BLOG - Aktuelle Einträge
Muslimfeindschaft?
Einst galt er als renommierter Antisemitismus-Forscher, doch seit Wolfgang Benz sich in den letzten Jahren der Verharmlosung des Antisemitismus in der muslimischen Welt und fragwürdigen Vergleichen von Judenhass und Islamfeindlichkeit verschrieb, hat sein Ruf arg gelitten. Warum das so ist, kann man an einem Interview mit dem Standard sehen. Da behauptet Benz im Hinblick auf die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, der deutsche Verfassungsschutz sei entweder inkompetent gewesen oder habe „ganz bewusst die Opfer als Täter einer Mafiafehde betrachtet“, was sogar noch schlimmer wäre, denn: „Das wären dann schon die Auswirkungen der Muslimfeindschaft.“ (Standard, 15. Mai 2013) Wenn deutsche Sicherheitsbehörden den rechtsextremen Hintergrund der NSU-Morde nicht erkannten, weil sie rassistischen Stereotypen folgend die Toten als Opfer interner Streitigkeiten mafiöser Gruppierungen betrachteten, ist das schlimm genug. Worin genau darin aber „Muslimfeindschaft“ zum Vorschein gekommen sein soll – das bleibt das Geheimnis des „Experten“ Wolfgang Benz.
Neuer Höhepunkt
Schon als Focus Online einmal einen Artikel mit der Überschrift "Israel droht mit Selbstverteidigung" versah, war das eine beachtliche Fehlleistung. Als dieselbe Seite nach dem Ende des Gazakriegs vom November vergangenen Jahres titelte: "Weiter Raketen auf Israel - aber Waffenruhe hält", dachte man, diese Meldung wäre in all ihrer Absurdität wirklich nicht mehr zu toppen. Wie sich jetzt gezeigt hat, war das ein Irrtum:

Kein Gedicht
Ein Jahr ist es her, dass Günter Grass sich in die Pose eines „Überlebenden“ warf und in einem ‚Gedicht‘ davor warnte, dass Israel den „Weltfrieden“ gefährde und dem Iran mit Vernichtung drohe. Jetzt aber, da aus dem atomar bewaffneten Nordkorea eine Kriegsdrohung nach der anderen zu vernehmen ist und der „Weltfrieden“ tatsächlich auf dem Spiel stehen könnte, bleibt Grass stumm, wie Gerald Beyrodt bemerkt: „Er mahnt nicht. Er ruft nicht. Er leitartikelt nicht. Günter Grass schweigt, obwohl Nordkorea mit der Atombombe droht.“ Der Grund dafür ist nicht schwer zu erraten: Des einstmaligen SS-Mannes Blut gerät eben nur in Wallungen, wenn er Israel zur Gefahr für die Menschheit erklären kann – was interessiert ihn dagegen schon Nordkorea? Kritik an Israel ist antisemitisch, wenn darin mit zweierlei Maß gemessen wird. Im Bezug auf Grass kann man nur sagen: quod erat demonstrandum.
"Nur israelische Bomben..."
In Ausgabe 3/2013 von Unique, der Zeitschrift der HochschülerInnenschaft der Universität Wien, hat Claudia Aurednik unter dem Titel "Nur israelische Bomben haben Nachrichtenwert" ein Interview mit MENA-Mitarbeiter Florian Markl über die Medienberichterstattung während des Gaza-Krieges vom vergangenen November geführt, das auch hier zu finden ist.
Terrororganisation Hisbollah
Bisher hat sich die Europäische Union geweigert, die libanesische Hisbollah als Terrororganisation zu klassifizieren. Matthew Levitt vom "Washington Institute for Near East Policy" erklärt, warum es höchst an der Zeit ist, dies endlich zu tun:
Ganz klare Worte an Israel
Im Ö1-Mittagsjournal nahm Außenminister Spindelegger zur Lage der österreichischen UN-Soldaten Stellung, die im Rahmen der „United Nations Disengagement Observer Force“ (UNDOF) auf den Golanhöhen stationiert sind. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse warnte Spindelegger, man werde nicht warten, bis auch Österreicher entführt würden. Im Augenblick denke man nicht an einen Abzug der österreichischen Blauhelme, aber man beobachte die Sicherheitslage sehr genau. Die UNO müsse sich stärker für die Sicherheit der Soldaten einsetzen, sei in einem Brief an den Präsidenten des Sicherheitsrates zu lesen. „Das ist notwendig und muss von Seiten der UNO-Spitze an die beiden Parteien, sowohl in Syrien als auch in Israel, mit ganz klaren Worten und in Aussicht gestellten Konsequenzen herangetragen werden“.
Irans Außenminister droht
Dass das iranische Regime daheim gnadenlos gegen jede Form von Opposition vorgeht, ist ebenso wenig ein Geheimnis, wie dass seine Schergen iranische Oppositionelle auch im Ausland verfolgt und ermordet haben – so auch in Wien, wo im Juli 1989 der Vorsitzende der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran, Abdul Rahman Ghassemlou, und zwei seiner Begleiter kaltblütig erschossen wurden. Vor diesem Hintergrund sollte für einiges Aufsehen sorgen, was Irans Außenminister sich jetzt in einem Interview mit der Wiener Zeitung geleistet hat: Er drohte unverhohlen österreichischen Aktivisten.
Ach ja!
70.000 Tote und hunderttausende Flüchtlinge im Bürgerkrieg in Syrien, Bürgerkrieg und ausländische Militärintervention in Libyen, Krieg zwischen Irak und Iran mit rund einer Million Toten, irakische Besetzung Kuwaits, erster Golfkrieg mit hunderttausenden Flüchtlingen, zweiter Golfkrieg, Bürgerkrieg im Jemen, Bürgerkrieg in Algerien, Krieg zwischen der Türkei und der PKK mit rund 40.000 Toten, Machtübernahme durch Islamisten in Ägypten und Tunesien, … Was haben wir übersehen? Ach ja: „Ganz gleich, was sonst in der Region los sei, der israelisch-palästinensische Konflikt bleibe eine der Hauptursachen für Instabilität.“ (Jordaniens Außenminister im Interview mit dem Standard.) Danke, das hätten wir beinahe vergessen.
Lupenreiner Antisemit: Mohammed Mursi (II)
Zwei Wochen nachdem MENA auf das antisemitische Hetzvideo des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi aufmerksam gemacht hat, haben auch einige österreichische Medien die Geschichte aufgegriffen. Mursi selbst behauptet, seine Aussagen seien "aus dem Kontext gerissen" worden. Wie wohl seine Erklärung für diesen ebenfalls 2010 getätigten Aufruf lauten wird, der jetzt in einem anderen Video zu sehen ist: "Liebe Brüder, wir dürfen niemals darauf vergessen, unsere Kinder und Enkelkinder zum Hass gegen die Zionisten und Juden zu erziehen, und gegen alle, die sie unterstützen. Sie müssen zum Hass erzogen werden, der Hass muss weitergehen"?:
Das muss doch erlaubt sein!
Wie die Times of Israel berichtet, widmete sich die arabische Tageszeitung Al-Quds Al-Arabi der Kritik, die spät aber doch an den antisemitischen Hetztiraden des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi aus dem Jahr 2010 laut geworden ist. In einem Editorial war zu lesen: „Israel and its allies in the West use the accusation of anti-Semitism against any person who criticizes Israel, its racism, and its war crimes against the Palestinians.” Und wahrlich, es kann doch nicht angehen, dass man des Antisemitismus geziehen wird, bloß weil man Israelis als „Blutsauger“ und als „Abkömmlinge von Affen und Schweinen“ bezeichnet – dabei handelt es sich doch nur um „Israelkritik“, die höchstens ein wenig überspitzt formuliert wurde. Herr Augstein, übernehmen Sie!

