erwähnt. Denn zufällig entdeckten die Israelis am Dienstag in einem Kindergarten in Sderot eine (dritte) explodierte Rakete. Die wurde erst jetzt bemerkt, weil der Kindergarten wegen der Osterferien geschlossen war.

Es fragt sich also, wieso der Spiegel nicht einmal bis drei zählen kann und in seinem Bericht nur Februar erwähnt, aber den Raketenbeschuss im März während des Obama-Besuchs unterschlägt, trotz beigefügtem Link.

Alle Angaben stammen allein aus den deutschen Medienberichten und wurden nicht mit der Wirklichkeit in Nahost abgeglichen. Mörserbeschuss und andere Waffenstillstandsverletzungen wurden völlig unterschlagen.

(C) Ulrich W. Sahm

 


 

Als „besonderes Ärgernis“ bezeichnete Helmar Dumbs das unlängst veröffentlichte Buch von Michael Lüders über den Atomstreit mit dem Iran. Einen Krieg gegen den Iran verhindern zu wollen, sei ein ehrenwertes Ziel, doch verfolge Lüder dieses mit „völlig untauglichen, ja geradezu kontraproduktiven Mitteln“. Hätte er „die Absicht gehabt, das Lager der Kriegsgegner des Iran nach Kräften zu diskreditieren, er hätte es nicht besser machen können.“ (Presse, 2. Juni 2012) In einer in der deutschen Wochenzeitung Jungle World (Nr. 23/2012) erschienenen Rezension zeigt Stephan Grigat, dass über Lüders und sein Machwerk noch sehr viel mehr zu sagen ist. Mit freundlicher Genehmigung des Autors kann MENA diese Besprechung als Gastbeitrag wiederveröffentlichen.



Der Günter Grass der Politikwissenschaft

Der »Nahostexperte« Michael Lüders hat ein Iran-Buch geschrieben, das an Perfidie kaum zu überbieten ist.

von Stephan Grigat

Der Politik- und Islamwissenschaftler Michael Lüders hat das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die Friedrich-Ebert-Stiftung beraten. Er schreibt in fast allen wichtigen deutschsprachigen Zeitungen und wird von einer Fernsehsendung in die nächste gereicht. Nichtsdestotrotz schafft er es ein ganzes Buch lang, sich und seine Positionen als gesellschaftlich marginalisiert darzustellen. Allen Ernstes behauptet er, in Deutschland würden »die meisten Politiker und Meinungsmacher einem Irankrieg leichtfertig das Wort« reden.

Mehrfach beklagt er die »Dämonisierung der Islamischen Republik«. Als Beleg für diese aberwitzige Charakterisierung der deutschsprachigen Debatte über den Iran führt er die Vorwürfe gegen das iranische Regime an, es unterstütze terroristische Organisationen, baue an einer Atombombe und sabotiere den Friedensprozess im Nahen Osten. Das kann man nur verstehen, wenn man weiß, dass Lüders Hamas und Hizbollah, von denen er selbst schreibt, dass sie vom iranischen Regime unterstützt werden, offensichtlich nicht für terroristische Organisationen hält; dass er den sogenannten Friedensprozess nicht durch den vom Iran finanzierten antisemitischen Terror, sondern durch die »verfehlte« Politik Israels »sabotiert« sieht; und dass er an ein Atomwaffenprogramm des Iran erst dann glauben mag, wenn man ihm die »rauchenden Colts« zeigt, also wenn es zu spät ist, den Griff der Ayatollahs und der Pasdaran nach der Bombe zu verhindern.

Als besonders üble Form der »Dämonisierung« des iranischen Regimes gelten ihm die Hinweise auf den Märtyrerkult der Islamisten: »Kriegsapologeten konstruieren gerne eine ›Todessehnsucht‹ iranischer Schiiten«. Doch solche »›Todes­sehnsucht‹-Projektionen« seien »völlig unzutreffend« und »eine Vogelscheuche aus dem Fundus der Islamophobie«. Wenige Seiten später weist er jedoch selbst auf die Tausenden Freiwilligen hin, die genau wegen dieses Märtyrerkultes im Iran-Irak-Krieg als lebende Minenräumkommandos verheizt wurden – mit einem Plastikschlüssel um den Hals, der ihnen das Tor zum Paradies öffnen sollte. Wenig später warnt er vor »Zehntausenden«, die im Iran bereit stünden, um »als Selbstmordattentäter für ihr Land in den Tod zu gehen.«

Wie alle, die von einer »Dämonisierung« des Mullah-Regimes sprechen, beteiligt sich Lüders an der Verharmlosung des Khomeinismus. Die wiederholten und offenen Vernichtungsdrohungen gegen den Staat der Shoa-Überlebenden und ihrer Nachkommen werden bei ihm zu »unverantwortlicher Rhetorik«, die zu »Missverständnissen« einlade. Er analysiert den Hass auf Israel nicht als eines der zentralen Elemente der khomeinistischen Ideologie, sondern verniedlicht ihn zur »instrumentellen Dämonisierung«. Wer auf die Vernichtungsphantasien des iranischen Regimes und seiner Verbündeten hinweist, bekommt von Lüders »eine gehörige Portion projektiver Wahrnehmung« attestiert.

Ziel des iranischen Regimes sei nicht die »›Vernichtung‹ Israels«, sondern lediglich »ein neu zu schaffender Staat ›Palästina‹ ohne jüdische Vorherrschaft über Araber und Muslime.« Was natürlich eine viel schönere Umschreibung für die Zerstörung Israels ist als jene Worte des Generalstabschefs der iranischen Armee, Hassan Firouzabadi, der laut der vom iranischen Regime kontrollierten Nachrichtenagentur Fars News am 20. Mai ganz undiplomatisch »the full annihilation of the Zionist regime of Israel« abermals als Ziel der Islamischen Republik proklamierte, oder auch die erneute Klarstellung des Obersten Geistlichen Führers Ali Khamenei, der ebenfalls laut Fars News das »zionistische Regime« zum wiederholten Male als »cancerous tumor that should be cut and will be cut« bezeichnete.

Lüders behauptet in seiner Kampfschrift zum Wohle der Mullahs, es sei gar nicht erwiesen, dass die Machthaber in Teheran ein Nuklearwaffenprogramm betreiben. Redundant wiederholt er, dass man im Irak schließlich auch keine Massenvernichtungswaffen gefunden habe – und vergisst zu erwähnen, dass mit der IAEO heute genau jene Institution, die den USA vor dem Irakkrieg scharf und öffentlich widersprochen hat, nachdrücklich vor dem iranischen Atomprogramm warnt.

Lüders bietet das gesamte Arsenal der Schönrednerei auf: vom Verweis auf die im Iran lebenden Juden, von denen er fälschlicherweise behauptet, »die Grenzen der Freiheit«, denen sie sich ausgesetzt sehen, seien »dieselben, die auch für die übrigen Iraner gelten«, bis zur selektiven Bezugnahme auf die selektive Darstellung US-amerikanischer Geheimdienstberichte und die Äußerungen ehemaliger israelischer Geheimdienstler in deutschsprachigen Medien. Wo ihm die Verzerrung der Realität oder eine selektive Wahrnehmung nicht mehr weiterhilft, verlegt Lüders sich auf falsche Behauptungen, etwa wenn er wahrheitswidrig schreibt, das proisraelische American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) trete »für ein Großisrael ein« und stehe für die »prinzipielle Ablehnung eines palästinensischen Staates«. Hinsichtlich der Vorgeschichte der israelischen Staatsgründung phantasiert er: »Bereits in den 1920er Jahren setzte sich der sogenannte ›Revisionismus‹ innerhalb der jüdischen Frühgemeinschaft in Palästina durch.« Zur Erinnerung: Erst bei den Wahlen 1977 erhielt die ursprünglich als »revisionistisch« bezeichnete Strömung des Zionismus mit dem Wahlsieg Menachem Begins erstmals eine Mehrheit.

Die Hauptthese seines, wie es im Klappentext heißt, »mutigen Plädoyers« ist an Niedertracht kaum zu überbieten: »Der Krieg gegen den Iran ist in erster Linie Israels Krieg. Israels Führung und die Israel-Lobby wollen ihn.« Weil er diese Imagination, wonach die Kriegshetzer auf jüdischer Seite zu finden seien, einem für derartiges stets empfänglichen deutschsprachigen Publikum verkaufen möchte, muss er von sämtlichen Bemühungen Israels und seiner Unterstützer schweigen, seit der Regierungszeit von Jitzchak Rabin Anfang der neunziger Jahre die Welt davon zu überzeugen, dass das iranische Regime mit nichtmilitärischen Mitteln am Bau von Atombomben gehindert werden muss und vermutlich auch gehindert werden kann. Von besonderer Perfidie ist das, da Lüders sich selbst aktiv gegen alle nichtmilitärischen Maßnahmen gegen das Regime aus Ayatollahs und Pasdaran einsetzt.

Lüders sitzt im Beirat des Nah- und Mittelost-Vereins (NUMOV), einem der wichtigsten Unternehmenszusammenschlüsse, der bereits seit 1934 die Interessen der deutschen Wirtschaft in der Region vertritt. Insofern könnte man auch ohne Lektüre seines Bändchen wissen, was Lüders von Sanktionen gegen das iranische Regime hält: Sie seien »ein erkennbar falscher Schritt in die falsche Richtung«. In völliger Verdrehung der Realität behauptet er, die deutsche Iranpolitik der vergangenen Jahre sei »von vorauseilendem Gehorsam« gegenüber den Befürwortern scharfer Sanktionen geprägt gewesen. Er will seine Leser Glauben machen, die Bundesregierung unternehme »seit Jahren alles in ihrer Macht Stehende, um die wirtschaftliche Kooperation auf ein Minimum zu beschränken«. Deutsche Unternehmen haben aber trotz aller Sanktionen auch im vorigen Jahr Geschäfte mit dem Iran in einem Umfang von mehr als drei Milliarden Euro abgewickelt.

Lüders stößt sich am »Sonderstatus« Israels und will den Nahen und Mittleren Osten in eine »atomwaffenfreie Zone« verwandeln, was nichts anderes meint, als dass Israel sich seiner Abschreckungskapazitäten entledigen soll. Insofern ist es keine Überraschung, dass er bei seinen kurz gehaltenen Literaturempfehlungen so gut wie nichts von der deutsch- oder englischsprachigen Standardliteratur zum Iran erwähnt, seinen Lesern aber israelische Stichwortgeber für die ressentimentgeladene deutschsprachige Nahostdebatte wie Avraham Burg, Shlomo Sand und selbst noch den radikalen Antizionisten Ilan Pappe ans Herz legt, Evelyn Hecht-Galinskis Machwerk »Israel darf alles« empfiehlt und sich in seiner Argumentation auf eines der Lieblingsbücher aller Antisemiten stützt, auf Stephan Walts und John Mearsheimers Buch »Die Israel-Lobby«.

Lüders, der fast zehn Jahre lang als Nahostkorrespondent für die Zeit tätig war, unterstellt den von ihm Kritisierten eine »projektive Sicht auf die Wirklichkeit«, leidet aber offensichtlich selbst an Realitätsverlust, etwa wenn er meint, aktive Politiker würden in Deutschland »so gut wie nie offen Israel kritisieren«. Ähnlich wie bei Günter Grass artikuliert sich das Ressentiment gegen die Wehrhaftigkeit des Zionismus bei ihm in der Selbstinszenierung als heldenhafter Einzelkämpfer gegen einen imaginierten gesellschaftlichen Mainstream. Ganz so wie Grass wendet sich Lüders gegen die Lieferung deutscher U-Boote an Israel und wettert als verfolgende Unschuld gegen die »Nibelungentreue« des Rechtsnachfolgers des Nationalsozialismus gegenüber dem jüdischen Staat, gegen »Kriegsapostel« und gegen die »Jünger der Bewegung ›Israelkritik-ist-der-neue-Antisemitismus‹«. Und wie Grass will er das als Sorge um die Zukunft Israels verstanden wissen. Kein Wunder, dass solch ein Elaborat in Deutschland ein Verkaufsschlager ist und etwa von Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung als »ein exzellentes Buch« angepriesen wird.

Der Wirtschafts- und Politikberater setzt auf »Wandel durch Annäherung« und betont die »legitimen Sicherheitsinteressen« der khomeinistischen Diktatur, was nichts anderes bedeutet, als dass Lüders sich spielend damit abfinden kann, dass dieses Regime bis in alle Ewigkeit bestehen bleibt. Folgerichtig fordert er »Sicherheitsgarantien« für den Iran – also genau das, was die Machthaber in Teheran seit Jahren verlangen. Lüders baut sich einen Popanz auf, gegen den er wortgewaltig zu Felde zieht: Er behauptet, »die Befürworter des Irankrieges« gingen davon aus, eine militärische Intervention sei ein Spaziergang, außerdem würde das Regime gleich noch mitgestürzt und die iranische Freiheitsbewegung könne so die Macht erringen. Mit der Realität der israelischen Debatte über die Gefahren, die jegliches Vorgehen gegen die iranische Bedrohung mit sich bringt, hat diese ressentimenthafte Darstellung nichts zu tun. Vom Standpunkt des Beschützers des Völkerrechts geht es ihm um die Diskreditierung des Zionismus als kriegslüsterne »Großisraelideologie« und um die Delegitimierung der israelischen Selbstverteidigung. Um das zu erreichen, schweigt er nicht nur vom 20 Jahre währenden, weitgehend erfolglosen Bemühen der Israelis, die Welt von der Notwendigkeit eines konsequenten nichtmilitärischen Vorgehens gegen das iranische Nuklearwaffenprogramm zu überzeugen, sondern auch davon, dass das iranische Regime bereits seit 1979 Krieg führt: einen verdeckten gegen Israel, einen ganz offenen gegen die iranische Bevölkerung.

Michael Lüders: Iran: Der falsche Krieg. Wie der Westen seine Zukunft verspielt. C.H. Beck, München 2012, 175 Seiten, 14,90 Euro



DIE ÜBERSCHRIFTEN DES ORF

Im Folgenden ein Mailwechsel mit dem Kundendienst des ORF:

Gesendet: Sonntag, 26. Februar 2012, 11:00
An: Kundendienst ORF
Betreff: Falsche Überschrift

Sie schreiben in news.orf.at: "Israels Luftwaffe greift Gazastreifen an".
Korrekt wäre gewesen: "Palästinensische Terroristen feuern Raketen auf Israel".

MfG,
Ronaldo Böhmer

 

Gesendet: Montag, 27. Februar 2012, 09:26
Betreff: AW: Falsche Überschrift

Sehr geehrter Herr Böhmer,

offenbar sehen Sie in dem Titel eine Insinuierung einer Schuldzuweisung. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Im Text wurde deutlich unterstrichen, dass der Luftangriff eine Reaktion auf den vorangegangenen Raketenbeschuss war. ORF.at ist ein Nachrichtenmedium und muss als solches natürlich ein möglichst aktuelles Bild des Geschehens zeichnen, was im konkreten Fall eben den Angriff Israels betraf. ORF.at berichtet regelmäßig auch über den Raketenbeschuss palästinensischer Terroristen und dieses werden dabei auch als solche benannt. Die bei weitem überwiegende Zahl von Usermails zu Nahost-Themen an ORF.at unterstellt uns überdies eine übertrieben Israel-freundliche Berichterstattung.

Mit freundlichen Grüßen,
..., Redaktion ORF.at

 

Gesendet: Montag, 27. Februar 2012, 15:15
Betreff: AW: Falsche Überschrift

S. g. Herr ...,

Ich danke für die rasche Antwort, mit deren Inhalt ich mich allerdings nicht abfinden kann:

1. Ich habe nicht den Text der Nachricht beanstandet, sondern explizit die Überschrift. Diese sieht man nun mal automatisch im orf.at, den Text hingegen nur, wenn man aktiv auf den Link klickt. Das ist wohl ein gewaltiger Unterschied.

2. Wenn die meisten User-Mails Ihnen eine Israel-freundliche Berichterstattung vorwerfen, so lese ich das mit Staunen. Gerade die von mir inkriminierte Überschrift beweist das genaue Gegenteil.

3. Im Übrigen lege ich auf eine Israel-"freundliche" Berichterstattung (was immer drunter zu verstehen sei) gar keinen Wert. Was ich vom ORF in der Berichterstattung allerdings sehr wohl erwarte, ist Korrektheit. Diese ließ bei dieser konkreten Überschrift zu wünschen übrig.

4. Und schließlich zu Ihrer Anmerkung der "Schuldzuweisung": In diesem Konflikt sind beide Seiten Opfer der tragischen Geschehnisse. Also sollten die Berichte auch mit einer besonderen Sensibilität verfasst sein. Auch davon war bei besagter Überschrift nichts zu bemerken.

MfG,
Ronaldo Böhmer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Was in österreichischen Medien kaum Platz findet...

 

EIN NÜCHTERNER BLICK AUF ÄGYPTEN

Eine interessante Momentaufnahme der Lage in Ägypten durch Mahmoud Salem, bekannt auch unter seinem Twitter-Namen Sandmonkey, finden Sie hier.

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IAEO-Report ÜBER DEN IRAN

Der aktuelle IAEO-Report über das iranische Atomprogramm ist hier zu finden, dazu gibt es eine Analyse dieses Berichtes durch Experten des Institute for Science and International Security (hier). Zum Verständnis der vielen technischen Details ist das sehr hilfreiche Glossar über das iranische Atomprogramm zu empfehlen, das zeitgleich mit dem aktuellen IAEO-Report vom Washington Institute for Near East Policy veröffentlicht wurde (hier).

 

ER HAT ES SICHER NICHT SO GEMEINT...

Seit 400 Jahren habe ein fürchterlicher zionistischer Clan die Weltmächte in der Hand und kontrolliere die Politik, die Medien und das Bankwesen weltweit. Israel sei ein Symbol des auf der ganzen Welt herrschenden Zionismus, das ultimative Ziel müsse die Vernichtung des zionistischen Regimes sein. Diese antisemitische Hetze samt dem Aufruf zur Vernichtung Israels gab unlängst Irans Präsident Achmadinejad zum Besten, nachzulesen in englischer Sprache auf einer Seite der offiziellen iranischen Nachrichtenagentur IRNA (hier). Wie lange es wohl dauert, bis der erste „Experte“ nachweisen wird, dass Achmadinejad eigentlich was ganz anderes gesagt hat?

 

VERNICHTUNG ISRAELS ALS STAATSZIEL

Fixer Bestandteil der so genannten "Israel-Kritik" ist es, die Bedrohungen, denen der jüdische Staat ständig ausgesetzt ist, als übertrieben oder gar nicht existent zu verniedlichen. Dabei lassen es die Feinde Israels an der nötigen Klarheit nicht missen. So z. B. Hassan Firouzabadi, der Generalstabschef der iranischen Armee, der laut einem Bericht der iranischen staatlichen Nachrichtenagentur ganz offen erklärt: "The Iranian nation is standing for its cause that is the full annihilation of Israel." (Hier.)

 

HAMAS ZIEHT BILANZ

Die islamistische Hamas, palästinensischer Zweig der Muslimbruderschaft, feierte unlängst den 24. Jahrestag ihrer Gründung. Im Vorfeld dessen zogen die Qassam-Brigaden, die oftmals als "militärischer Arm" der Terrororganisation bezeichnet werden, Bilanz über die bisherigen "Leistungen" der Hamas. Wie die Jerusalem Post berichtete, präsentierten sie folgende Zahlen: Seit ihrer Gründung habe die Hamas demnach 1.365 Israelis ermordet und 6.411 weitere verletzt, 1.117 "Dschihad-Angriffe" (darunter 87 Selbstmordattentate) unternommen und über 11.000 Raketen auf Israel abgefeuert. Nicht erwähnt wurde die Zahl jener Palästinenser, die von den Schergen der Islamisten wegen angeblicher oder tatsächlicher "Kollaboration" mit dem israelischen Erzfeind ermordet worden sind.

 

DER "VERDAMMTE VERHANDLUNGSTISCH"

US-Verteidigungsminister Leon Panetta fühlte sich unlängst bemüßigt, Israel dazu aufzufordern, die Verhandlungen mit den Palästinensern wieder aufzunehmen. "Just get to the damn table", lautete sein auf reichlich undiplomatische Weise formulierter Vorschlag. Dass er, wie so viele andere auch, damit die falsche Seite angepöbelt hat, dokumentiert das "Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America" mit der sehr anschaulichen Gegenüberstellung (hier) israelischer und palästinensischer Wortmeldungen zum Thema Verhandlungen der letzten zweieinhalb Jahre.

 

SICHER WIEDER NUR EIN DUMMER ÜBERSETZUNGS- FEHLER

Seit Irans Präsident Achmadinejad seinen Wunsch verkündete, Israel von der Landkarte zu tilgen, finden sich im Westen immer wieder Menschen, die "Übersetzungsfehler" bemängeln und der Ansicht sind, das sei alles nicht so gemeint gewesen. Jetzt gibt es dafür wieder eine gute Gelegenheit: Auf einer Buchmesse in der iranischen Provinz Chorasan wurde ein Buch ausgezeichnet, in dem sich Religionsstudenten aus Qom Gedanken darüber machen, wie Israel am besten zu zerstören wäre (hier). Mit Sicherheit handelt es sich bei dem Buch nur um einen einzigen Übersetzungsfehler...